Aber all die von Aldawen angesprochenen Punkte, auf die sicherlich hingewiesen werden sollte, betreffen nicht den Kern der Story, das Ziel des Barock-Zyklus.
Ja, sicher, sie betreffen – vielleicht mit Ausnahme des Sklavenhandels – nicht die superzentralen Punkte, ich kann nur leider nicht einfach darüber hinweglesen, wenn ich nun einmal weiß, daß sie falsch sind. Das mag unter anderem eine Folge eines anderen Anspruchs sein. Mein hoffentlich nächstes Jahr erreichtes Ziel eines Abschlusses als Historiker kann ich dabei auch nicht verleugnen ...
Mit den sachlichen Fehlern hätte ich – gerade weil sie eigentlich nur bedingt handlungstragend sind – vielleicht sogar noch leben können, wenn Stephenson nicht zwei Dinge getan hätte, die ein Autor mit mir nie machen darf, wenn ich sein Buch (zu Ende) lesen soll: Er hat mich erstens mit diesem Kursivsetzungsbetonungswahn für zu dämlich erklärt, der Geschichte ohne dieses Hilfsmittel zu folgen (und für dämlich lasse ich mich nicht gerne erklären

) und zweitens hat er mich bis zum Einschlafen gelangweilt. Ich habe nichts gegen dicke Bücher, ich habe auch nichts dagegen, wenn sich ein Autor „zweckfreie“ Umwege erlaubt, aber hier geht die Weitschweifigkeit für meinen Geschmack entschieden zu weit. Die ersten zwei Drittel, die ich ja nun gelesen habe, könnten ohne weiteres um 200 bis 300 Seiten zusammengestrichen werden, dann wäre immer noch genug Platz für Detailfreude und Seitenwege. Nehme ich dann noch die schwache Charakterdarstellung dazu, dann bleibt nach meinem Empfinden nichts mehr übrig, was ich hier mit dem Adjektiv „großartig“ belegen würde. Und
in dieser Kombination führt es dann bei mir unweigerlich zum Abbruch. Ich respektiere aber selbstverständlich, daß man diesem Buch bzw. dem gesamten Zyklus auch ganz anders gegenübertreten kann und dann auch zu einer völlig anderen Einschätzung kommt.
Schönen Gruß,
Aldawen