Inhalt:Maik ist reich. Reich und langweilig. So langweilig, dass er noch nicht einmal zur Geburtstagsparty von Tatjana eingeladen wird, in die Maik so schrecklich verliebt ist.
Tschick heiss eigentlich Andrej Tschichatschow, ist Russe und auch nicht zu Tatjanas Party eingeladen. Russen, Nazis und Idioten sind dort nicht willkommen.
Und dann kreuzt Tschick bei Maik auf. In einem "ausgeliehenen" Lada und die Jungs entschliessen sich dazu, in die Wallachei zu fahren. Um Urlaub zu machen wie ganz normale Leute auch. In einem geknackten Lada...
Meine Meinung:Wolfgang Herrndorfs "Tschick" ist ein Buch, in dem alles drunter und drüber geht. Der Lada übrigens auch.
Herrndorf lässt Maik seine Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen und zwar so, wie ein ganz normaler Fünfzehnjähriger redet. Deswegen geht an manchen Stellen die Grammtik schon einmal flöten, aber ich fand, dass dies die Authenzität des Buches erhöht hat. Denn auf diese Weise hat man Maiks Stimme konstant ihm Ohr und es ist fast so, als würde er neben einem sitzen und die ganze verrückte Geschichte erzählen.
Dabei ist die Sprache nicht nur authentisch, sondern auch mit einem sehr trockenen Humor ausgestattet. Das Buch ist durch und durch witzig, nicht nur die Abenteuer der Jungs sind genial, sondern auch die Jungs selber. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, ich musste einfach wissen, wie es weitergeht.
Tschick und Maik tuckern quer durch die Umgebung Berlins und obwohl Landschaftsbeschreibungen vorkommen, so lebt das Buch doch von seinen Figuren. Nicht nur Tschick und Maik sind wahre Originale, der Autor lässt noch viele andere kurlige Personen auftauchen. Die Sprachtherapeutin, Ina oder der letzte Einwohner eines verlassenen Dorfes, der mit der Flinte auf den Lada schiesst.
Herrndorf wartet mit originellen Einfällen auf und Maiks einfache Sprache lassen das Buch zu einem richtigen Page-Turner werden.
So erleben wir mit, wie die beiden Jungen sich anfreunden und langsam über sich hinauswachsen. Vor allem Maik, der sich zu Beginn des Buches noch fast gar nichts traut, entwickelt sich ein grosses Stück weiter. Ob nun zum Guten oder zum Schlechten, das bleibt dem Leser überlassen.
Mich rührte vor allem die Freundschaft, die zwischen Tschick und Maik entsteht. Während Maik Tschick anfangs noch misstraut und ihn lieber loswerden will, werden sie durch die Abenteuer, die sie erleben, zu richtigen Freunden und stehen auch füreinander ein. Man merkt sofort, dass die beiden ein tolles Team sind. Und vielleicht hätten sie es sogar bis in die Wallachei geschafft - Ich hätte es ihnen gegönnt! Auch wenn keiner zu Beginn überhaupt wusste, wo die Wallachei liegt...
Das Ende war für mich zwar nicht wirklich zufriedenstellend, aber hier wurde darauf zurückgegriffen, wie so ein Abenteuer auch im realen Leben ausgegangen wäre. Somit trübt der Schluss meine Freude an diesem Buch nur wenig.
Obwohl in "Tschick" zwei Jugendliche die Hauptrolle spielen, würde ich das Buch nicht als Jugendbuch bezeichnen und auch nicht zu jungen Lesern empfehlen. Vieles, das in diesem Werk angesprochen wird, ist nur zwischen den Zeilen vorhanden. Man erfährt viel über das Leben, das Erwachsenwerden und unseren Alltag, aber ohne dass es direkt angesprochen wird.
Fazit: "Tschick" ist ein Buch, das man unbedingt im Sommer lesen solle. So kommt volle Stimmung auf wenn Maik und Tschick durch Deutschland fahren.
Wer Coming-of-Age-Bücher mag, sollte mal einen Blick riskieren. Auch Leser, die lustige Bücher schätzen, denn Tschick ist lustig durch und durch. Jene, die Roadmovies mögen, werden "Tschick" lieben.
Wie schon erwähnt, würde ich das Buch erst ab einem gewissen Alter empfehlen. Junge Erwachsene werden ihren Spass mit den beiden Ausreissern haben und vielleicht plötzlich selber Lust bekommen, die Welt zu entdecken. Ältere Leser werden die Feinheiten, mit denen "Tschick" aufwartet, jedoch eher herausspüren können.
Ich bin noch immer begeistert von diesem Buch und habe grosse Lust, es gleich noch einmal zu lesen!


