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Autor Thema: Albert Camus - Die Pest  (Gelesen 1386 mal)

Blume88

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Albert Camus - Die Pest
« am: 13. August 2008, 22:16:22 »

Albert Camus - Die Pest

Inhalt:

Camus schildert den Verlauf der Pestseuche in der gewöhnlichen Stadt Oran an der algerischen Küste aus Sicht der Hauptfigur Dr. Bernard Rieux, der sich jedoch erst am Ende des Romans als „Verfasser der Chronik“ zu erkennen gibt. Die Geschichte beginnt im Jahre „194…“. Einige tote Ratten und ein paar harmlose Fälle einer unbekannten Krankheit sind die Anfänge einer schrecklichen Pestepidemie, welche die ganze Stadt in den Ausnahmezustand bringt, sie von der Außenwelt abschottet und mehrere tausend Todesopfer fordert. Die Pest bedroht das menschliche Dasein der Bevölkerung und wird somit zu ihrem gemeinsamen Gegner. Jeder nimmt diesen schier ausweglosen Kampf gegen den schwarzen Tod auf seine Weise auf. Rieux kämpft als Arzt gleich dem Sisyphos gegen die Krankheit an und gerät unter anderem mit dem Pater Paneloux, welcher die Pest als Strafe Gottes zur Züchtigung des Menschen deutet, in einen Disput.

Das Absurde bleibt jedoch stetiger Begleiter. Unschuldige Kinder sterben genauso wie Menschen, die es verdient hätten, obwohl sich insgesamt das Prinzip erkennen lässt, dass die Pest nur Menschen ohne Solidarität tötet.

Meine Meinung:

Insgesamt fand ich das Buch sehr gut, da man die verschiedenen Reaktionen von Menschen auf die Absurdität sehen kann. Der Arzt, also der Erzähler, "zitiert" aus unterschiedlichen Quellen und schafft es somit, dass nie Langweile aufkommt. So werden zum Beispiel auch die Aufzeichnungen eines Journalist, der durch Zufall in der Stadt und nun gefangen ist, von dem Erzähler erwähnt und man erhält dadurch auch eine distanzierte Sichtweise. Allerdings hatte ich mir von dem großem Werk Camus' mehr erwartet, da die Absurdität doch nur sehr unterschwellig ist und für mich persönlich nicht tief genug geht bzw. nicht ausreichend ausgeführt wird. Aber es ist ja schließlich auch ein Roman und kein Sachbuch über die Absurdität des Lebens  :zwinker:
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If the world weren't such a beautiful place we might all turn into cynics
(Paul Auster)

Yvaine

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #1 am: 19. August 2008, 21:02:15 »

Bei mir ist es jetzt wohl etwa ein Jahr her, daß ich das Buch gelesen habe und so im Nachhinein betrachtet kommt es mir vor wie eine Studie, eher nüchtern, distanziert und zumindest an der Oberfläche recht emotionslos. Am meisten hat mich von  den Hauptcharakteren noch die Geschichte des Dr. Rieux (der sich dann ja auch als der Erzähler herausstellt) und seiner Frau berührt. Trotz dieses nüchternen Studiencharakters des Buches sind mir sehr viele Einzelheiten im Gedächtnis geblieben, intensive Beschreibung des Anfangs der Seuche, das Gefühl des Eingesperrtseins während der Quarantäne, das "sich dem Schicksal ergeben", die Diskussionen des Pfarrers/Paters ? mit dem Doktor, die anfängliche Zauderei der Behörden, das Nichtwissenwollen, das Sterben des Kindes bei der Suche nach einem wirksamen Impfserum und so könnte ich noch vieles aufzählen.

Also .... auch nach längerer Zeit auf jeden Fall - trotz der Distanziertheit - auf jeden Fall lesenswert.

Mit dem philosophischen Hintergrund der Absurdität (die eine solche Seuche natürlich immer mit sich bringt und die zentrales Thema von Camus) ist, hab ich mich erst hinterher ein wenig, aber nicht sehr vertieft befaßt. Das Buch als solches hab ich noch recht unvoreingenommen gelesen, natürlich drängt sich "Absurdität" als Gedanke bei so einem Thema ohnehin auf.

Was mir auch noch intensiv in Erinnerung geblieben ist, war die Menschlichkeit des Arztes, das reine Mitgefühl mit dem Einzelnen (bei aller ärtzlichen Professionalität) , seine Liebe zu den Menschen (die er natürlich in seiner Professionalität auf Distanz halten mußte, die aber vorhanden war) und der leidenschaftliche Unwille soetwas als Schicksal oder gar, wie der Pater erklärt, als Strafe Gottes zu sehen, sondern es als Zufall anzunehmen, als schrecklichen sinnlosen Zufall für die Menschen die eben gerade zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort waren.  Er sieht in all dem Wahnsinn, den Sinn seines Tun letztlich  im Mitgefühl mit den Kranken, dem einzelnen betroffenen Menschen, der große Kampf gg. die Seuche insgesamt scheint sinnlos und verloren, aber für jeden Einzelnen führt er diesen Kampf fort.

Je mehr ich jetzt darüber nachdenke und schreibe, desto mehr Details fallen mir wieder ein ... das allein spricht eigentlich schon für die Qualität des Buches, obwohl ich damals kurz nach dem Lesen eher etwas nüchtern darüber dachte. Erstaunt mich jetzt gerade selbst.

Achja ... und dann gab es da noch diese wunderbare Szenen eines Moments einer Freundschaft bei einem Bad im Hafenbecken .... , doch man sollte das Buch vielleicht wirklich mal gelesen haben  :)

« Letzte Änderung: 19. August 2008, 21:04:29 von Yvaine »
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„Von den Sternen kommen wir, zu den Sternen gehen wir.
Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde.“

Trevor

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #2 am: 23. Januar 2009, 22:12:10 »





Handlung
Die Handlung spielt im Jahre 194... in dem algerischen Küstenstädtchen Oran. Es beginnt mit ein paar toten Ratten und seltsamen Todesfällen in der Bevölkerung bis schließlich offiziell der Ausbruch der Pest bestätigt wird. Die Stadt und deren Bewohner werden ohne Vorwarnung von der Außenwelt abgeschottet, es gibt keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme zur Außenwelt, denn auch Telegramme sind verboten. Dieser Zustand der strikten Quarantäne dauert kanpp ein Jahr und Camus führt den Leser mittels ambivalent angelegter Charaktere durch diese Zeit.

Die Entwicklung der Situation wird sehr eindringlich und durchdacht dargestellt und steht letztendlich doch für das Gesamtbild der Menschheit an sich.
Vom anfänglichen Verkennen der ernsten Lage, dem anschließenden Ausbruch der kopflosen Panik bis hin zur Phlegmatie und Selbstaufgabe zeigt Camus an Einzelschicksalen lebhaft dargestellt die vollkommene „Funktionsweise“ des Menschen.
Manche sind einem sympathischer und andere weniger, wie es wohl mehr oder weniger in jedem Roman der Fall ist, aber je tiefer man in die Charaktere, deren Biografie und Motivation vordringt, versteht man, dass es hierbei nicht um Sympathie geht.
Camus bringt einen dazu, zu verstehen.
Man entwickelt nach und nach Verständnis für jeden einzelnen in diesem Stück angelegten Charakter, weil man sich selbst, eigene Hoffnungen, Ängste, Verzweiflungen und jede Menge mehr in ihnen und ihren Handlungsweisen erkennt.

Meine Meinung:

Es gibt etliche Interpretationen zu diesem Werk des Philosophen Camus, u.a. auch Auslegungen auf den zweiten Weltkrieg, die durchaus gut zutreffen können. Sollte der Autor aber und in erster Linie beabsichtigt haben, den Lesern einen Spiegel vorzuhalten, dann ist ihm dieses Vorhaben m. M. Nach sehr gut geglückt.
Umso bedrückender wirkt das Scheitern einzelner Personen an ihrem Schicksal, das Scheiter unserer eigenen Hoffnung.

Die Tatsache, dass Camus die grundlegendsten Emotionen des Menschen wie Verzweiflung, Angst, Sehnsucht, Zuversicht, Hoffnung, etc. in solch konzentrierter Reinform hinstellen konnte, verdankt er dem Rahmen, den er seinen Personen gegeben hat.
Sie befinden sich allesamt in einer absoluten Ausnahemsituation, abgeschottet von der Außenwelt haben sie nicht die Möglichkeit, ihre Emotionen in der Hektik und Anonymität des Alltags zu verlieren. Die Charaktere müssen sich, viele von ihnen zum ersten mal überhaupt, mit ihren Gefühlen, ihren Gedanken, ihrem Gewissen, ihrem Handeln auseinandersetzen und lernen jemanden kennen, mit dem sie bisher ihr ganzes Leben verbracht haben: sich selbst.

Die ständige emotionale Randlage und die sprachliche Intelligenz eines Albert Camus lassen dieses  Buch an den Händen kleben, bis man die letzte Seite ausgelsen hat.

Zur Motivation und allgemeinen Erheiterung dient dieses Werk allerdings nicht, sondern hinterlässt gemäß der allgemeinen Philosophie Camus` die deprimierende Erkenntnis, dass der Mensch zwar vieles vermag, aber sich letztendlich permanent in einer solch absurden Situation befindet, dass selbst alles Handeln keinen Ausweg bringen kann. Das einzig Positive, das der Autor dem Leser zu erkennen gibt, ist die Fähigkeit des Menschen zur Liebe, in Liebe für andere Menschen handeln zu können und Liebe zu erhalten.
Dementsprechend wirken auch die Charaktere in dem Buch als Marionetten ihrer Umwelt, ihrer Gefühle und jeweiligen momentanen Situation, sprich des Absurdums, wie Camus es in seiner Philosophie beschreibt.

Ich bin kein Freund seiner Philosophie, aber dieses Buch ist auf eine Art und Weise geschrieben, die einen unmittelbar berührt, betrübt und vor den Gedanken stellt, dass der Mensch in seiner Unvollkommenheit doch stets um einen Ausweg aus seiner Situation bemüht ist.

Empfehlen kann ich dieses Buch v.a. denjenigen, die für den Bereich der philosophischen sowie sozialen Anthropologie Interesse hegen und nichts gegen ein bißchen deprimierende Kost einzuwenden haben.


Liebe Grüße
Trevor 
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HoldenCaulfield

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #3 am: 25. Januar 2009, 14:23:55 »

Ich erinnere mich das ich damals keine Rezension schreiben konnte. Es hat mich einfach umgehauen und ich weiß bis heute nicht wie ich meine Eindrücke und Gefühle dazu schildern könnte. Mich hat die Pest beeindruckts sowie sehr gut gefallen  und ich werde es sicher wieder Lesen.
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Tamiami

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #4 am: 26. Januar 2009, 01:39:54 »

Mir ging es ähnlich wie HoldenCaulfield....ich bin vor Ewigkeiten an dieses BUch geraten und irgendwie fand ich es beeindruckend, obwohl ich zu dem Zeitpunkt überhaupt nichts von absurdem Theater oder Existenzialismus gehört hatte. Ich mag es wie einen ganz normalen Roman gelesen, den ich als "irgendwie anders" empfunden hab. Ich werd das Buch irgendwann wieder zur Hand nehmen, mal sehen, ob ich es dann anders lese...
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Kirsten

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Antw:Albert Camus - Die Pest
« Antwort #5 am: 10. September 2009, 13:22:27 »

Hallo!

Ich schliesse mich denjenigen an, denen es schwerfällt ihren Eindruck zu Die Pest in Worte zu fassen. Ich habe die Erzählung als sehr bedrückend empfunden. Ich hatte auch immer den Eindruck, als ob es in Oran nie wirklich hell werden würde obwohl die Geschichte sich im Sommer ereignetet. Ich fand es interessant wie die Menschen mit der Katastrophe umgehen. Sie versuchen ihre Ängste zu verdrängen indem sie ins Kino oder ins Theater gehen und krampfhaft versuchen, den Eindruck vom normalen Leben aufrecht zu erhalten. Dabei erfährt der Leser nur sehr wenig über die Gefühle der Menschen in Oran denn der Erzähler ist sehr distanziert. Insgesamt hat sich mein Leseeindruck von vor über zehn Jahren nur bestätigt: Die Pest ist ein Buch, das einen auch noch lange nach der Lektüre beschäftigt.
5ratten

Liebe Grüße
Kirsten
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cori

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Antw:Albert Camus - Die Pest
« Antwort #6 am: 10. September 2009, 14:10:45 »

 5ratten Ich liebe die Pest und der Fremde! Was für Bücher!!!!
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