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Autor Thema: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod  (Gelesen 2862 mal)

creative

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José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« am: 04. August 2008, 20:04:09 »

„Am darauffolgenden Tag starb niemand.“  Mit diesem Satz beginnt José Saramago sein neuestes Gedankenexperiment. Was wäre, wenn nicht mehr gestorben wird? Die anfängliche Euphorie weicht schon bald den anstehenden Problemen und fordert Politik und Gesellschaft heraus, denn jede Sonnenseite hat auch eine Schattenseite, in diesem Fall sogar mehrere. Die Wirtschaft zeigt sich als erfinderisch, so bemühen sich Bestattungs- und Versicherungsunternehmen um ein neues Standbein, Krankenhäuser und Pflegeheime sind völlig überfordert, von der Politik werden Lösungen gefordert und auch die Kirche hat plötzlich akuten Erklärungsbedarf …

Nach 7-monatiger Pause kehrt der Tod zurück. Mittels Schreiben an den Fernsehintendanten des Landes verkündet der Tod – in diesem Fall in weiblicher Gestalt namens „die tod“ - zurückzukehren und ab nun die Menschen eine Woche vor dem Ableben in Form eines Briefes auf violettem Papier vorzuwarnen, damit noch sämtliche Angelegenheiten auf Erden erledigt werden können. Doch auch diese Variante stößt die Menschen in Chaos und Angst.

Gekonnt und gewohnt stilsicher – in verschachtelten Sätzen und ohne Redezeichen - manövriert Saramago den Leser in dieses namenlos bleibende Land ohne Tod, das beliebig jedes Land der sogenannten „zivilisierten Welt“ sein kann und wird nicht müde, seiner ironisch-zynischen, unerbittlichen Kritik an Politik, Bürokratie und an der „zivilisierten“ Gesellschaft insgesamt Luft zu machen und dem Leser einen Spiegel vorzuhalten.

Eine großartige Idee wurde zu einem großartigen Buch verarbeitet, das zwar etwas schwerfällig zu lesen ist, dessen Lektüre aber unbedingt lohnt!


5ratten

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:blume:  Herzliche Grüße!  :blume:
creative

Klara

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #1 am: 07. August 2008, 10:47:28 »

Ein schöner und kluger Roman, über den ich lange nachgedacht habe. Besonders das Ende hat mir sehr gut gefallen. Tolle Idee vom alten Meisterdichter. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und freue mich schon auf das nächste Werk des Autors.
Klara
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Valentine

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #2 am: 07. August 2008, 13:56:13 »

Das hört sich toll an. Das Buch hat mich auch sofort angesprochen, als ich davon gehört habe, nun liegt es brav auf meinem SUB und wartet, bis es an die Reihe kommt :smile:
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The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
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Mondkalb

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #3 am: 10. August 2008, 12:40:12 »

Hallo!
Vielen Dank für den Tip. Ich mag Jose Saramago sehr, auch wenn sein Stil gewöhnungsbedürftig ist.  Vor allem die Stadt der Blinden hat mich sehr berührt und meine Gedanken noch lange nach Ende der Lektüre nicht losgelassen. Ich werde die Zeit ohne Tod sofort auf meine Liste setzen.
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Klara

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #4 am: 10. August 2008, 12:51:26 »

Hi,
die Stadt der Blinden fand ich auch sehr gut. Nun freue ich mich auf die Stadt der Sehenden. Mal sehen( :smile: :smile: :smile: wie passend). Eine Weile muss das Buch noch warten, denn die Vorfreude hat ja auch was.
Klara
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HoldenCaulfield

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #5 am: 10. August 2008, 12:57:12 »

Der Inhalt spricht mich total an, danke für die Rezi!
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Sonnenschirm

Breña

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #6 am: 13. September 2008, 16:44:35 »

Hallo,

Saramago gehört zu meinen Lieblingsschriftstellern, und auch dieses Mal hat er mich nicht enttäuscht.
Creatives Zusammenfassung ist nichts mehr hinzuzufügen, ich möchte schließlich nicht zu viel verraten. Auch so hat sie das Wesentliche bereits geschrieben, und ich stimme ihr darin auch zu. Allerdings halte ich Eine Zeit ohne Tod nicht für schwerfällig zu lesen. Im Gegenteil, ich finde es sehr flüssig lesbar, auch wenn Saramagos Stil etwas mehr Aufmerksamkeit benötigt als andere (besonders was die fehlenden Redezeichen angeht).

Das Thema ist gewohnt sozialkritisch, aber dadurch noch lange nicht gewöhnlich. Saramago beginnt nicht nur mit einer absurden Idee, er schafft es auch immer wieder Wendungen einzubauen, mit denen man nicht rechnet.
Über lange Strecken kommt der Roman ohne Protagonisten aus, erst im letzten Drittel ändert sich das, ohne mir vorher negativ aufzufallen. Zwar fokussiert Saramago in einzelnen Episoden auf bestimmte Personen, im Wesentlichen dreht sich die Handung aber um Gruppen, aus denen einzelne Redner herausstechen. Die abstrakte Situation wird aufgelockert duch Einzelschicksale, die Saramago sich als Erzähler durchaus erlaubt zu kommentieren.
Zu guter Letzt liefert uns Saramago eine offene Geschichte. Nicht nur das Ende bleibt offen, auch innerhalb der Erzählung gibt es Stränge, die ins Leere laufen. Doch gerade das passt zu der Ratlosigkeit, die angesichts der neuen Situation herrscht, zu dem Zustand zwischen Freudentaumel und Entsetzen.

Auch von mir  5ratten

Viele Grüße
Breña
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Aldawen

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #7 am: 17. September 2008, 20:40:13 »

Tolles Buch! Ich bin restlos begeistert und das sage ich in der Form nicht so oft. Nicht nur der Ansatz für den Roman, auch die manchmal geradezu reportagenhafte Darstellung der Konsequenzen des Nicht-mehr-Sterbens sind einfach gelungen. Saramago hat es mehr als einmal geschafft, mich mit Seitenpfaden zu verblüffen, die ich so nicht erwartet hätte. Und das Ende ist, nachdem ich nun zwei Tage darüber nachgedacht habe, auch nur grandios und faszinierend zu nennen.

Ich hatte schon verschiedentlich davon gehört, daß er wegen der Schachtelsätze ohne eindeutige Kennzeichnungen von wörtlicher Rede, kompliziert oder anstrengend zu lesen sei. Zwar weiß ich nicht, wie das bei anderen seiner Bücher ist, aber hier fand ich es jedenfalls überhaupt kein Problem. Saramago ist hiermit auf meine Liste der Schriftsteller gewandert, von denen ich auf jeden Fall noch mehr lesen werde.

 5ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
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Saltanah

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #8 am: 12. Oktober 2008, 04:46:01 »

"Dagen därpå var det ingen som dog."
Ein genialer erster Satz, der in der zitierten (und von mir gelesenen) schwedischen Übersetzung noch besser ist als in der deutschen. Ein Satz, der einfach zum weiterlesen zwingt.
"Dödens nycker" heißt das Buch hierzuland, wörtlich übersetzt "Launen des Todes". Aus einer Laune heraus (oder wieso auch immer, das weiß niemand so genau) beschließt der Tod - pardon, die tod -, denn der portugiesische Tod ist eine Frau, und da sie nur eine mehrerer Tode ist und nicht der universelle TOD schreibt sie sich mir einem kleinen "t", aus irgendeinem Grunde also beschließt sie, die Arbeit niederzulegen.
Was das für eine Gesellschaft bedeuten würde, zeigt Saramago auf ebenso eindrucksvoll wie unterhaltsam. Er beschreibt die Folgen eines ausbleibenden Todes, Folgen, an die man vielleicht nicht sofort denken würde. Der alte Wunschtraum der Menschen, das ewige Leben, ähnelt vielleicht doch mehr einem Alptraum als man wahrhaben möchte.

Zum Glück (?) nimmt die tod ihre Arbeit nach einiger Zeit wieder auf, allerdings mit einer kleinen Änderung: durch violetten Briefen benachrichtigt sie die Menschen von ihrem bevorstehenden Ableben eine Woche zuvor.

In gewohnt anspruchsvollem Stil, mit langen Sätzen und ohne Markierungen für wörtliche Rede, aber irgendwie doch leichter lesbar als in anderen Büchern treibt Saramago eine Idee auf seine Spitze, bringt seine Leser zum Nachdenken nicht nur über die Gesellschaft und ihre Regeln, sondern auch über die Grundbedingungen des menschlichen Lebens überhaupt.

Auch ich kann für dieses große Leseerlebnis nicht weniger als
5ratten vergeben.
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Aldawen

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #9 am: 12. Oktober 2008, 07:41:37 »

"Dagen därpå var det ingen som dog."
Ein genialer erster Satz, der in der zitierten (und von mir gelesenen) schwedischen Übersetzung noch besser ist als in der deutschen. Ein Satz, der einfach zum weiterlesen zwingt.

Heißt das so etwa Am nächsten Tag war es niemand, der starb. ? Das fände ich im Deutschen eher „unrund“, aber im Schwedischen kann ich die Qualität natürlich nicht beurteilen  :zwinker:

Schönen Gruß,
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Saltanah

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #10 am: 12. Oktober 2008, 08:44:37 »

"Dagen därpå var det ingen som dog."

Heißt das so etwa Am nächsten Tag war es niemand, der starb. ?

Noch genauer wäre die Übersetzung "Am Tag darauf war es niemand der starb". Auf Deutsch passt das wirklich nicht, aber auf Schwedisch ist es perfekt.

Das ist ein Satz, den man einfach laut deklamieren muss. Er hat ein Gewicht, eine Schicksalsschwere, die "Am nächsten Tag starb niemand" fehlt. Man spricht ihn langsam, mit zwei kurzen Pausen nach "därpå" (darauf) und "ingen" (niemand), wodurch er noch eindringlicher wirkt. Die Betonung spielt natürlich auch eine Rolle. "Dog" (starb), ist stark betont, während das "starb" in der deutschen Übersetzung irgendwie untergeht zwischen dem "Tag" und "niemand".
Der schwedische Satz könnte glatt aus einer Saga stammen, so schicksalsschwer und unausweichlich ist er. (Obwohl - in den Sagas stirbt man ja in großem Ausmaß, ganz im Gegensatz zu diesem Buch :zwinker: .)
Wie dem auch sei, so habe ich mich in diesen Satz verliebt. Der ist genial.
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Aldawen

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #11 am: 12. Oktober 2008, 09:33:57 »

Ich verstehe (glaube ich), was Du meinst, Saltanah. Allerdings bin ich nicht sicher, daß mich eine solche Schicksalsschwere hier begeistern würde. Gerade die Beiläufigkeit, die der erste Satz in der deutschen Übersetzung ausstrahlt, so als wäre überhaupt nichts Besonderes daran zu vermerken, wiegt den Leser doch zunächst in Sicherheit, bevor ihm dann die Auswirkungen wie Kanonenkugeln um die Ohren fliegen. Gerade dieser Kontrast machte es für mich so reizvoll.

In der portugiesischen Wikipedia wird der erste Satz so angegeben: No dia seguinte ninguém morreu. Nun kann ich kein Portugiesisch und höchstens Rückschlüsse aus meinen mehr oder weniger umfangreichen Französisch-, Italienisch- und Spanischkenntnissen ziehen, was der Sprache möglicherweise nicht besonders gerecht wird. Aber rein gefühlsmäßig würde ich sagen, daß die deutsche Übersetzung näher am Tonfall ist. Kann hier jemand genug Portugiesisch, um eine Einschätzung zu geben? Würde mich jetzt einfach mal interessieren  :smile:

Schönen Gruß,
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Saltanah

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #12 am: 12. Oktober 2008, 09:45:15 »

Ich sehe einen Kontrast auch in der schwedischen Übersetzung, nur ein wenig anders. Auf der einen Seite ist da die Schicksalsschwere, die der Satz ausströmt und auf der anderen sein Inhalt. Der Satz hat die ganze Unausweichlichkeit des Todes, aber gerade diese wird im Satz ja negiert :zwinker: .

Ich gehe davon aus, dass mir der deutsche Satz besser gefallen hätte, wenn ich ihn als ersten gelesen hätte. Saramago hat eben einen großartigen ersten Satz geschrieben, ganz abgesehen von der jeweiligen Sprache.
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Aldawen

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #13 am: 12. Oktober 2008, 09:52:53 »

Ich gehe davon aus, dass mir der deutsche Satz besser gefallen hätte, wenn ich ihn als ersten gelesen hätte. Saramago hat eben einen großartigen ersten Satz geschrieben, ganz abgesehen von der jeweiligen Sprache.

Das ist ohne Zweifel richtig, einer der besten ersten Sätze überhaupt und definitiv der richtige für dieses Buch.

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Re: José Saramago - Eine Zeit ohne Tod
« Antwort #14 am: 19. Februar 2009, 10:23:35 »

Der Tod hat seine Arbeit eingestellt! Auf den ersten Blick ein Grund zur Freude, wenn plötzlich niemand mehr stirbt - doch es bedeutet auch, dass Menschen, die im Sterben liegen, nicht einfach die Augen schließen dürfen, sondern auf unbestimmte Zeit in diesem Zustand zwischen Leben und Tod gefangen bleiben. Es bedeutet, dass Bestatter und Totengräber arbeitslos werden, dass Krankenhäuser und Altenheime völlig überfüllt sind, dass Überbevölkerung droht, die das Rentensystem an den Rand des Zusammenbruchs bringen wird, dass Familien verzweifelt mit ansehen, wie jemand ohne Hoffnung auf Erlösung auf dem Sterbebett liegt.

Die Politik ist ratlos, die Presse spekuliert, die Kirche sieht sich mit dem Verlust ihrer Existenzberechtigung konfrontiert, denn ohne Tod kein ewiges Leben. Währenddessen gründen findige Köpfe eine Gruppierung, die Menschen zum Sterben außer Landes bringt, denn dort waltet Gevatter Tod nach wie vor seines Amtes. Daraus entwickelt sich eine mächtige verbrecherische Organisation, die bald das ganze Land im Würgegriff hat, die öffentliche Ordnung, das Leben, wie man es kannte, ist völlig auf den Kopf gestellt.

Wieder entwickelt Saramago ein faszinierendes "Was wäre wenn"-Szenario, in dem ein ganzes Land durch ein plötzliches Ereignis vollkommen aus der Bahn geworfen wird und sich auf einmal im Angesicht von Gegebenheiten wiederfindet, die eigentlich gar nicht möglich sind. Es gibt kaum echte Protagonisten, nur namenlose Figuren, auf die er hier und da Schlaglichter wirft, bis die Geschichte kippt und bestimmte Gestalten in den Mittelpunkt rücken (doch mehr möchte ich jetzt nicht verraten).

Sprachlich bietet Saramago wieder sein ganzes typisches Stilarsenal auf: ewig lange Bandwurmsätze, wenig Absätze, keine wörtliche Rede, viele Schauplatzwechsel. Die Übersicht ging trotzdem nie verloren, weil das Geschehen zeitlich linear erzählt wird. Ab und zu schaut er sich selbst beim Schreiben über die Schulter und spricht den Leser direkt an. Doch auch ohne dieses direkte Einbezogenwerden hätte mich das Buch unglaublich gefesselt. Für mich hat sich Saramago hier selbst übertroffen. Packend waren seine Themen schon immer, doch hier schreibt er auch besonders lebendig und flüssig. Großartige Lektüre.

5ratten
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