Über den Autor:Alan Bennett, 1934 in Leeds geboren, wurde bekannt durch seine TV Comedy-Revue "Beyond the Fringe" sowie durch die 1987 unter dem Titel "Talking Heads" von der BBC gesendeten Monologe. Neben zahlreichen Theaterstücken - unter anderem eine Theaterfassung des englischen Kinderbuchklassikers "Der Wind in den Weiden" - und seinen Arbeiten für Fernsehen und Rundfunk schreibt Bennett seit Mitte der neunziger Jahre auch Prosa.Weitere Informationen:
Alan Bennett - Eintrag bei WikipediaAlan Bennett - Eintrag bei perlentaucher.deAlan Bennett - Steckbrief bei "Museum of Broadcast Communications" (Englisch)Klappentext:Wer hätte gedacht, dass eine Liebeserklärung an die Queen und die Literatur so gut zusammenpassen? Die Hunde sind schuld. Beim Spaziergang mit der Queen rennen sie los, um den allwöchentlich in einem der Palasthöfe parkenden Bücherbus der Bezirksbibliothek anzukläffen. Ma'am ist zu gut erzogen, um sich nicht bei dem Bibliothekar zu entschuldigen, leiht sich ebenfalls aus Höflichkeit ein Buch aus - und kommt auf den Geschmack.
Die Auswirkungen der majestätischen Leselust sind unvorhersehbar, die Grundfeste des Buckingham Palace werden jedenfalls gehörig durcheinander gewirbelt und für den Leser bleibt kein Auge trocken.
(entnommen von
Amazon.de)
Meine Meinung:Die Hunde haben die Schuld. Beim Spaziergang durch den Park des Buckingham Palace entdeckt die Queen einen "Bücherwagen" der örtlichen Bibliothek. Pflichtbewusst wie sie ist, ohne den Bibliothekar beschämen zu wollen, leiht sie sich ein Buch aus. Queen Elizabeth stellt sehr schnell fest, dass sie es mit sehr zäher, trockener Kost zu tun hat, bringt das Buch zwar gelesen, aber nicht genossen, zurück. So geschehen auch mit der zweiten und dritten Lektüre. Bis Norman, ein Küchenjunge, Fan von Autoren der homosexuellen Szene, sie langsam an das "richtige", nämlich unterhaltende, spannungsreiche und neue "Lesen" heranbringt. Die Erfahrung, dass Bücher einen vollkommen andere Welten eröffnen, vollkommen neue Charaktere erschließen lassen, macht sie bei der Lektüre von Kilvert und Carol, genauso wie bei Wilde und McEwan. Langsam entwickelt sie Empathie für ihre Mitmenschen, entwickelt eigene Gedanken zu dem Gelesenen, notiert sich Szenen, Sequenzen, Zitate, versieht sie mit eigenen Notizen, Kommentaren und Fragen. Geradezu obsessiv beschäftigt sie sich mit ihrem neuen Hobby - Die Paradekutsche verspätet sich regelmäßig, ihre Kleidung gebraucht sie mehrmals, auf Spaziergängen mit den Hunden ist sie kaum mehr anzutreffen und wenn nur mit Buch in der Handtasche oder in den Händen. Gespräche mit Ministern anderer Länder laufen nicht mehr nach geltenden Konventionen ab; nicht mehr das Wetter oder die Anfahrt ist das Thema zwanglosen Smalltalks, sondern Lieblingslektüren, Skandalautoren und Buch-Neuerscheinungen. Logischerweise bleibt diese Obsession, dieses Hobby nicht ohne Befürworter oder Feinde. Gerade im engsten Beraterkreis brodelt es, bricht die Queen doch palastinterne Regeln und Maßnahmen, die nicht nur ihr sondern auch ihren Mitmenschen das Leben erleichtern sollen. Und auch ihr neuer Lesegehilfe, Norman, ist kein gern gesehener Gast. Und doch setzt sie sich durch, über alle Schranken hinweg, bricht aus gegebenen Regeln aus, auf ihre Art und Weise, ohne Aufsehen zu erregen. Dies tut sie erst, als in ihr ein Plan reift nicht nur zu lesen, sondern durch dieses Lesen auch etwas voranzutreiben, fortzuschreiten, etwas zu verändern.
"Ein großes Lesevergnügen" prophezeite Frau Heidenreich und das war es auch wirklich. Mit viel schwarzem Humor, immer einen Augenzwinkern beim Schreiben, liest sich diese kleine Hommage an das Lesen sehr flüssig, sehr locker und vor allem sehr witzig. Man kommt nicht umhin zu lachen, wenn Frau Königin den französischen Präsidenten nicht wie vorgesehen nach der Anreise fragt, sondern was er von einem Skandalautor des 19.Jahrhunderts weiß. Man fiebert mit, wenn Norman aus dem Umfeld der Queen "entfernt" wird, ausgestoßen aus dem Kreis der Dienerschaft, die alles andere als Vorteile in der Lektüre ihrer Königlichen Hoheit sehen. Und hält schließlich den Atem an, wenn sie am Ende das verkündet, was aus ihrem Lesen und Schaffen resultiert.
Eine spannende, viel zu kurze Lektüre eines so guten, humorvollen Buches, welches einen mit viel Vergnügen einen Nachmittag lang begleitet. Witzig, kurzweilig, einfach eine kleine, wunderbare Geschichte aus dem Hause der Windsors.
Bewertung: 
und somit ein
