Hallo Saltanah und finsbury,
erstmal sorry, dass ich die letzten Tage nichts von mir hören hab lasse, aber irgendwas stimmte mit meinem Browser nicht und mich hat nichts auf die neuen Beiträge aufmerksam gemacht... Normalerweise wackelt dann immer ein oranges Buch
Außer der Midaq-Gasse jetzt habe ich von Machfuz nur zwei weitere Bücher angefangen, die Tausendunderste Nacht (glaube, dass es so heißt) und den ersten Band der Kairener Trilogie. Ersteres hat mir nicht sehr zugesagt, drum liegt es momentan verstaubend neben meinem Bett. Das "Zwischen den Palästen" hat mir eigentlich schon ganz gut gefallen (auch bis jetzt besser als die Midaq-Gasse), allerdings habe ich es in Bamberg vergessen, d.h. ich kann es erst Freitag mitnehmen, aber vielleicht ist es grade in einem Umzugskarton. Durchausmöglich, dass ich es nicht finde

.
Die Charaktere sind eigentlich alle überzeichnet. Deshalb konnte ich auch nicht wirklich mit einer der handelnden Personen warm werden. Das war aber sicherlich auch nicht die Absicht des Autors.
Ja, da kann ich Dir eigentlich nur zustimmen. Machfus wollte wohl das "quirlige" (?) Bild der Gasse aufzeichnen, ein Momentbild, aber ob das so 100% gelungen ist, weiß ich nicht. Ich erinnere mich an einige Stellen aus
Zorn des Meeres von Kemal Yasar, der das auch versucht, allerdings mit Bewusstseinsstrom und deutlich "moderner" in der Darstellung, ich denke, das wird dem Versuch mehr gerecht.
Neben der Stellung des Islam zur (Homo)sexualität wüsste ich auch gerne, was für eine heilige Frau und heilige Familie es im Islam gibt, die Scheich Darwisch ständig im Munde führt.
Also ich hab mich mal etwas schlau gemacht, allerdings stehen meine "guten" Lexika dazu, genau, auch in Bamberg. Leider konnte ich nichts zu Homosexualität speziell in Ägypten speziell in den 40er Jahren finden.
Generell lässt sich sagen, dass H. im Koran an sieben Stellen explizit verurteilt wird. Die malikitische Rechtschule setzt für einvernehmlichen Analverkehr zwischen erwachsenen Männern die Steinigung beider als Strafe an. Allerdings tritt H. in islam. Ländern aufgrund der monosexuellen (habe das Wort noch nie gelesen...) Welt, in der die jungen Männer aufwachsen relativ häufig auf. Malek Chebel bezeichnet dies als Homosensualität. Also da die jungen Männer abgesondert von den Frauen aufwachsen, kommt es unter ihnen Handlunsgweisen, die bei uns in Europa schon als eindeutig homosexuell ausgelegt werden könnten. In islam. Ländern kann man ja sehr häufig beobachten (auch heute noch), dass Männer einander den Arm um die Schulter legen oder sich an der Hand fassen, wenn sie sich miteinander unterhalten. Daraus kann noch "näherer" Umgang entstehen, aber mit einem gewissen Alter ist das dann meistens zu Ende.
Päderastie tritt häufiger auf als H. zwischen zwei Erwachsenen. Dabei ist es so, dass der Aktive und/oder Ältere in der gesellschaftlichen Stellung nicht so tief absinkt wie der Passive (das wäre für einen muslimischen Mann, wenn es ihm nicht wie in der Midaq-Gasse egal ist, die größte Schande). Wer einen anderen so beschimpft, wird - gemäß der malikitschen Rechtschulmeinung - mit 80 Peitschenhieben bestraft.
Soweit Malek Chebels Enzyklopädie
Die Welt der Liebe im Islam. Vielleicht steure ich nochmal eine kurze Ergänzung an, wenn ich in Bamberg an bessere Bücher komme.
Ägypten war im 20. Jahrhundert ein relativ aufgeschlossenes Land, was natürlich nichts an den "festen" Strafen und dem generellen Verbot im Koran ändert. Trotzdem hätte es wohl in anderen Ländern deutlich strenger ausgesehen, z.B. in Saudi-Arabien, auch wenn Chebel H. als "in der Tradition der Beduinen verwurzelt" beschreibt.
Zu
heiliger Familie: Ich weiß leider nicht mehr (kein gutes Zeichen, wenn ich mich eine Woche nach der Lektüre schon nicht mehr erinnern kann...), wo und in welchem Kontext das genau auftrat. Aber ich denke, es handelt sich um Muhammad, Fatima, Ali, Husain & Hasan.
Fatima ist ja die Tochter Muhammads, die mit dem vierten Kalifen Ali verheiratet war, dessen Ermordung zur Spaltung in Sunna und Schia geführt hat. Sohn Husain wurde 680 in der Schlacht von Kerbala (heute Iraq) grausam getötet. Er wird seitdem von den Schiiten Quasi als "Heiliger" verehrt, ähnlich wie auch Fatima. Jedes Jahr am Tag der Ermordung geißeln sich viele Schiiten im Andenken an Husain, das gibts ja immer schön in den Nachrichten zu sehen *G.
Konstantin, ich meine in einem anderen Thread gelesen zu haben, dass du arabisch studierst. Hast du das Buch im Original gelesen?
Schön wär's. Ich habe zwar jetzt schon drei Semester jeweils 6stündigen Unterricht hinter mir, aber bislang war das eigentlich nur Grammatik. Meinem momentanen Niveau entsprechend würde ich wohl bis zur Rente brauchen, bis ich so ein Buch gelesen hätte. Aber ich bin froher Dinge und habe einem Freund, der den nächsten Monat in Istanbul und Damaskus ist, eine fette Liste mit Einkaufsbücherwünschen mitgegeben, da war die Midaq-Gasse auf Arabisch auch dabei. Aber ich hege die Vermutung, dass ich (nach nur einem Semester) türkische Bücher schneller und besser in der Originalsprache lesen könnte als arabische...
So, ich werde dann mal noch ein bisschen was für meine Prüfung am Donnerstag lernen (Osmanenabwehr unter Karl V.)...
Bis demnächst mal wieder, Konstantin