

Miguel de Blast arbeitet als Übersetzer, die Beziehung zu seiner Frau ist eher distanziert und er hat keine wirklichen Freunde. Die Einladung zu einem Übersetzerkongress irgendwo an der Küste ist für ihn eine Gelegenheit alte Studienkollegen wieder zutreffen, ganz besonders die Frau, in die er damals verliebt war und die ihm von einem Mitstudenten ausgespannt wurde. Der Kongress findet in einem nur zur Hälfte fertig gebauten Hotel irgendwo in der Provinz statt, in einem Ort an dem der Tourismus anscheinend nie wirklich angekommen ist. Schon kurz nach den ersten Vorträge wird auch die erste Leiche gefunden und vermutlich aus lauter Langeweile versucht Miguel de Blast herauszufinden, was geschah.
Der Autor hat ein modernes Abbild einer Gothic Novel geschaffen, in der die gebildeten Adeligen in einem Schloss sitzen und einer nach dem anderen auf geheimnisvolle Weise verstirbt. Das Schloss ist hier allerdings ein baufälliges Hotel und die Adeligen sind verschrobene Akademiker. Die Umgebung ist absolut trostlos, Bauruinen, Regen und Kälte, ein Dorf, das von der Außenwelt vergessen ist. Lebenslust sucht man bei allen Protagonisten vergebens, da möchte man schnell glauben, dass die Toten Selbstmord begangen haben. Alles in dieser Geschichte wirkt sinnlos, kühl und ungemütlich, es herrscht eine beklemmende Atmosphäre, die nur Unglück gebären kann.
Das Buch handelt nicht von einer Übersetzung, wie der Titel nahe legt, sondern von Sprachen an sich, und von den semantischen und linguistischen Besonderheiten die ihnen innewohnen, den verborgenen Besonderheiten, die erst durch die Übersetzung offen gelegt werden. Bei der geheimnisvollen Sprache, die Auslöser für alle Geschehnisse in dem Buch ist, wird ihr besonderes sosehr überhöht, dass sie (für mich) zu reinem Symbol verkommt.
Ich mag eigentlich Bücher, deren Sinn sich einem nicht wirklich erschließt, bei denen man von Symbolen übermannt wird und am Ende ratlos zurückbleibt, aber hier, in dieser Kombination mit überwältigender Trostlosigkeit, gefiel mir das nicht, ich empfand die Geschichte als zu depressiv.
