Nun meine Rezi.... im Vorfeld: Ich fande das Buch gut und war überrascht das doch so viele so schlecht gewertet haben.....
Anspruchsvolle Wirtschafts-Kriminalistik!Nur gering von der Leseprobe angetan, habe ich das Buch doch mit stetig wachsendem Interesse gelesen, und bin am Ende dafür belohnt worden.
Das „Gesicht“ des Buches, wenn man es so ausdrücken kann, ist mit einem einzigen Zitat zu beschreiben:
“Es gibt eine zweite Welt, von der ein normaler Mensch nie etwas erfährt. Die Verteilung der Macht und ihrer Pfründe findet dort statt“.
Von dieser geheimen Welt und ihren Schranken, Bezugpersonen und Möglichkeiten berichtet Ulrich Wickert in diesem Kriminalroman.
Der Einstieg gestaltete sich recht schwierig, was viele vor mir schon angemerkt haben.
Gleich auf der ersten Seite findet man das Wort „auvergnatisch“ welches ich bisher noch nicht gehört habe, zudem mein Fremdwörterlexikon auch stur schweigt. Macht aber nicht viel, denn durch das Erzähl- und Beschreibungstalent Ulrich Wickerts gleitet man leicht über diese Hürde hinweg. Auch an die vereinzelten französischen Elemente gewöhnt man sich recht schnell. Sie passen ganz gut in den Redefluss hinein, da dadurch ein gewisser Charme entsteht.
Es handelt sich hierbei nicht um einen Erlebnisbericht einer einzelnen Person, sondern um viele zum Teil auch ineinander spielende Passagen und Auszüge aus den Gesichtsfeldern der unterschiedlichsten Menschen. Das hat für mich den Anfang holprig und unzusammenhängend wirken lassen. Mir fehlte zu Anfang der rote Faden, der sonst in Form des Ich-Erzählers oder einer kontinuierlichen Erzählweise vorlag. Doch nach und nach, tauchten die ersten Parallelen auf und das Gewirr wurde klarer, das Buch interessanter.
Eine "Hauptperson" gibt es in diesem Buch trotzdem.
Klar ist es der Untersuchungsrichter Ricou von dem größtenteils und am intensivsten die Rede ist.
Zusammen mit seinen Mitarbeitern und Freunden knobelt er an dem Fall herum. Er ist mir recht sympatisch. Und auch die andern Charaktere sind interessant und passend herausgearbeitet.
Um die Leuna-Affäre, Stasi-Spionage und auch die Wiedervereinigung miterlebt zu haben bin ich zu spät geboren. Diese Sachen haben mir zu Beginn, was „Leuna“ betrifft nur wenig gesagt. Dennoch ist es mir gelungen die Schilderungen von Ulrich Wickert nachzuvollziehen und auch zu verstehen. Wenn man mit etwas gutem Willen auch bei vorherigen Unklarheiten weiter liest, gelangt man auf der nächsten Seite zu einer näheren, verständigeren Erklärung. Jedoch wurde dadurch der Lesefluss gestört, das Lesetempo langsamer. Trotzdem kann ich sagen, das dieses Buch auch für Jüngere zu verstehen ist, woran ich zu Anfang meine Zweifel hatte.
Damit bleibt der Autor, den Erwartungen die man an einen Nachrichtensprecher stellt, gerecht.
Das Buch ist wirklich sehr gut recherchiert. Es tauchen die unterschiedlichsten Stellen auf, in denen beispielsweise erklärt wird wieso die „Jacques Garnerin Allee“ so heißt wie sie nun mal heißt. Oder es ist die Rede von einem Herrn „von Rintelen“ der auch in Wahrheit einer der Hauptverantwortlichen für zahlreiche Spionagefälle war. Noch ist mir etwas unklar, was nun alles wirklich stimmt und was nicht, aber das kann man noch herausfinden.
Die Erzählungen drehen sich auch nicht nur um diese Leuna-Affäre oder Schwarzgeldkonten in der Schweiz inklusive dem Verdacht deutsche Politiker wären heimlich mit Geldzahlungen aus Frankreich unterstützt worden. Viele kleine und auch lustige Elemente sind hineingewebt worden und verschmelzen mit der waren Geschichte.
Es ist dadurch, alles in allem ein ernsthaftes aber auch aufgelockertes Buch welches eine ganz eigene Spannung erzeugt.

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