Ehrlich gesagt bin ich über die größtenteils positive Resonanz hier etwas überrascht.
Habe das Buch in den letzten Tagen aufgrund der Empfehlung einer Freundin, die genauso wenig mit der Bis(s)-Reihe anfangen konnte wie ich, gelesen und möchte hier nun meine Gedanken festhalten.
Ich will es nicht leugnen: was Stephenie Meyer angeht, bin ich wohl voreingenommen, aber ich habe versucht es bei der Lektüre weitestgehend auszublenden.
Allerdings finde ich schon, dass man dem Buch die Autorin ansieht.

Leider kann mich ihr Schreibstil so gar nicht für sich einnehmen - ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt, aber meiner Meinung nach zeichnet er sich nicht besonders aus. Außerdem hätten dem Buch wohl einige Kürzungen gut getan, da die Autorin gerne etwas ausufert sowie einen Hang zu Wiederholungen (zum Beispiel Wandas immer wieder erwähnten Gefühle für Jamie) hat.
Hinzu kommt, dass die Nebenfiguren alle ziemlich blass blieben - ein paar wurden einmal kurz beschrieben, der Rest kam fast nur in Aufzählungen vor. Auch die Hauptcharaktere waren mir zu eindimensional. Stellvertretend sei hier Ian genannt, bei dem immer nur seine fürsorgliche Seite hervorgehoben wurde. Ein paar Ecken und Kanten hätten ihm nicht geschadet.
Ansonsten fand ich die Idee, die Geschichte aus Wandas Sicht zu erzählen sehr interessant. Was mich allerdings irritiert hat war, dass sie zu Anfang des Romans als eine sehr starke Seele eingeführt wird, dann allerdings relativ schnell zu einem schwachen Charakter verkommt.
Hach ja, Wanda… mit ihr konnte ich mich so gar nicht identifizieren.
Die erste Hälfte des Buches zuckt sie ständig vor jedem zusammen, was angesichts ihrer Lage auch verständlich ist, später dann, als sie etwas selbstbewusster wird, lässt sie sich von - nicht immer berechtigten - Schuldgefühlen plagen und opfert sich für alles und jeden auf.

Ich gebe es nicht gerne zu, aber am überzeugendsten fand ich noch den Liebesaspekt.
Der Konflikt zwischen Seele und Körper (Ian und Jared) war ziemlich interessant. Außerdem kam es mir nicht wie Mittel zum Zweck vor, um ein Liebesdreieck einzubauen. Jared bleibt glücklicherweise Melanie treu. Auch Wandas Begriffsstutzigkeit in Bezug auf Ian fand ich angemessen, schließlich ist sie kein Mensch und erlebt so etwas zum ersten Mal.
Die Umsetzung hingegen ließ etwas zu wünschen übrig und ich wünschte, Stephenie Meyer hätte den moralischen Zeigefinger sein lassen.
Zum einen wäre da die Szene zwischen Melanie und Jared, in der Melanie Jared vorschlägt, das Bett zu teilen und er ablehnt. Das Gespräch der beiden hat mich erst einmal Abstand vom Buch nehmen lassen. Zum einen mag ich es, wenn sich die Dinge natürlich entwickeln, zum anderen hat er sie am Kinn gepackt, was ich absolut hasse. XD Mag sein, dass sich sowas gut schreiben lässt, aber im wahren Leben ist es doch total unangenehm. Überhaupt wird Wanda/Mel ständig von Ian / Jared getragen ohne gefragt zu werden oder am Kinn angefasst.
Die andere Sache war Wandas Lüge über das Alter ihres Körpers am Schluss. Fand ich unnötig, zumal die Menschen in einer Extremsituation leben und ich nichts "ehrenvolles" darin sehe, bis zur Volljährigkeit zu warten. Außerdem zählt meiner Meinung viel eher, ob man geistig so weit ist und Wanda ist so gesehen bereits uralt.

Ansonsten haben mich die ersten 500 Seiten des Buches ziemlich gelangweilt, da sich das Buch sehr vorhersehbar entwickelt hat. Das war für den weiteren Verlauf wohl auch notwendig, aber wie bereits erwähnt, hätten ein paar Kürzungen nicht geschadet.
Als
fand ich das Buch schon spanender, aber gleichzeitig hat sich der Kitschfaktor um ein Etliches erhöht:
Die Sache mit der Sucherin, Wandas Selbstmordpläne, das erzwungene Happy-End
Außerdem hat mich gestört, dass
Wanda am Ende einen zierlichen, hilfsbedürftigen Körper erhält. Er mag zwar zu ihr passen, aber ich glaube, sie wäre glücklicher, wenn sie mehr mithelfen könnte. Davon abgesehen, was sendet das für Signale?
Puh, jetzt habe ich doch viel mehr geschrieben, als ich ursprünglich wollte.
Alles in allem bereue ich nicht, den Roman gelesen zu haben und es enthielt einige interessante Aspekte, aber es war definitiv das letzte Buch, welches ich von der Autorin zur Hand genommen habe.
