Das könnte daran liegen, dass sich die Erzählweise doch sehr von der heutigen unterscheidet, die wir kennen. Da werden solche abenteuerlichen Episoden weit mehr ausgeschmückt und bis ins Detail beleuchtet, was die Leser bei der Sache hält.
Don Quijote ist uns vor allem wegen seiner Kämpfe bekannt, die letztlich nur einen kleinen Teil des Romans ausmachen. Gerade der wohl bekannteste und schon fast sprichwörtliche Kampf gegen die Windmühlen wurde auf nicht einmal einer Seite abgehandelt. Auch seine anderen Abenteuer sind nur kurze Intermezzi, die oft nach demselben Schema ablaufen. Das ist natürlich auf die Dauer ermüdend, wenn man abwechslungsreiche Lektüre gewohnt ist.
Stimmt, man muss halt bedenken, dass der Roman schon über 400 Jahre alt ist und damals andere Spielregeln galten als heute. Dennoch hätte ich ihn mir schlimmer vorgestellt - dass ich mich mehr durchkämpfen müsste. Das ist zum Glück aber nicht so, denn gestern Abend habe ich schon weitergelesen und bin mit diesem Abschnitt fertig.
27. Kapitel: Leider hat sich meine Vermutung über die Identität des Puppenspielers Peter nicht bestätigt, aber mir gefällt gut, dass eine Person aus dem ersten Band wieder einen Auftritt hatte. Das verknüpft die beiden Bücher mehr miteinander als nur über die Hauptpersonen und man erfährt auch, was auch dem Gines Friedberg geworden ist.
Aus der Sache mit der Brällerei (komisches Wort) entspringt wirklich ein Abenteuer, nur diesmal ist Sancho derjenige, der es zum Scheitern verurteilt. Nachdem der Don eine doch recht weise Rede gehalten hat, muss Sancho seine Brällkünste zum Besten geben und verscherzt es sich somit mit den Dorfbewohnern.
"Wer sich zurückzieht, flieht nicht", diese militärische Weisheit gibt Don Q. im 28. Kapitel von sich, als er sich auf einem sehr eiligen Rückzug befindet, bei dem er angesichts der gegnerischen Übermacht sogar seinen Knappen zurücklassen musste.
Genauso gut hätte er auch Rufen können "Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück!"

Das Abenteuer mit der verzauberten Barke im
29. Kapitel war mal wieder typisch Don Quixote.

Aber immerhin hat er sich angewöhnt, für den Schaden aufzukommen, den er anrichtet. Nur Sancho fühlt sich unwohl, wenn er ständig andere Leute auszahlen muss, schließlich bleibt dann immer weniger Geld bei ihm.
Ab dem
30. Kapitel beginnt wieder mal ein größerer Erzählstrang um einen Herzog und seine Frau, die beide den Roman über den edlen Ritter Don Quixote gelesen haben und somit sehr gut wissen, was es mit ihm auf sich hat. Um sich Unterhaltung auf Kosten des Don zu verschaffen, laden sie die beiden ein.
... und Don Quixote war über alle diese Anstalten sehr verwundert, und dieses war der erste Tag, an welchem er es durch und durch glaubte und fest überzeugt war, daß er ein wahrhafter und kein eingebildeter irrender Ritter sei ...
Ja wie nun.

Also zweifelt der Don innerlich daran, dass sich alles so zuträgt, wie er es sich selbst vormacht, oder war er sich nur nicht sicher, ob der Ritterschlag, den er am Anfang vom Wirt der Schenke erhalten hat, ihn wirklich zum irrenden Ritter machte?
Der Hausgeistliche hat wenig übrig für Don Quijotes Rittertum und Sanchos Erzählkunst. Es ist eine göttliche Szene, als der Knappe endlos ausschweifend eine Geschichte einleitet und das Wesentliche in zwei kurzen Sätzen abhandelt
.
Diese Szene war wirklich herrlich, besonders die Quintessenz der Geschichte, mit der Sancho seinen Herrn ja eigentlich beleidigt hat, es aber so verpackt hat, dass es nicht so offensichtlich war.

Im
33. Kapitel wird Sancho mal wieder der Statthaltersposten über eine Insel versprochen, aber diesmal von der Herzogin. Ich bin gespannt, ob sie wirklich ihr Wort halten wird und falls ja, wie groß diese Insel dann ist.

Und sie versucht ihn ebenfalls davon zu überzeugen, dass es nicht seine Idee war, dem Don das Spektakel mit der verzauberten Dulcinea vorzuspielen, sondern ein böser Zauberer ihn dazu verführt hat, ohne dass er es merkte.
Der Sinn davon erschließt sich im
35. Kapitel. Herzog und Herzogin haben einen Streich auf Kosten des Dons und seines Stallmeisters geplant, bei dem sich Sancho, um die Dame Dulcinea zu befreien, 3300 Hiebe geben muss. Natürlich hat er keine Lust darauf, wurde er schließlich im Laufe seiner Zeit beim Don schon oft genug verprügelt und geprellt.
35. Kapitel
Im Rahmen der Posse, die das Herzogpaar für Don Q. veranstaltet, soll Sancho sich selbst 3000 Schläge verabreichen, um Dulcinea aus ihrer Verzauberung zu erlösen. Verständlich, dass er sich zunächst weigert, da er selbst am besten weiß, wie es um diese Verzauberung bestellt ist.
Ich glaube, durch die Überredungskunst der Herzogin zweifelt Sancho mittlerweile daran, ob es wirklich seine Idee mit der Verzauberung der Dulcinea war oder doch nicht. Ich denke, dass es diese Zweifel waren, die ihn schließlich einwilligen ließen. Allerdings wurde vereinbart, dass er sich die Schläge wann er will und so viele er auf einmal will verabreichen darf. Ob die arme Dulcinea noch während ihrer Lebzeiten erlöst wird?
