Auch mich hat gerade - angeregt durch die vielen begeisterten Kritiken hier im Forum - ein bisschen das Haas-Virus erwischt.
"Der Knochenmann" ist der zweite Roman in meinem Sammelband "Das große Brenner-Buch", und schon nach diesen ersten beiden kann ich sagen, dass der Herr Haas durchaus eine Entdeckung war.

Die Sprache des Erzählers ist einfach köstlich. Man kommt sich beim Lesen tatsächlich vor, als höre man ein Protokoll ab oder als ob einem der Erzähler lässig gegenübersaße und die Geschichte frei nach Schnauze erzählen würde.
Zahlreiche österreichische Dialektausdrücke und Redewendungen lassen für den eher norddeutsch geprägten Leser viel Lokalkolorit aufkommen, ohne dass aber der Lesefluss dabei gestört würde.
Der Stil wirkt so lebendig, dass man vieles im Kopf geradezu auf Österreichisch mitliest (wenn jemand versteht, was ich meine

)
Meine persönliche Lieblinsszene ist die, in der das halbe Dorf in der Hendlstation "Aktenzeichen XY ungelöst" schaut -
die Horrorshow meiner späten Kindheit / frühen Jugend. Tja, das waren noch etwas andere TV-Zeiten, als diese unprofessionell inszenierten Filmchen mit der schaurigen Musik einen zum Schlottern gebracht haben...
Jedenfalls taucht natürlich Peter Nidetzky "in unserem Wiener Studio" auf, aund auch Konrad Tönz aus Zürich, zwei echte Kultfiguren dieser Serie

Und als Sahnehäubchen verkündet Ede Zimmermann dann noch einen mysteriösen Fall aus "Östreich", was den Saal mit Dörflern beim Hendlkönig vor Verärgerung zum Kochen bringt ob dieser Arroganz der Piefkes, die das kleine Nachbarland noch durch die falsche Aussprache seines Namens demütigen müssen - LOL...
Die Szene mit der Kaffeefahrt nach Tschechien, die Wendy so gut gefallen hat, steht dieser Episode übrigens in nichts nach.
Dieser Brenner war prima in einem Tag zu lesen und macht absolut Lust auf mehr!
Ich habe mich blendend amüsiert und vergebe ebenso wie meine Vorschreiberin

(weil ich mir noch ein bisschen was lassen will für eventuelle Steigerungen)
