Meine Meinung:Ich las dieses Buch im Zuge des SLW 2009 und bin recht angetan, wenn auch nicht restlos begeistert.
Vier sehr unterschiedliche Charaktere treffen sich auf einem Hochhausdach mit dem Vorhaben, an dieser Silvesternacht ihr Leben zu beenden. Doch der Zufall ihres Aufeinandertreffens hält sie von genau dieser Verzweiflungstat ab.
Schon zu Beginn erfährt man die individuellen Beweggründe für den Selbstmordversuch und erhält damit schon einmal einen guten Einblick in das Leben der Figuren. Die Charaktere werden liebevoll entwickelt und allesamt haben sie ihre Eigenarten und Macken, welche sie erst richtig liebenswert machen. Die vier sind grundverschieden - und so findet wohl jeder geneigte Leser eine Person, mit der er sich identifizieren kann.
Da ist die recht konservative Maureen, die einen behinderten Sohn - den sie trotz allem sehr liebt - zu pflegen hat und aus diesem Grund vereinsamt ist. Es fällt ihr sehr schwer, sich wieder in die Gesellschaft einzufinden, welche sie (mit Ausnahme der Kirche) in der Vergangenheit gemieden hat. Noch schwerer fällt es ihr, wieder auf einem eigenen Leben zu bestehen und zu begreifen, dass sie trotz ihres Sohnen auch ein Recht auf ein eigenes Leben hat. Maureen ist sehr liebenswert und weiß im Laufe der Geschichte so manches Mal zu überraschen. Sie macht im Laufe der Geschichte meiner Meinung nach die größte Entwicklung durch und ist somit eine sehr interessante Figur.
Zudem gibt es Martin, den Showmaster, welcher sich in Verruf gebracht hat, indem er mit einer 15-Jährigen schlief. Nicht nur, dass er eine Gefängnisstrafe verbüßen musste - nein, er ist auch noch dem Spott und der Verachtung der Öffentlichkeit ausgesetzt, worunter er sehr leidet. Martin wurde mir im Verlauf des Buches nicht wirklich symphatisch - auch er hat sich zwar entwickelt, doch ich empfand ihn das gesamte Buch hindurch als "Stinkstiefel".

Auch konnte ich manche seiner Handlungen einfach nicht nachvollziehen - an mehreren Stellen des Buches hätte ich ihm am liebsten mal so richtig die Meinung gegeigt. Nun ja, das tun ja auch andere Charaktere zur Genüge...
JJ empfand ich als den ruhenden Pol des Quartetts - er leidet unter der Auflösung seiner Band, in der er den Sinn des Lebens sah - und unter der Trennung von seiner Freundin. JJ war mein Liebling in dem Buch - ein Musiker mit Leib und Seele und außerdem sehr gutmütig, auch wenn er genauso gerne Kraftausdrücke verwendet wie Jess und Martin. JJ irrt ziemlich perspektivlos durch sein Leben und muss sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen, so dass er keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht. Im Vergleich zu den anderen Charakteren erscheinen seine Gründe für den Selbstmordversuch vielleicht zunächst recht trivial, doch beim genaueren Nachdenken darüber kam ich auch ganz schnell zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall ist, dass seine Gründe doch schwer wiegen. JJ's Abschnitte im Buch haben mich immer am nachdenklichsten gestimmt, deshalb habe ich ihn auch zu meinem Favoriten auserkoren (auch wegen seiner Vorliebe für Bücher, auch wenn er nicht immer zu verstehen scheint, was er da liest

).
Die Vierte im Bunde ist Jess. Sie hat eine sehr aufbrausende Natur, was teilweise etwas anstrengend war, aber als ich nach und nach ihre Vorgeschichte und ihre familiären Umstände kennen lernte, entwickelte ich auch ein gewisses Verständnis für sie. Jess erschien mir teilweise etwas naiv und ich hätte sie nicht selten am liebsten mal kräftig durchgeschüttelt, so unnachvollziehbar und impulsiv erschienen mir ihre Handlungen. Trotzdem ist sie im Grunde kein schlechter Mensch und macht auch während des Buches eine recht interessante - wenn auch subtile - Entwicklung durch.
Gut fand ich, dass alle vier Charaktere ihre Geschichte aus der Perspektive eines Ich-Erzählers schildern und dabei ihren ureigenen "Schreibstil" verwenden. Das bringt dem Leser die Charaktere schnell näher und unterstreicht ihre Persönlichkeit.
Die Kraftausdrücke störten mich persönlich nicht und sie schienen mir auch sehr realistisch - schließlich benutzt doch wirklich die Mehrheit der Menschen ab und zu mal einen solchen Ausdruck (ich übrigens auch

). Und bei jungen, aufbrausenden Menschen wie Jess kommen diese natürlich inflationär zum Einsatz.
Ein kleiner Mangel war nur, dass das Buch meinem Empfinden nach manchmal ein wenig vor sich hin plätscherte und Längen aufwies, insbesondere zum Ende hin. Da kamen dann auch mal Nebenhandlungen vor, die meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig gewesen wären.
Alles in allem hatte ich jedoch viel Spaß mit dem Buch, habe über den spritzigen Humor des Buches geschmunzelt und war auch an der einen oder anderen Stelle berührt und betroffen.
Das Buch ist für mich eine schöne Liebeserklärung an das Leben, das trotz all seiner Härten und Schwierigkeiten doch immer wieder schöne Dinge für die Menschen bereithält. Eine nette Leseerfahrung, die von mir

erhält.
Sorry, dass diese Rezension nun eher zu einer kleinen "Charakterstudie" geworden ist...
