
Arme Breña, arme, arme Breña!

Mir gefällt es, so nach und nach immer mehr über die verschiedenen Tiere zu erfahren. Erst einmal zwei Hyänengeschichten. Buki, die Hyäne, tut mir schon ein bisschen leid, wie er immer wieder überlistet wird, aber so ganz unschuldig ist er daran nicht. Durch seine Gefräßigkeit macht er sich sein Leben schwerer als nötig. Sie bringt ihn auch dazu, sehr kurzsichtig zu denken.
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Die Lanze der Hyäne steht er vor der Wahl, leichtere Essensgewinnung später oder Fleisch jetzt. Natürlich entscheidet er sich für die direkte Triebbefriedigung.
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Ein Auftrag macht er sich durch seine ständigen Abstecher auf der Suche nach dem Fleisch, das er riecht, den Weg und damit die Arbeit viel länger als nötig. Seine Last schnell abzuliefern und eine Belohnung dafür zu bekommen, wäre das vernünftigere Handeln gewesen, aber ein wirklicher Gierhals kann so nicht denken.
Sehr gut hat auch mir der Vergleich mit weiteren "unmöglichen Dingen" gefallen, außer dem Kind mit dem Honigtopf z. B.
genausogut könnte man dem lodernden Feuer einen Klumpen Butter anvertrauen.Leuk, der Hase, ist eine ganz andere Persönlichkeit als die Hyäne. Klug wie er ist, überlistet er alle anderen. Manchmal zu seinem eigenen Vergnügen, manchmal, um anderen zu helfen. Zweiteres tut er in der Geschichte
Der Lohn. Erst erschien mir der Spruch, dass eine gute Tat mit einer schlechten vergolten würde, sehr fremd, bis mir das entsprechende hiesige Sprichwort einfiel: "Undank ist der Welt Lohn". Die Geschichte könnte also, mit z. B. einem Wolf statt dem Kaiman auch in deutschen Wäldern spielen. Kuh und Pferd erscheinen mir als Geschwister der "Bremer Stadtmusikanten". Alte, ausgepowerte Haustiere, die, zu nichts mehr nütze, von ihrem Besitzer kein Futter mehr bekommen, und die dem Kaiman daher gerne zustimmen. Leuk hingegen mit seiner ganz anderen Lebenserfahrung fragt erst einmal nach dem Hintergrund der Frage und gibt auf seine Art eine Antwort: So wird eine schlechte Tat vergolten!
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Hasenstreiche fiel mir besonders das gleichberechtigte Nebeneinander von Mensch und Tier auf. Dass der Hase eine Frau schwängern kann, ist ganz selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist, dass er aus seiner selbstverursachten Klemme heile wieder herauskommt.
Kleiner Mann ist dann eine ganz andere Geschichte. Auch mich hat sie in ihrer eigentlich nicht notwendigen Unausweichlichkeit traurig gemacht. Der Vers der Mutter
N'Diongane, komm zurück,
Liebster N'Diongane, komm doch wieder!ging mir mit jeder Wiederholung mehr ans Herz. Im Kontrast dazu wirkte der spöttische Spruch der Schwester mit jeder Wiederholung herzloser und es wurde verständlich, wieso der Bruder nicht umkehren konnte.
Trug und Wahrheit zeigt sehr witzig, wie wenig die Menschen die Wahrheit schätzen, wenn sie ihnen nicht gefällt, und wie weit man mit der Unwahrheit kommen kann. Trug, anfangs deprimiert über die Missachtung, die man ihm angeblich schenkt, ist in seinem Umgang mit den Menschen viel erfolgreicher als seine Weggefährtin, die Wahrheit. Er lügt sich problemlos ein halbes Königreich zusammen, wo die Wahrheit vorher nicht einmal eine kleine Mahlzeit bekommen konnte. Interessant, dass die beiden Antagonisten so gut miteinander auskommen. Sie begeben sich zusammen auf die Wanderschaft und verstehen sich gut - wahrscheinlich ein Bild dafür, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, entweder zu lügen oder die Wahrheit zu sagen.
Die Gazelle und die beiden Jäger fängt mal wieder mit einer ganz anderen Geschichte an. Hier wird das Problem der Verständigung zwischen Menschen verschiedener Sprachen angesprochen. Je zwei Phrasen auf Wolof und Bambara haben in der anderen Sprache eine andere Bedeutung, so dass man zwar glaubt, sich zu verstehen, aber das in Wirklichkeit doch nicht tut.
Erst dann geht es um die titelgebende Gazelle, die die Spucke eines Marabuts verzehrt und damit seine Weisheit in sich aufgenommen hat. Danach ist es ihr kein Problem mehr, den Jäger, der sie geschossen hatte, zu bestrafen. Davon hören die anderen Tiere und fordern sie auf, etwas gegen den großen Jäger N'Dioumane und dessen Hunde zu unternehmen. Die Tiere arbeiten unter der Leitung der Gazelle zusammen und es sieht schlecht aus für N'Dioumane:
Wêng si wélèng!
Sa wélèng wèng!
N'Dioumane, du musst sterben!singen die Tiere, während sie die Palme, auf die sich N'Dioumane gerettet hat, abhacken und die Angst, die N'Dioumane ausstehen muss, wird mit jeder Wiederholung des Verses spürbarer. Da seine Mutter allerdings Verdacht geschöpft hatte, gelingt es ihm, sich in letzter Minute zu retten, und die Tiere werden weiterhin zu Opfern seiner Jagdkünste.
Die Kalebasse des Kouss, eines Koboldes, hat als Protagonisten Leuk, den Hasen und Buki, die Hyäne. Zuerst miteinander gleichgestellt als gleichgute Ehemänner, zeigt sich im Verlauf der Geschichte, die mich ziemlich an das Märchen von Frau Holle (mit Goldmarie und Pechmarie) erinnert hat, doch der Unterschied der beiden. Leuk gelingt es durch bloße Befolgung der Tipps, die er bekommen hat, von Kouss reichlichst belohnt zu werden, während Buki es sich einfacher machen will. Seine ihm angeborene Gier sorgt schließlich dafür, dass er seine gerechte Strafe erhält.