Arnaldur Indriðason: Frostnacht Da Saltanah den Inhalt des Buches ja schon zusammengefaßt hat, kann ich mich gleich mit
meiner Meinung zum Buch anschließen (die aber auch nicht wesentlich anders ist):
Für mich war
Frostnacht ein schöner, ruhiger, flüssig zu lesender Islandkrimi, mit (wie üblich bei Arnaldur) etwas depressiver Stimmung. Nachdem der ermordete Junge gefunden wird, tappt die Polizei zunächst sehr im Dunkeln, als sie mit ihren Ermittlungen auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund abzielt. Die Ermittlungen dümpeln dahin, es scheint zunächst überhaupt nicht voran zu gehen. Dabei entsteht ein Panorama der Situation von Einwanderern in Island und von Meinungen dazu. Obwohl diese Probleme mir (ebenso wie Saltanah) zwar nicht neu waren, kamen an ein-zwei Stellen doch interessante Gesichtspunkte zur Sprache.
"Frostnacht" bezieht sich wohl auf das, was Einwanderer in Island erleben: die Zurückgezogenheit der Menschen ins Familiäre, die mit dem kalten Klima begründet wird, und der Mangel an Aufgeschlossenheit, der die Eingliederung schwierig macht. Es fragt sich nur, ob das in weiter südlich gelegenen Ländern nicht ganz genauso ist.
Die Auflösung fand ich dann zwar schlüssig, nach dem vorher lang breitgetretenen Thema Zuwanderungsproblematik allerdings etwas enttäuschend...
Im Gegensatz zu Saltanah finde ich die Ausflüge in das Privatleben der Ermittler auflockernd. Insbesondere fand ich hier die privaten Probleme Erlendurs - das nicht endende Trauma mit seinem Bruder - sehr passend, weil es mit dem Ermittlungsgang direkt verknüpft wurde. Nur daß Erlendur sich so ziert, der Sache endlich mal auf den Grund zu gehen, macht mich etwas ungeduldig. Ob er sich wohl im nächsten oder übernächsten Buch der Serie endlich mal dem Trauma wirklich stellt?
Wenn man nicht gerade auf rasante Action aus ist und gerne über gesellschaftliche Zusammenhänge liest, kann man sich mit diesem Buch gut unterhalten. Ich frage mich nur beim Lesen der Erlendur-Krimis immer, wie es unter den paar Einwohnern Islands soviel Kriminalität geben kann, denn so ganz nebenbei kommen hier auch noch Kindesmißbrauch und andere Themen zur Sprache...
Was ich sehr genossen habe, war das winterliche und frostige Wetter, das beschrieben wurde - sehr angenehm zu lesen hier in Süddeutschland, wo selbst jetzt kein Schnee liegt.
Aufgefallen ist mir noch, daß der Text an mehreren Stellen des Buches etwas ungelenk formuliert war - vermutlich ein Übersetzungsproblem?
Fazit: Obwohl ich mich gut unterhalten habe, gefielen mir die anderen Bücher aus der Reihe mit Kommissar Erlendur besser.
