Ich hab's jetzt auch geschafft!

Der letzte Abschnitt hat mir wieder richtig gut gefallen und ohne das Elementewochenende wäre ich auch ein paar Tage früher fertig geworden.
Was habe ich euren Kommentaren noch hinzuzufügen?
Herzog/Herzogin vs. Don Antonio:Der Unterschied zeigt sich meiner Meinung nach recht deutlich zu Beginn des 62. Kap.:
da dieser den Don Quixote in seinem Hause hatte, dachte er auch auf eine Art, wie er, ohne ihm zu schaden, seine Narrheit in Tätigkeit bringen könne, denn das ist kein Scherz, der wehe tut, und kein Zeitvertreib ist zu rühmen, wenn er einem Dritten zum Nachteile gereicht.
(Meine Unterstreichung) (Meine Güte, ist das in dieser Übersetzung kompliziert ausgedrückt. Ich bin immer froher über meine moderne schwedische Ausgabe.)
Der Herzog und Gattin sind nur auf ihr Vergnügen aus, koste es (Sancho und den Don), was es wolle. Don Antonio möchte sich zwar auch gerne amüsieren, aber ohne zu schaden. Dadurch, dass Cervantes diesen Satz bringt, kann ich ihm den Herzog und sein Benehmen verzeihen. Er heißt die Behandlung, die die beiden dort erfahren, doch nicht so unkritisch gut. Hier bringt er eine Kritik an, die mir sehr wichtig ist, die ich unbedingt brauchte.
Der Herzog hat sich in
Kap. 66 dann auch selbst bloßgestellt, als wir erfahren, dass er sein Wort nicht gehalten hat, dass er die Ehe zwischen Tosilos und Doña Rodriguez Tochter nicht zuließ.
Warum immer Sancho?Wie Myriel schon schrieb: er ist eben "nur" ein Bauer und mit Bauern kann man's halt machen - zumindest solange man selbst was "Besseres" ist. An einem Hidalgo wie Don Quijote, mag er auch noch so arm sein, kann man sich nicht so vergreifen, der gehört ja zum eigenen Stand.
Sanchos Erlebnis auf der Galeere war glaube ich ungeplant. Die Ruderer haben sich mit dieser Landratte einfach amüsiert.
Ana Félix und ihr Vater:(
Kap. 63 & 64) Natürlich war die Geschichte ihres Wiedersehens ganz schön vorhersehbar und kitschig, aber ich fand sie trotzdem gut. Cervantes äußert sich hier zu dem Problem der Vertreibung einer Bevälkerungsgruppe, die zumindest für mich ganz schön kritisch klingt. Ich glaube nicht, dass er diese politische Handlung guthieß. Wenigstens macht er deutlich, was es für den Einzelnen bedeutet, plötzlich seine angestammte Heimat verlassen zu müssen. Zwar lässt er die Betroffenen selbst die Vertreibung schon irgendwie verstehen, zumindest wenn sie von den "Morisken" als gesichtsloser Gruppe sprechen, aber für die Individuen ist es sehr schwer.
Hier fand ich es etwas Schade, dass Cervantes anderen Nebengeschichten im 2. Teil nicht so viel Platz einräumt wie im ersten. Die Geschichte wäre ausführlicher erzählt vielleicht weniger kitschig geworden.
Die falsche Fortsetzung:Einfach nur großartig, wie Cervantes mit seinem Rivalen abrechnet. Überhaupt gefielen mir die Stellen, in denen er sich mit verschiedenen Aspekten der Literatur beschäftigte, immer besonders gut, aber hier übertrifft er sich selbst! Wie er mit verschiedenen "Wirklichkeiten" spielt, den don gar eine Figur der falschen Fortsetzung treffen lässt, wird nur noch durch die notarielle Beglaubigung des Todes von Don Quijote getoppt. Grandios!
Die Niederlage:Gerade dachte ich, das Buch brauche einen "holesmith" à la Jasper Ffordes "Im Brunnen der Manuskripte", einen, der nicht zu Ende geführte Erzählstränge findet und beendet, da taucht der von mir seit langem wiedererwartete Carrasco doch noch auf. Leider geht das zweite Duell anders aus als das erste. Bis dahin fand ich seine Idee, den Don von weiteren Abenteuern abzuhalten ziemlich genial, aber jetzt, als ich den Effekt auf den Don zu sehen bekam, tat der mir nur noch leid. Er hat seinen Lebenssinn verloren und fällt in eine Depression. Ganz großartig ist Dorés Illustration dazu - die beste aller der, die in meinem Buch abgebildet sind. Da ist nichts mehr von dem einstmals so stolzen Ritter übrig geblieben:
Klick. (Zu
Kap. 66.)
Die "Genesung":Mit Don Quijotes plötzlichem Aufwachen aus seinem Wahn hatte ich auch meine Probleme, aber jetzt habe ich mich auch damit versöhnt. Ich hatte nämlich an mehreren Stellen im Buch immer mal kurz den Eindruck oder eigentlich nur den Verdacht, dass der sich eigentlich doch bewusst war, dass er "spinnt". Leider habe ich mir diese Stellen nicht extra aufgeschrieben, aber ich erinnere mich z. B. vage an einen Kommentar nach seinem Höhlenabenteuer, der auf besseres Wissen schließen ließ, und hier gegen Ende heißt es irgendwo, er wäre sich nicht ganz sicher, ob Altisidora wirklich tot gewesen war.
Jedenfalls frage ich mich jetzt, ob er sich nicht willentlich in seinen Wahn hineingesteigert hatte und sich dessen zumindest teilweise bewusst war. Wollte er vielleicht nur endlich mal in seinem Leben etwas erleben? Sein sonst so ruhiges, langweiliges Leben zu einem Abenteuer verwandeln? Endlich nicht mehr nur durch zweite Hand (d. h., die Bücher) leben, sondern selbst ganz intensiv "da sein", auch um den Preis, ein Spinner zu sein? Er musste, so denke ich es mir, verrückt werden, sich von Alonso in Don Quijote verwandeln, denn als "normaler" Mensch hätte er nie und nimmer ein Abenteuer erleben dürfen.
Als er dann seinen Tod nahen fühlt, will er, wie er selbst sagt, "nicht als Narr sterben", sondern als er selbst, Alonso Quijano.
Ich weiß nicht, ob ihr dies nachvollziehen könnt, aber für mich "passt" das Ende.
Wehmütig nehme ich jetzt vom "Ritter von der traurigen Gestalt" Abschied. Auch wenn ich mich streckenweise ziemlich quälen musste, hat mir das Buch insgesamt doch gut gefallen und ich kann mir durchaus vorstellen, es in 10 oder 20 Jahren noch einmal zu lesen.
Vielen Dank für eure Begleitung

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