Joanne Harris konnte mich wieder völlig überzeugen. Sie versteht es den Leser in fremde Welten zu entführen und einen den Alltag vergessen zu lassen.
Wer den Film gesehen hat, wird schnell merken, daß das Buch doch um einiges anders ist. Welches nun besser ist, ist schwer zu sagen. Mir gefielen beide gleich gut, jedes auf seine eigene Weise.
Die Geschichte ist, wie man es von Harris kennt in der Ichform geschrieben. Zum einen kam die exotische Vianne Rocher zu Wort, zum anderen der Pater Francis Reynaud.
Besonders raffiniert beschrieben war für mich die Figur Reynaud. Anfangs kam er ganz normal rüber, etwas verschroben und mißtrauisch vielleicht, aber dann wurde immer klarer, durch die vielen Passagen, wo er seinem Freund der im Koma liegt fast beichtet, wie hasserfühlt er wirklich ist. Er entschuldigt sein Handeln dadurch, wie sehr ihm doch am Seelenheil seiner "Schäfchen" liegt, und er alles böse aus dem Dorf vertreiben muss.
Dann war da noch Armande Voizin, eine ältere, willensstarke Frau. die genau weiß was sie will. Sie macht sich gerne über die Kirche lustig und genau das gefiel mir so an ihr.
Und natürlich Vianne. Eigendlich kommt sie sehr stark rüber. Es scheint sie nicht zu kümmern was die anderen über sie denken. Aber im Verlauf der Geschichte muss sie immer öfter über ihre Vergangenheit nachdenken und packt auch die alten Tarotkarten ihrer Mutter heraus um etwas über ihre Zukunft zu erfahren. Am schockierendsten fand ich die Tatsache das
Vianne scheinbar ein entführtes Kind ist. Das sie sich darüber kaum Gedanken macht und das über dieses Thema nicht weiter eingegangen wurde. Aber vielleicht muß ich einfach nur die Fortsetzung lesen?
Joanne Harris Sprachstil ist wie immer einfach und unkompliziert, was die Folge hat, das man einfach schnell in die Handlung versinken kann.
Das Ende ist meiner Meinung genau richtig. Da kann man sich selber ausmalen ob Vianne in Lasquenet-sous-Tannes bleibt, oder ob sie wieder einmal mit dem Wind weiterziehen wird. Es scheint, als ob Vianne alle Aufgaben erfüllt hat, den der "Zufall" sie ins Dorf geführt hat, denn
Armande hat ihren Frieden gefunden, Luc durfte noch seine Großmutter richtig kennen lernen, Guillaume konnte seinen Charlie loslassen, Joséphine schaffte es, ihren Mann zu verlassen und Pére Reynaud bekam sein Fett weg
Das einzige Manko war für mich die Zeit in der das Buch spielt. So wie die Leute leben passt das nicht in die Neunziger. Da war es im Film passender dargestellt.

Mein Lieblingssatz: "Probieren sie, es ist ihre Lieblingssorte"