Nach Vorrede und erstem Kapitel will ich mich wenigstens schon mal hier melden, bevor ich für die Lesenacht gleich das Buch wechsle

Mir hat die Vorrede hervorragend gefallen, was im wesentlichen zwei Gründe hat. Zum einen nutzt Cervantes das Geplänkel mit seinem Freund ganz geschickt, um gleich die richtige Erwartungshaltung beim Leser aufzubauen: Wer einen der üblichen Ritterromane erwartet, die ja zu jener Zeit weit mehr en vogue waren als heutzutage, der bekommt hier schon genügend Hinweise, daß es sich beim Quijote um das völlige Gegenteil handelt, z. B.
„Und dies ist um so mehr der Fall, da, wenn ich recht verstehe, dies Euer Buch nicht eines jener Dinge nötig hat, die, wie Ihr sagt, ihm fehlen; denn das Ganze ist nur ein Angriff auf die Ritterbücher (...)“. Wir haben also eine Satire mit Ankündigung

Zum anderen kritisiert er mit dieser Sonett-Plage schlicht und einfach das damalige Marketing, das genau betrachtet bis heute nicht wesentlich anders läuft. Worin liegt denn der Unterschied zwischen einem solchen bestellten oder gar untergeschobenen Sonett und den marktschreierischen Empfehlungsslogans, die (angeblich oder tatsächlich) ein bekannter Schriftstellerkollege einem neuen Roman oder einem Autor allgemein ausspricht und die von den Verlagen auf die Einbände gedruckt werden?
Die Sonette selbst haben mich auch ziemlich amüsiert, was aber vielleicht daran liegt, daß ich die Inhalte der genannten Ritterromane ein wenig, den Orlando Furioso besser kenne und die typischen Szenen und Übertreibungen schon sehr auffällig sind.
EDIT: Eine Sache fällt mir noch ein: Ich hoffe ich habe es nicht irgendwo überlesen oder vergessen. Woher kommen die verschiedenen Schreibweise: Don Quijote, Don Quichote, Don Quixote - deutsch, spanisch und?
Die Reihenfolge wäre wohl eher Deutsch, Französisch, Spanisch.
Lest IHR eigentlich die Anmerkungen vor jedem Kapitel, beim Lesen des Kapitels oder hinterher?
Zwischendrin nach Bedarf.
Ist Don Quijote nur ein Opfer der Massenmedien der damaligen Zeit? Ist das nicht alles ein Widerspruch? Diese verschnörkelten Sätze, die er aus seinen Ritterbüchern zitiert - also, wie kann ein so jämmerlicher Haufen wie er (und so wird er doch dargestellt) in diesen Sätzen einen Sinn finden? Ich find das gar nicht so einfach.
Du darfst aber auch nicht vergessen, dass in der Zwischenzeit 500 Jahre vergangen sind und sich Sprache nun mal kontinuierlich und unaufhaltsam ändert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden sich die Leute von damals auch über unsere "komplizierte Ausdrucksweise" wundern und sie nur schwer verstehen. 
Nicht nur das, wir haben hier einen doppelten Zeitfilter, da der Originaltext 400 Jahre alt ist, die Tieck'sche Übersetzung 200 Jahre und die Braunfels'sche 160. Beide Zeiten sind uns sprachlich sicher nicht besonders nahe ...
Schönen Gruß,
Aldawen