
Inhalt: Der Ich-Erzähler berichtet von einer mehrtägigen Eisenbahnfahrt, bei der sich unter den Reisenden im Waggon ein Gespräch über die Ehe als Institution entspann. Einer der Mitreisenden, Posdnyschow, mischt sich erst spät in die Unterhaltung ein und macht einen nervösen Eindruck. Schließlich bleibt er mit dem Erzähler allein zurück und erzählt diesem die Geschichte seiner unglücklichen Ehe, die mit dem Mord an seiner Frau endete.
Meine Meinung: Die Erzählung mit der psychologischen Studie der Entwicklung einer Ehe ist interessant. Das liegt im wesentlichen auch daran, daß Posdnyschow sein eigenes Handeln sehr klar analysiert und auch kritisiert, es ist keineswegs so, daß er sich von aller Schuld am Scheitern freisprechen will – im Gegenteil. Dieses Konstrukt nutzt Tolstoi um eine Reihe noch immer aktueller Fragen über das Verhältnis von Eheleuten zueinander zu stellen. Dabei vertritt er die schon erstaunlich moderne Auffassung, daß die Emanzipation der Frau erst erreicht werden kann, wenn der Mann aufhört, sie als seinen Besitz oder alternativ als reines Hilfsmittel seines „Genusses“ zu betrachten. Aber er thematisiert auch den gesellschaftlichen Einfluß auf die allgemein anerkannten wie die persönlichen wirksamen Moralvorstellungen. Daraus ergeben sich einige bedenkenswerte Aspekte und Fragen.
Leider konnte ich aus meiner Ausgabe (nicht die oben verlinkte) nicht ersehen, von wann die Übersetzung ist, sie wirkte etwas arg angestaubt. Ich nehme an, daß es neuere Übertragungen gibt, die sich aus heutigem Verständnis etwas flüssiger lesen lassen, aber wirklich gestört hat es mich auch so nicht.

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Schönen Gruß,
Aldawen