Queen Elizabeth macht den üblichen Spaziergang mit ihrer Hundemeute, als ihr zum ersten Mal bewusst der Bibliotheksbus vorm Dienstbotenflügel auffällt. Neugierig schaut sie sich um, leiht fast eher höflichkeitshalber ein Buch aus und kommt mit dem Küchenhelfer Norman ins Gespräch, der offenbar gerne liest.
Damit beginnt eine Leidenschaft, mit der die Queen auf ihre alten Tage nicht gerechnet hätte. Die Literatur lässt sie nicht mehr los. Ihre Repräsentationspflichten werden plötzlich halbherzig erledigt, die Politiker ein noch lästigeres Übel als sonst, Ma'am vernachlässigt gar ihre sonst so akkurat zusammengestellte Garderobe und liest, liest, liest!
Prinz Philip ist verwundert, der Hofstaat in Aufruhr, die Politik pikiert, man versucht ihr dezente Hinweise zu geben, dass diese unmögliche Leserei gänzlich unköniglich ist, doch die Queen lässt sich nicht beirren.
Eine charmante Novelle, very British indeed, die mit spitzer Feder die eingefahrenen Traditionen des Königshauses aufs Korn nimmt und gleichzeitig ein wunderbares Plädoyer für die Literatur und das Lesen ist.
Die Queen macht innerhalb kurzer Zeit eine gar nicht untypische Leseentwicklung durch, erweitert ihren Horizont auf ganz neue Weise und gerät dadurch ins Nachdenken über sich selbst als Person und als Amtsträgerin, zweifelt an der Sinnhaftigkeit ihrer entrückten Position und bereitet ihren Höflingen ganz schönes Kopfzerbrechen.
Im Original liest es sich relativ anspruchsvoll, es lohnt sich aber, Bennetts wohlgesetzte Formulierungen in der ursprüngliche Sprache zu lesen. Sehr hübsch ist auch das Cover meiner Ausgabe im eleganten Streifentapetendessin.
Prädikat: Klein, aber fein!
