P. D. James - "Innocent Blood / Ihres Vaters Haus"


Ich lese (so gut wie) keine Krimis. Die Mörderjagd macht mir einfach keinen Spaß, aber es sind ja nicht alle gleich. Darum habe ich einmal mehr zu einem relativ untypischen Krimi gegriffen (Freunde des Genres mögen mir verzeihen, wenn meine Vorurteile allzu stereotyp sind!), und wurde nicht enttäuscht.
Die Times, so verrät mir das Cover, meint Ähnliches:
Remarkable ... could be read as a mainstream novel, and a considerable one. As a crime novel it is a peak of the art.
P. D. James schreibt, und ihre Zeilen stecken voller Spannung und dunkler Vorahnungen. Die Charaktere sind alle verkorkst, haben alle Probleme, und alle sind sie dadurch irgendwie interessant und faszinierend. Ein Sammelsurium an Personen, die alle mit dem Leben nicht zurecht kommen und sich und die anderen um sie herum zerstören.
Das tatsächliche Verbrechen liegt 10 Jahre zurück: Philippas leibliche Eltern vergewaltigten und töteten ein kleines Mädchen. Auch Philippa leidet darunter, auch wenn sie vorerst von dem Verbrechen nichts weiß. Sie hat keine Beziehung zu ihren Adoptiveltern, scheint gefühlskalt, und phantasiert sich eine Vergangenheit herbei, in die sie flüchten kann. Als ihre Mutter entlassen wird, ziehen die beiden zusammen, Philippa will herausfinden, wer sie wirklich ist.
Am Anfang erschien es mir seltsam, dass ein Mädchen, das im Alter von 8 Jahren adoptiert wurde, sich an nichts erinnern kann.
Das erklärt sich dann erst zu Ende des Buches, als Philippa erfährt, dass sie schon vor der Adoption bei Pflegefamilien untergebracht war, und vorher zuhause misshandelt wurde. Sie scheint diese traumatischen Erinnerungen verdrängt zu haben.
Sie weiß zwar dass sie im Alter von sechs Jahren adoptiert wurde, hat aber nur verschwommene Erinnerungen an die Zeit davor.
Zu Beginn denkt man doch, sie wurde im Alter von 8 Jahren adoptiert, direkt nach der Tat. Erst später erfährt man, dass sie schon zuvor einiges durchmachen musste, oder?
So hat Philippa keine Skrupel, ihr Adoptiveltern nach all den Jahren wegzuwerfen und sich einem neuen Spielzeug, nämlich ihrer leiblichen Mutter zuzuwenden. Als das Spielzeug nicht so funktionier wie sie es sich vorstellt wirft sie auch dieses weg.
Das sehe ich ganz anders. Zwar hat sich die Adoptivmutter wohl um ihre Liebe bemüht, war aber ein zu schwacher Charakter, als von einem
traumatisierten kleinen Mädchen geliebt werden zu können.
. Von ihrem Adoptivvater nicht zu sprechen. Philippa betrachtet die beiden nicht als Spielzeug, sie empfindet nur nichts für sie. Um ihre Mutter bemüht sie sich dagegen wirklich.
Und sie wirft sie auch nicht weg. Sie ist nur mit ihren Gefühlen an die Falsche geraten.
Auf jeden Fall bin ich froh über den Kauf und danke Annabas fürs Wichteln!
Ich kann mich Kirsten nur anschließen:
