
Erster SatzMorgen werde ich sterben.Meine MeinungMir war mal wieder nach einem historischen Roman, der in der Zeit der alten Ägypter spielt. Mit Brigitte Riebe habe ich bereits gute Erfahrungen gemacht und auch dieses Mal hat sie mich nicht enttäuscht. Schon allein den Ansatz finde ich toll. Man begleitet Sahti, ein Mädchen aus Kusch (Nubien), auf ihrem beschwerlichen Weg nach Kemet (Ägypten) und wie sie sich dort ein Leben aufbaut. In allen Ägyptenromanen, die ich bisher gelesen habe, wurden die Kuschiten aus der Sicht von Ägyptern beschrieben, also als grausame Feinde. Nun einmal alles aus der umgekehrten Sichtweise zu erfahren fand ich spannend und aufschlussreich.
Die Hauptperson Sahti hat es mir auch angetan. Als Geisel wird sie nach Waset (Theben) verschleppt, wo sie zunächst bei liebevollen Pflegeeltern aufwächst. Natürlich erlebt sie noch einige Schicksalsschläge, aber auch gute Zeiten und immer habe ich mich mit ihr gefreut oder um sie gebangt. Brigitte Riebe vermag es, einen gefangen zu nehmen und mit den Charakteren mitleiden zu lassen. Nicht nur Sahti hat mich begeistert, auch alle anderen Personen sind liebevoll gestaltet. Manche waren mir aber dann doch etwas zu eindimensional gezeichnet, wie z.B. Ita, die von Anfang an gehässig ist und es auch immer bleibt, ohne das man erfährt, warum. Andere Figuren hingegen öffnen sich nach und nach, bis man ihre Beweggründe verstehen kann, so z.B. bei Nabu.
Die Geschichte an sich hat mich schnell in ihren Bann gezogen und besonders zum Schluss hin konnte ich es kaum noch aus der Hand legen. Immer passiert irgendetwas und man hat die Möglichkeit, die Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Fast jeder Charakter kommt wenigstens kurz zu Wort, was für mich das Leseerlebnis noch verstärkt hat.
Leider habe ich aber auch was zu bemängeln. Zunächst zu meiner Ausgabe: Schlampig ist das einzige Wort, das mir dazu einfällt. So viele Buchstabendreher habe ich schon länger nicht mehr gesehen und das auch noch bevorzugt bei Namen. Da wird eine Ruju schnell zur Ruja, eine Sahti zur Sathi oder eine Tama zur Tara. Sowas ist wirklich ärgerlich, vor allem, wenn es gehäuft auftritt.
Hinzu kommt, dass ich einige Handlungsteile etwas seltsam fand. Besonders das Kapitel, in dem Sahti von einem Balsamierer gefangen gehalten wird, war ziemlich abgefahren. Auf mich wirkte dieser Teil zusammenhanglos und übertrieben verrückt. Ein bisschen weniger hätte es auch getan.
Positiv überrascht war ich von dem Schluss. Den hätte ich so nicht erwartet und obwohl er fast ein bisschen kitschig ist, fand ich ihn einfach nur schön. Insgesamt hat mich das Buch trotz kleiner Ärgernisse gut unterhalten, aber die perfekte Lektüre ist es eben doch nicht geworden.

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