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Autor Thema: Anne Holt - Der norwegische Gast  (Gelesen 7091 mal)

Bettina

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #30 am: 20. August 2008, 08:43:40 »

Dieser zweite Handlungsstrang nimmt doch auch in unseren Diskussionen sehr viel Raum ein und ist doch eigentlich bloß Spekulation.Du hast schon recht, langsam entwickle ich auch das Gefühl als wollte sie uns da nur verwirren. Dies könnte ein Grund sein, dass sie das mit einwebt in die Geschichte.

Ganz unwichtig ist dieser Part nicht, wenn er am Ende auch nicht die Hauptrolle bekommt:
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Holt weiß, dass sie diesen Erzählstrang auflösen muss und macht das auf eine Art, die den Strang zwar erklärt, aber trotzdem genug Fragen offen lässt (weil zumindest wir den Mann nicht erkennen - ein Norweger wüsste es vielleicht besser.)
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Bettina

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #31 am: 20. August 2008, 08:48:52 »

Unabhängig von der Zugwaggon-Diskussion meine Meinung; mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich greife gar zur Höchstbewertung:

Großes Glück gehabt, denken sich die Passagiere eines Zuges, der mitten in der norwegischen Berglandschaft entgleist. Die Passagiere können in ein nahe gelegenes Hotel gebracht werden, wo es trotz aller notdürftigen Umstände ausreichend zu essen gibt, wo es warm ist und wo sie das Ende des tobenden Sturms abwarten können. Doch das kleine, unerwartete Abenteuer gerät zur harten Belastungsprobe, als ein Mitreisender erschossen vor dem Haus liegt. Der Sturm schneit das Hotel immer stärker ein und die ungewohnte Enge sowie ein zweiter Mord lassen es fast zur Meuterei kommen. Die Situation wird unvorhersehbar.

An diesem Krimi faszinierten mich zwei Dinge. Zum einen war es die klaustrophobische Atmosphäre, die durch den Schneesturm in diesem abgelegenen Ort erzeugt wird. Nicht einmal die Nachbarhäuser können erreicht werden und der Mikrokosmos Hotel birgt Leute, die unter dem nervlichen Druck unberechenbar werden. Da wird der mysteriöse Passagier aus dem zusätzlichen Zugwaggon zu einem Objekt wilder Vermutungen, aber die eigentliche Angst löst er nicht aus. Zum anderen ist es die Art, wie der Krimi sich auf einen minimalen Schauplatz beschränkt - gesteigert durch Ex-Kommissarin Hanne Wilhelmsen, die sich nur im Rollstuhl und im Hotel nur sehr beschränkt fortbewegen kann. Holt beschreibt sehr gut, was Hanne von ihrer Perspektive aus erlebt: Sie hält sich fast ausschließlich an der Rezeption auf und erlebt, wie ich die Menschen verändern und sie ist aufgrund ihres ehemaligen Berufs erste Anlaufstelle für die Verantwortlichen des Hotels.

Aus der Hand legen? Das fiel mir bei diesem Krimi ungeheuer schwer. Der ganze Krimi überspannt nur wenige Tage und obwohl Hanne ein wahrlich gallige Zeitgenossin ist, trägt sie die ganze Handlung.
Als besonderes Detail gefielen mir die zwölf Kapitelüberschriften: Sie sind nach den Windstärken benannt, versehen mit den jeweiligen, immer stärker werdenden Auswirkungen auf Mensch und Natur.

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Stephi

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #32 am: 20. August 2008, 10:05:49 »

Ganz unwichtig ist dieser Part nicht, wenn er am Ende auch nicht die Hauptrolle bekommt:
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Holt weiß, dass sie diesen Erzählstrang auflösen muss und macht das auf eine Art, die den Strang zwar erklärt, aber trotzdem genug Fragen offen lässt (weil zumindest wir den Mann nicht erkennen - ein Norweger wüsste es vielleicht besser.)

Da hast du natürlich Recht. Für die Spannung und die Atmosphäre ist der Part sehr wichtig. Trotzdem stellt sich mir die Frage, ob diese "Auflösung" (eigentlich ist es ja keine, aber naja...  :breitgrins:) in der Art wirklich nötig war. Ich persönlich hätte es dann besser gefunden, wenn sie es ganz offen gelassen hätte. Das liegt aber vermutlich einfach daran, dass ich es nicht mag, wenn Bücher rätselhaft aufhören. Ich bin in der Hinsicht ein Fan der klaren Worte - zumindest bei Krimis.  :breitgrins:
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Bettina

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #33 am: 20. August 2008, 12:07:10 »

Trotzdem stellt sich mir die Frage, ob diese "Auflösung" (eigentlich ist es ja keine, aber naja...  :breitgrins:) in der Art wirklich nötig war. Ich persönlich hätte es dann besser gefunden, wenn sie es ganz offen gelassen hätte. Das liegt aber vermutlich einfach daran, dass ich es nicht mag, wenn Bücher rätselhaft aufhören. Ich bin in der Hinsicht ein Fan der klaren Worte - zumindest bei Krimis.  :breitgrins:

Dann wäre ich nicht mehr einverstanden gewesen :breitgrins:
Dann hätte ich das Ende vermutlich als viel zu rätselhaft und offen empfunden. Ich kann mit der aktuellen Lösung insofern was anfangen, weil ich diesen berühmten Mann nicht unbedingt kennen muss und will. Hanne erkennt ihn, ahnt, welche Tragweite das Geschehen hat und das reicht mir.
Eine Auflösung jedweder Art habe ich zumindest erwartet, nachdem der Erzählstrang sich als teilweise bedeutend für die ganzen Entwicklungen entpuppt hat.
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Judith

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #34 am: 20. August 2008, 17:16:41 »

Nachdem ich nun noch einmal nachgelesen habe, nachgedacht habe, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass mich Anne Holts "Norwegischer Gast" nicht überzeugt. Ich begleite seit Jahren Hanne Wilhelmsen und auch die anderen Krimis von Anne Holt. Mich hat auch immer fasziniert wie sie wichtige menschliche Grundthemen in ihren Büchern durchleuchtet und immer in die Tiefe geht.

In diesem Roman hat sie zwar folgerichtig Hannes Schicksal weiter glaubhaft rübergebracht. Es war auch interessant mitverfolgen zu können wie sich die kleine Ermittlergruppe bildet und wie diese Leute ihre Machtspiele ausagieren.
Stark fand ich ihre Betrachtung der oberflächlichen Fernsehreligion. Fand dies eine guten Nebenhieb auf amerikanische Fernsehreligion, wo es darum geht, dass der Pastor seiner Gemeinde nach dem Mund redet um Kohle zu machen.
Ich sehe auch weiterhin in dem geheimen Gast einen Nebenhieb auf Amerikas hysterische Verfolgung von großen Terroristen, denen sie zu anderen Zeiten noch tief gehuldigt haben. Eben auch: immer wie es in die wirtschaftlichen Verhältnisse passt.
Aber es bleibt auch ein großes Aber:

Ich habe nur die Wahl: entweder den 2. Erzählstrang als großartigen Sarkasmus zu betrachten oder zu sagen: es ist ein großer Teil des Buches, der nicht nötig gewesen wäre, weil zuletzt sogar der Autorin bloß die Möglichkeit bleibt alle in der Luft hängen zu lassen. KLar kann ich einen Zusammenhang konstruieren, aber das erscheint mir sehr hergeholt.

Mir ist es eigentlich zu blöd, wenn jemand Spannung erzeugt, die er dann nicht auflösen kann, denn es wirkt so als würde Anne Holt ihrem eigenen Stoff und seiner Umsetzung nicht trauen.

Ich habe bessere "Holts" gelesen, die ehrlicher mit dem Leser umgegangen sind, deshalb von mir 3ratten. Drei Ratten allerdings nur im Vergleich zu ihren Vorgängerromanen. Im Vergleich zu der oft ziemlich oberflächlichen Krimiwelt allerdings 4ratten.
« Letzte Änderung: 20. August 2008, 17:19:50 von Judith »
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kathchen

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #35 am: 22. August 2008, 00:08:41 »

Anne Holt - Der norwegische Gast


Innentext:

Seit Stunden wütet über dem unzugänglichen norwegischen Bergdorf Finse ein Schneesturm. Der einzige Zug dorthin ist in einer Schneewehe entgleist, die Passagiere, unter denen auch die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen ist, finden Zuflucht im nahen Hotel. Die Reisenden machen sich miteinander bekannt, und bald drehen sich die Gespräche vor allem um eines: Was haben die Wachen vor den Türen des Hotels zu bedeuten? Wen sollen sie schützen? Die königliche Familie, einen ausländischen Ter­roristen? Während die Vermutungen ins Kraut schießen, geschieht ein brutaler Mord - ein mitgereister Pastor, der durch seine Fernsehauftritte große Bekanntheit genießt, liegt tot im ­Schnee vor dem Haus. Panik macht sich unter den Eingeschlossenen breit, und als Hanne ­Wilhelmsen glaubt, einen Zeugen gefunden zu haben, wird auch er ermordet.

Meine Meinung:

Die Situation in "Der norwegische Gast" ist alles andere als angenehm. Durch eine Zugentgleisung landen die Passagiere in einem Hotel und sind von der Außenwelt abgeschnitten. Doch das ist noch nicht alles, denn bereits in der ersten Nacht geschieht ein grausamer Mord und die Menschen wissen nicht, wem sie trauen können und wem nicht.
Und dann ist da noch dieser geheimnisvolle Waggon und niemand weiß, wer denn eigentlich da versteckt wurde?

Bisher habe ich von Anne Holt noch nichts gelesen, aber mir hat dieser Krimi gut gefallen.
Hanne Wilhelmsen scheint keine einfache Person zu sein. Seit einem Dienstunfall sitzt sie im Rollstuhl und versucht sich von ihren Mitmenschen zu isolieren, nur zwei Menschen lässt sie in ihrem jetzigen Leben noch an sich heran.
Im Laufe des Buches allerdings lässt sie diese Fassade ab und zu mal etwas einreißen und nähert sich anderen Personen.
Ihre Gedanken mitzubekommen finde ich sehr interessant, und auch dass sie es schafft den Fall nur durch ihre starke Beobachtungsgabe zu lösen, ohne die Hilfe von irgendwelchen (technischen) Mitteln.

Auch die anderen Personen in dem Hotel finde ich ganz interessant und vorallem mitzuerleben, wie die verschiedenen Menschen in so einer Extremsituation reagieren. Die Auflösung war mir bis zum Ende hin unklar. Zwar hatte ich hier und da eine Vermutung, allerdings wechselte diese mit jeder gelesenen Seite.
Zwar wurde die Geschichte um den geheimnisvollen Mann in dem Waggon nicht gelüftet, aber das hat mich nicht weiter gestört. Im Gegenteil, dieses "offene" Ergebnis hat mir sogar gefallen. Dem Leser bleibt es sozusagen selbst überlassen, was er daraus macht. Entweder handelt es sich wirklich um einen Terroristen (fiktiver oder real) oder vielleicht war es tatsächlich nur ein kleines Experiment?
Man weiß es nicht, aber man kann es sich selbst, individuell zurechtlegen.

Die Atmosphäre in diesem Krimi empfand ich als sehr beklemmend und angespannt. Das Rütteln des Sturmes und der Schnee konnte ich gut miterleben, obwohl es natürlich noch besser gewesen wäre, wenn man dieses Buch im tiefsten Winter bei Eis und Schnee lesen würde.

Für mich war es insgesamt ein gutes Leseerlebnis und ich werde Hanne Wilhelmsen bestimmt mal wiedertreffen.
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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #36 am: 23. August 2008, 15:17:09 »

Hallo ihr Lieben!  :winken:

Endlich habe auch ich das Buch beendet und ich bin froh, dass es euch genau so gegangen ist wie mir - denn über meinem Kopf schwebt im Moment ein riesengroßes Fragezeichen!  :zwinker:
Wer dieser Mann sein soll, weiß ich leider auch nicht. Zuerst dachte ich daran, dass es vielleicht tatsächlich ein Mitglied der Königsfamilie war, doch da ich nur sehr wenige bis eigentlich gar keine Prominente aus Norwegen kenne konnte ich mit der Beschreibung auch nichts anfangen.
An
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habe ich allerdings auch nicht gedacht. Die Beschreibung könnte ja irgendwie passen...ach, ich weiß nicht!  :breitgrins:

Und noch was: ich bin mir leider nicht mehr sicher, da ich Depp vergessen habe mir die Seite aufzuschreiben...aber kann es sein, dass Hanne zwischendurch mal die Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika erwähnt hat? Die sich dann auch noch im Haus von Hanne versteckt hat?  :confused:  :confused:

Jetzt muss ich das Buch erstmal ein bisschen "wirken" lassen und dann mach ich mich auf ans Rezi schreiben.
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Stephi

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #37 am: 23. August 2008, 15:22:05 »

Und noch was: ich bin mir leider nicht mehr sicher, da ich Depp vergessen habe mir die Seite aufzuschreiben...aber kann es sein, dass Hanne zwischendurch mal die Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika erwähnt hat? Die sich dann auch noch im Haus von Hanne versteckt hat?  :confused:  :confused:

Ich meine, dass sie "Präsident" erwähnt hat. An die Seitenzahl kann ich mich auch nicht mehr erinnern, aber ich habe einen Mann in Erinnerung. Vielleicht irre ich mich?  :gruebel:
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Emily

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #38 am: 23. August 2008, 15:35:46 »

Präsidentin stimmt schon.  :zwinker:

Anne Holt - Die Präsidentin


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Judith

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #39 am: 23. August 2008, 17:17:15 »

Ja, von der Präsidentin spricht sie. Meint ihr, dass das der Gast ist? Im Roman findet sich die Präsidentin ja wieder ein.

Mich erinnert ihr neuer Roman auf jeden Fall an "die Präsidentin", denn sie führt ja dort die amerikanischen Geheimdienst vor und den Fall löst ein Provinzpaar aus Norwegen. Diese Sticheleien gegen Amerika finden sich eben auch gehäuft im "norwegischen Gast". Bloß deshalb kam ich auf die Idee mit
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, weil skurriler kann man ihn ja nicht auflaufen lassen. Aber vielleicht ists ja auch jemand anders. ich denke bloß, dass Anne Holt schon denkt, dass wir uns das denken können sollten, wen sie meint.

Aber vielleicht spaziert der Gst in einem neuen Roman entschlüsselt zur Türe herein.
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Emily

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #40 am: 23. August 2008, 23:44:04 »

Ja, von der Präsidentin spricht sie. Meint ihr, dass das der Gast ist? Im Roman findet sich die Präsidentin ja wieder ein.

Ich denke nicht, spricht sie nicht eindeutig von einem Mann? Hat er nicht sogar einen Bart?
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Judith

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #41 am: 24. August 2008, 00:58:00 »

Ja, von der Präsidentin spricht sie. Meint ihr, dass das der Gast ist? Im Roman findet sich die Präsidentin ja wieder ein.

Ich denke nicht, spricht sie nicht eindeutig von einem Mann? Hat er nicht sogar einen Bart?

Ja, stimmt. Ist ein Mann.
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Juggalette

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #42 am: 24. August 2008, 13:14:12 »

So, nun auch hier meine Meinung zu dem Buch (die mir dieses Mal, wie ich finde, überhaupt nicht gelungen ist...  :redface:):

Meine Meinung:
„Der norwegische Gast“ ist mein erstes Buch von Anne Holt und der Ermittlerin Hanne Wilhelmsen. Obwohl ich die Geschichte nicht schlecht fand und es zwischendurch durchaus spannende Momente gab, konnte mich das Buch leider nicht ganz überzeugen.

Das Konzept finde ich große Klasse, wenn auch nicht neu – Menschen sind aus den verschiedensten Gründen irgendwo gefangen, ein Mord geschieht und dann die große Frage: wer war es? Schritt für Schritt lernt man die verschiedenen „Verdächtigen“ kennen und kann sich selber ein Bild darüber machen wer nun ins Profil passt und wer nicht. 

Die Charaktere fand ich zum größten Teil sehr gut ausgearbeitet und auch durchaus sympathisch. Vor allem Magnus Streng habe ich in mein Herz geschlossen.
Doch ob ich die Protagonistin Hanne nun mögen soll oder nicht ist mir immer noch nicht klar. Die meiste Zeit über war sie mir ziemlich unsympathisch und hat mich mit ihrer „einsiedlerischen“ Einstellung genervt. Aber trotzdem hatte sie auch lichte Momente in denen sie bewiesen hat, doch kein Herz aus Eis zu haben. Vor allem, wenn sie sich über das rosarote Baby und über Adrian gesorgt hat.

Doch einfach zu lesen fand ich das Buch nicht. Die vielen Dialoge bereiteten mir Probleme, da ich manchmal nicht wusste wer nun gerade spricht und wer nicht. Ebenso fand ich die Gedankengänge von Hanne stellenweise ziemlich verwirrend und ich musste manche Passagen zweimal lesen. Und auch mit den vielen Namen hatte ich so meine Schwierigkeiten. Wenn man kein gutes Namensgedächtnis hat, rate ich, sich von Anfang an eine Liste mit den Namen und den dazugehörigen Daten anzulegen.

Die Auflösung der Morde fand ich gelungen. Ich finde Holt schafft es hier sehr gut verschiedene lose Fäden zu einem Ganzen zu verknüpfen, die auch nachvollziehbar sind.

Aber das Ende bzw. die „Auflösung des rätselhaften Waggoninsassen“ fand ich ziemlich unbefriedigend. Ich weiß nicht, wenn Holt damit gemeint hat. Ihre Beschreibung lässt zwar Vermutungen zu, doch ich hätte mir eine direkte Auflösung gewünscht. Auch fand ich den Handlungsstrang ein wenig eigenartig, wenn nicht sogar unnötig. Ich finde, wenn man diesen Teil weggelassen hätte, wäre die Geschichte genau so gut gewesen, wenn nicht sogar besser.

Trotz all den kleinen Makel, die ich auszusetzen habe, finde ich, dass „Der norwegische Gast“ durchaus ein Krimi ist, den man sich ohne schlechtes Gewissen zu Gemüte führen kann, da es Spaß macht von Anfang an mit zu rätseln wer nun der Mörder ist und wer nicht.

Alles in allem vergebe ich: 3ratten
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lilly

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #43 am: 27. August 2008, 18:05:25 »

Norwegen. Es ist eiskalt. Tödliche Kälte. Ein Orkan mit unbeschreiblichen Ausmaßen tobt durch die Berge, reißt alles mit sich, was nicht fest im Boden verankert ist.
Die Insassen eines verunglückten Zuges hatten Glück. Ganz in der Nähe befindet sich das Finse 1222, ein gemütliches Berghotel, was all die überlebenden Menschen gastfreundlich aufnimmt. Die Stimmung ist ausgelassen, fast schon euphorisch- denn bis auf den Lokomotivführer haben alle den Unfall - bis auf wenige Blessuren - heil überstanden.
Einzig Hanne Wilhelmsen, ehemalige Polizeikommissarin, traut der Idylle nicht.
Leicht schwerhörig und, nach einer Schießerei, auf den Rollstuhl angewiesen weigert sie sich den Rezeptionsbereich zu verlassen, ekelt freundliche und hilfsbereite Menschen von sich fort und überschafft sich einen Überblick aller Gäste.
Das Getuschel, dass sich die Königsfamilie inklusive Sicherheitskräfte mit an Bord befand, geht ihr auf die Nerven und verstärkt ihre Abseitsposition weiterhin. Die stille, unsoziale Beobachterin, von der nur wenige Leute Notiz nehmen.

Erst eine Nacht ist vergangen und ihr ungutes Gefühl sollte sich bewahrheiten. Ein Toter wird gefunden. Erschossen. Die Hotelchefin, ein kleinwüchsiger Arzt und ein unkomplizierter Anwalt, der mehr Bergmensch und Überlebenskünstler ist, bilden ein Team, welches das weitere Vorgehen bespricht.
Auf keinen Fall soll riskiert werden, dass die Masse aufgestachelt wird, mit ihrer Anführerin Kari Thue, eine bekannte Journalistin mit rechtsradikalen Einstellungen brodelt sie ohnehin schon vor Angst und Ungeduld.
Und der Sturm nimmt weiter zu. Unheimliche Geräusche und zerschlagene Fenster zerstören allmählich die gemütliche Wohlfühlatmosphäre. Wird das Gebäude den Belastungen der Natur standhalten?
Lange kann man darüber nicht nachdenken, denn schon findet man den nächsten Toten und Hanne kommt langsam der Verdacht, dass sich ein Terrorist unter ihnen befindet.

Eine spannende Geschichte zwischen Hunden, eine gemischte norwegische Gesellschaft mit geringem Ausländeranteil, mysteriösen und dunklen Teenies, Kirchenmitgliedern, Anführerin, Ängstlichen, Kriminellen und eine unberechenbare Naturgewalt.

Bis zum Schluss gibt es keine eindeutigen Anzeichen, wer der Mörder sein könnte. Die Leser sind genauso in diesem Puzzlespiel von Taten und Motiven integriert, wie die Gäste des Hotels.
Zwischen wohligen Gesprächen, heißen Getränken und zugeschneite Fenster betrachtet man das Geschehen durch die Augen der in sich zurückgezogenen und zynischen Hanne.

Die Personen sind mit vielen Details versehen - von schleimigen Spuren in Mundwinkeln bis hin zu widerlichem Körpergestank wird nichts ausgelassen.
Was die Angst mit den Menschen anstellt, bringt die Autorin eindrucksvoll auf den Punkt: es ist wie eine Kriegssituation. Nur wenige bewahren Ruhe und stellen sich als hilfsbereite, empathische und freundliche Mitmenschen dar.

Ein wenig Liebe und Zärtlichkeit hat mir gefehlt. Nicht, dass das in jedem Buch eine Rolle spielen sollte, aber die Atmosphäre war wie geschaffen dafür.
Was die Nebenhandlung der angeblichen Terroristen sollte, habe ich nicht ganz verstanden. Teilweise hat es ja schon etwas Spannung ins Geschehen gebracht - aber die Auflösung empfand ich nicht als Befriedigung.

Trotzdem ein Buch, dass sich lohnt. Etwas zu wenig Handlung für meinen Geschmack - aber doch eindeutig spannend.
Und das beste Detail hat die Autorin zum Schluss preisgegeben: Das Finse 1222 ist ein real existierender Ort. Es ist spannend Bilder auf google mit seiner Phantasie abzugleichen. Wenn man merkt wie nahe die eigene Vorstellung den wirklichen Bildern kommen, dann weiß man, dass die Autorin ganze Arbeit geleistet hat.

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« Letzte Änderung: 27. August 2008, 19:29:01 von lilly »
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Heimfinderin

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Re: Anne Holt - Der norwegische Gast
« Antwort #44 am: 01. September 2008, 10:33:40 »


Ja, aber es gibt zwischendurch Stellen, wo Personen, die schon geduzt worden sind, plötzlich wieder gesiezt werden.


Das hatte ich als eine Art von Ironie verstanden, wenn Hanne extra "freundlich" sein wollte.
Das habe ich auch so empfunden. Das kam so rüber, als würde sie das extra betonen. Also ich mache das auch manchmal, dass ich bei bestimmten Gelegenheiten meine Familie oder Freunde Sieze oder mit Herr und Frau xyz anspreche, wenn ich mich geärgert habe oder sie ärgern will.  :breitgrins:

Trotzdem stellt sich mir die Frage, ob diese "Auflösung" (eigentlich ist es ja keine, aber naja...  :breitgrins:) in der Art wirklich nötig war. Ich persönlich hätte es dann besser gefunden, wenn sie es ganz offen gelassen hätte. Das liegt aber vermutlich einfach daran, dass ich es nicht mag, wenn Bücher rätselhaft aufhören. Ich bin in der Hinsicht ein Fan der klaren Worte - zumindest bei Krimis.  :breitgrins:

Dann wäre ich nicht mehr einverstanden gewesen :breitgrins:
Dann hätte ich das Ende vermutlich als viel zu rätselhaft und offen empfunden. Ich kann mit der aktuellen Lösung insofern was anfangen, weil ich diesen berühmten Mann nicht unbedingt kennen muss und will. Hanne erkennt ihn, ahnt, welche Tragweite das Geschehen hat und das reicht mir.
Hier finde ich die Lösung auch gut. Ich muss gar nicht genau wissen, wer es ist und ob es überhaupt jemand Bestimmtes ist. Eine Andeutung, die mehr Raum zum Spekulieren gibt, als ein fertiger Name. (Mehr würde mich interessieren, was Anne Holt weiß. Weiß sie selbst,  wer es ist,  oder ist es auch für sie eine fiktive Figur, um die Leser ein bisschen zu ärgern  :breitgrins:  )

Ja, von der Präsidentin spricht sie. Meint ihr, dass das der Gast ist? Im Roman findet sich die Präsidentin ja wieder ein.

Ich denke nicht, spricht sie nicht eindeutig von einem Mann? Hat er nicht sogar einen Bart?

Ja, stimmt. Ist ein Mann.
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