Patrick Rothfuss - The Name of the WindZum Inhalt: nach sechs Seiten im Thread spar ich mir das mal

Meine Meinung: Ich hab das Buch gerade durch - leider - und warte jetzt gespannt auf Band 2. Das dürfte schon alles sagen

Kvothe ist ein interessanter Held. In der Rahmenhandlung der zurückgezogen lebende Gastwirt, der alles tut, damit niemand im Dorf merkt, wer er wirklich ist. In der Hauptgeschichte hingegen erleben wir mit ihm seine Abenteuer, bevor er sich in das Gasthaus zurückgezogen hat, beginnend mit seiner Kindheit. Diese Erzählweise fand ich sehr gelungen, da sowohl die Rahmenhandlung als auch die Erzählung von Kvothe selbst immer Lust auf mehr machen und man beide Stränge verfolgt. Einerseits wissen wir, dass Kvothe ein Held ist, der manches erlebt hat, trotzdem ist der Weg zum Helden, der erzählt wir nicht langweilig, sondern interessant und nachvollziehbar. Anderseits ist auch klar, dass auch in der Rahmenhandlung noch wichtige Ereignisse kommen müssen. Es bleibt in diesem ersten Band von geplanten dreien vollkommen unklar, warum Kvothe sich zurückgezogen hat, es ist aber auch klar, dass irgendeine Bedrohung durch dämonenartige Wesen besteht, deren Ziel ebenfalls im Dunkeln bleibt. Haben sie es auf Kvothe im Speziellen abgesehen oder ist vielleicht die Menschheit ihr Ziel? Es scheint klar, dass irgendwann Kvothes Erzählung und die Rahmenhandlung zusammenfliessen müssen, aber völlig unklar ist wann und wie.
Die Erzählung von Kvothes Kindheit und Jugend war nebenbei etwas ganz anderes als ich erwartet hatte. Vom Klappentext her hatte ich erwartet, dass man mittendrin in blutrünstigen Schlachten und Kämpfen ist, aber weit gefehlt. Auch den Stellenwert, den die Magie einnimmt, hatte ich irgendwie nicht erwartet. Dabei geht es gerade sehr viel um Magie und weniger um Kampfkunst und Schlachten. Der junge Kvothe ist gerade davon fasziniert, nachdem er seinen erster Lehrer in einer Notsituation dabei beobachtet, Magie anzuwenden. Auch ansonsten ist er vielseitig interessiert, Chemie, Medizin, Sprachen,... Komischerweise hat es mich nicht gestört, dass er so ein neunmalkluger Bengel ist, der einem eigentlichen auf die Nerven gehen müsste. Der Grund dürfte wohl sein, dass Kvothe als Ich-Erzähler seiner Intelligenz keine große Bedeutung zukommen lässt, er stellt es einfach als gegebene, glückliche Fügung hin, dass er extrem leicht lernt und später an der Universität jünger als seine Mitstudenten ist. Auch nützt ihm seine Intelligenz und seine Begabung für Magie in Krisensituationen meist sehr wenig, er schlägt sich eine zeitlang als Straßenkind nur mühsam durch und hat auch gegenüber seinen Feinden an der Universität dadurch selten Vorteile. Auch seine unbeholfene Art gegenüber Frauen macht ihn sehr sympathisch und glaubhaft.
In der Regel bin ich kein Freund von Ich-Erzählern, bei diesem Buch gefällt es mir aber. Wir teilen Kvothes Gedanken, leiden mit ihm und nehmen eine ganze Welt durch seine Augen wahr. Dadurch lernen wir natürlich auch Freund und Feind nur durch ihn kennen, was inbesondere bei seiner großen Liebe Denna nett ist. Trotz aller Begabung ist er eben nur ein Jugendlicher, der nicht weiss wohin mit Armen und Beinen, ganz zu schweigen davon, wie er bei ihr landen soll. Denna ist auch die geheimnisvollste aller Figuren, sprunghaft taucht sie auf, verschwindet; nie weiss Kvothe und damit auch der Leser, woran er an ihr ist. Klar ist, dass sie Kvothe mag, doch ihre Person ist von einem großen Geheimnis umgeben, auf dessen Lösung wir sicher noch bis Band 3 warten müssen.
Tja, ich bin sehr gespannt wie es weitergeht und wie Kvothe sich entwickelt. Durch den Anfang der Geschichte und auch den Klappentext wissen wir ja, dass er noch einiges vorhat, von der Uni fliegen und einen König umbringen wird - bloss nicht wie! Ich hoffe, Patrick Rothfuss schreibt schneller als George R. R. Martin

Alles in allem,
