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Autor Thema: Julia Franck - Die Mittagsfrau  (Gelesen 2276 mal)

Murkxsi

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Julia Franck - Die Mittagsfrau
« am: 30. September 2008, 11:18:27 »



Klappentext:

"Du wartest hier, ich bin gleich zurück", sagt Helene zu ihrem kleinen Sohn Peter, setzt ihn auf eine Bank am Bahnsteig und geht. Geht, um nie mehr zurückzukehren. Erst wenn man Helene und ihrer Lebensgeschichte zwischen zwei Weltkriegen folgt, wenn man sie durch ihre Hoffnung, Einsamkeit und Liebe hindurch begleitet, wird klar, wie diese radikale Entscheidung möglich wurde. Julia Franck erzählt in filigranem, klarem Ton ein Leben, das in die Mühlen einer furchtbaren Zeit gerät.


Bewertung:

Warum dieses Buch den Deutschen Buchpreis 2007 erhalten hat, ist mir absolut schleierhaft. Auch die so hochgelobte Sprache der Autorin kam bei mir eher verstaubt und altertümlich daher. Ich hatte das Gefühl, ich lese einen Roman aus dem 17. Jahrhundert.

Was die Geschichte betrifft: Nunja, der Ansatz war gut und weckte Neugier, was danach kam, war allerdings extrem langatmig und zum Teil langweilig. Seitenweise schreibt die Autorin das Gleiche, ohne wirklich etwas auszusagen. Die Figuren konnten nicht überzeugen, die Geschichte ebenfalls nicht, sie blieb bis zum Ende blass. Auffallend auch die vielen beschriebenen lesbischen Situationen, besonders zwischen den Schwestern. Demnach kommen die Männer in diesem Buch ziemlich schlecht weg.
Und warum Helene letztendlich ihren Sohn im Stich lässt, ist für mich immer noch nicht nachvollziehbar. Aber genau dass sollte eigentlich die ganze Geschichte erklären.

Das beste am Buch waren der Prolog und der Epilog. Zuwenig für 432 Seiten.

Es ist übrigends in diesem Fall sehr interessant, die Rezensionen bei Amazon durchzulesen. Selten bekam ein Buch so extrem unterschiedliche Bewertungen.

Von mir bekommt es noch gequälte
 2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:
eigentlich eher nur 2 Ratten, aber die Idee der Geschichte fand ich sehr gut und wie gesagt die ersten und die letzten Seiten (und weil es ein Buchbändchen hat  :zwinker:).

Mich würden Eure Meinungen über dieses Buch interessieren. Ich könnte mir vorstellen, dass auch hier die Meinungen stark auseinandergehen.

LG Murkxsi

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dubh

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #1 am: 30. September 2008, 15:05:43 »

Hallo Murkxsi,

eine kurze Verständnisfrage: bist Du Dir sicher, wenn Du Julia Francks Buch unter Liebes- und Frauenromane einsortierst?

Liebe Grüße
dubh
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Klassikfreund

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #2 am: 30. September 2008, 15:22:11 »

Das gehört m.E. in die Sonstige Belletristik. Wundere mich, dass es niemand zuvor rezensiert hat.

Gruß, Thomas
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Valentine

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #3 am: 30. September 2008, 15:23:37 »

Zumindest gibt die Suchfunktion nix her. Ansonsten würde ich das Buch auch eher bei "Sonstige Belletristik" sehen und schiebe den Thread gleich dort hin.
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dubh

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #4 am: 30. September 2008, 17:43:08 »

Danke. Ich muss gestehen, dass ich einigermaßen "entsetzt" war, Julia Franck bei Danielle Steel, Susan Elizabeth Phillips und Co. zu finden...


Schöne Grüße
dubh
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Valentine

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #5 am: 30. September 2008, 20:53:55 »

Am Ende hätten wir sie noch einer Pilcherösitätsprüfung unterziehen müssen  :entsetzt:
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Murkxsi

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #6 am: 01. Oktober 2008, 09:05:47 »

Ich war mir nicht sicher, worunter ich dieses Buch packen sollte. Es ist eine Frauengeschichte, deshalb habe ich es unter Liebesromane und Frauenromane gepackt.

Ich glaube, das Buch hätte noch nicht einmal die "Pilcherösitätsprüfung" bestanden  :zwinker: (tolles Wort)

LG Murkxsi
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Valentine

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #7 am: 01. Oktober 2008, 09:54:50 »

Den Ursprung der Pilcherösitätsprüfung findet man übrigens hier ;)

War das Franck-Buch denn auch kitschig oder nur langweilig?
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Murkxsi

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #8 am: 01. Oktober 2008, 13:47:14 »

Jetzt müsste man kitschig genau definieren, was ja u. U. für jeden etwas anderes bedeutet.

Verglichen mit Pilcher & Co. würde ich sagen NEIN.  Aber diese auf Biegen und Brechen auf "schön" getrimmte Sprache, die sich letztendlich für mich ganz furchtbar las, macht es fast noch schlimmer als Pilcher & Co. Da lese ich dann lieber freiwillig nochmal die Muschelsucher.  :zwinker:

Aber vielleicht stehe ich ja mit meiner Meinung ganz alleine da und ich verkenne einfach nur dieses Sprachgenie. Wirklich Ahnung von Germanistik habe ich ja nicht. Ich kann nur sagen, was sich für mich gut und flüssig liest und was nicht.

Und von der Geschichte her bediente Julia Franck mit Sicherheit genauso viele Klischees wie die Pilcher.

LG Murkxsi
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Blume88

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #9 am: 12. Februar 2009, 16:44:50 »

Hallo zusammen,

wundert mich ja, dass er hier bisher erst eine Person gibt, die es anscheinend gelesen hat und ihre meine dazu schreibt.
Also ich habe mir das Buch gekauft, da ich auch dachte: Deutscher Buchpreis - das muss ja gut sein *g*

Eigentlich fand ich es auch gar nicht schlecht. Den Prolog fand ich super... doch dann der Übergang; ich wusste erst gar nicht, was das jetzt soll und was das denn mit dem Prolog zu tun hat (stellt sich ja auch erst relativ spät raus bzw. wenn man den Buchumschlag nochmal liest wird es klar). Daher fiel mir dann der eigentliche Beginn des Buches ziemlich schwer. Ich konnte mich auch nicht richtig hineinfühlen, da die Beziehung zu der Mutter sehr komisch war und für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Doch, klar, es soll ja schon vorkommen, dass Mütter ihre Kinder nicht lieben und verstoßen, aber wie gesagt, für mich war es eben schwer nachzuvollziehen. Auch Marthas lesbische Annäherungen an ihre Schwester fand ich äußerst bedenklich... das Buch wurde für mich eigentlich erst richtig gut, als die Mädchen nach Berlin kommen und vor allem als sich die Beziehung zwischen Helene und Carl entwickelt.

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Nach diesem Ereignis wird die Geschichte für mich eigentlich schlimmer und schlimmer. Ihre Ehe mit dem Nazi finde ich geradzu schrecklich und ich finde schon, dass das Mitleid hervorruft und man sich richtig in Helene hineinversetzen kann.
Doch andererseits erscheint Helene unglaublich gefühlskalt, vor allem ihrem Sohn gegenüber. Warum sie ihn verlässt, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen.

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Insgesamt finde ich das Buch schon nicht schlecht, denn es hat sehr schöne und bewegende Szenen (Prolog, Helenes glückliche Zeit in Berlin), doch oft kann ich mich einfach nicht in die gefühlskalten Charaktere hineinversetzen. Zudem ist meiner Meinung nach alles ein bisschen too much
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« Letzte Änderung: 12. Februar 2009, 16:46:32 von Blume88 »
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gretchen

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #10 am: 14. Februar 2009, 19:25:24 »

Hallo,

zwar ich mir das Buch auch, aber bisher habe ich es nicht gelesen. Irgendwie macht es mich nicht so richtig an.


Liebe Grüße

gretchen
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Kratzbürste

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Re: Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #11 am: 04. März 2009, 22:04:51 »

Haben dieses Buch wirklich nur so wenige gelesen?

Also mir hat es sehr gut gefallen. Und einer Freundin - der ich es ausgeliehen hatte - hat es auch sehr zugesagt. Wir fanden nur beide den Schluß etwas blöd. Aber es war mal etwas komplett anderes. Und ich war durchweg gespannt, was denn das Ganze nun mit dem Prolog zu tun hat. Mich hat die Geschichte der jungen Frau interessiert. Sie ist einmal etwas anderes und total faszinierend. Sicher kommt einem die Beziehung zwischen Mutter und Tochter etwas befremdlich vor. Aber diese Frau war verrückt. Dieses Verhältnis zur Mutter und die nachfolgenden Ereignisse und Umstände, die die junge Frau erleben muß, sollen erklären, warum sie später ihren Sohn auf dem Bahnsteig aussetzt. Und ich finde, daß man das der Autorin abnimmt.
Ich habe es sehr gerne gelesen. Und ich werde es auch weiterempfehlen.

 4ratten

hilde

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Antw:Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #12 am: 04. August 2009, 14:24:03 »

Hallo!

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, ich kann es nur empfehlen. Helenes Gefühlskälte gegenüber ihrem Sohn erschließt sich auch Helenes Entwicklung. Sie kann nicht anders, sie kann sich ihren Empfindungen nicht stellen. Julia Franck hat die Grauen des 3. Reiches aus einer sehr persönlichen Sicht dargestellt und gezeigt, wie Lebensfreude und Menschlichkeit verdorren. Deswegen hat mich dieses Buch sehr berührt.
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Cyberangel

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Antw:Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #13 am: 02. Oktober 2009, 19:11:01 »

Ich habe jetzt die ersten 125 Seiten hinter mir und mich fesselt dieses Buch sehr.
Auf dem Cover sind bei meiner Ausgabe zwei Zitate aus Rezensionen abgedruckt, die ich nur bestätigen kann.
Nämlich dass sehr sinnlich, körperlich und klug erzählt wird und dass man intensiv wie selten die Gefühlswelt sogar fast mit eigenem Leib miterleben kann. Auch die Sprache gefällt mir sehr gut.
Lediglich habe ich manchmal das Gefühl, dass sie sich wiederholt.
Zwar kann ich ein solches Verhalten der Hauptcharaktere selbst nicht nachvollziehen, aber ich halte es durchaus für möglich und damit auch interessant.
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Valentine

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Antw:Julia Franck - Die Mittagsfrau
« Antwort #14 am: 05. Oktober 2009, 11:49:14 »

Kürzlich habe ich die "Mittagsfrau" als Hörbuch gehört und war nicht besonders angetan. Ich schließe mich Murkxsi an - da lese ich lieber noch mal die "Muschelsucher" ;)

Der Anfang war stark, und die Schilderungen von Helenes Beziehung zu Carl
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beeindruckend gelungen, der Rest aber ist von diversen Klischees durchzogen:
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