Hier kommt meine Rezi zu dem Buch.
Inhalt: Grazia, 18jährige Tochter aus gutem Hause, trifft im Berlin des Jahres 1895 an der Ausgrabungsstätte ihres Verlobten Friedrichs erst auf ein geheimnisvolles Licht im Wasser der Havel und dann auf einen geheimnisvollen (überaus gut aussehenden) Fremden. Nach dieser Begegnung stellt sie eine Veränderung an sich fest - sie kann Wasser erschaffen -, die sie nicht wagt jemandem mitzuteilen, stattdessen versucht sie noch einmal ihr Glück an der Havel ... den Fremden zu finden. Doch sie fällt ins Wasser, durch das Licht hindurch und findet sich plötzlich in einer fremden Welt, in der Wüste, wieder. Dort trifft sie auf Anschar, einen Krieger, der von Wüstenmenschen gefangen wurde. Als die Wüstenmenschen ihn aussetzen folgt sie ihm um ihn zu retten. Gemeinsam gelangen sie bis in Anschars Heimat, der Hochebene Argad, die von Wüsten eingeschlossen ist und selbst mit einem immer größer werdenden Wassermangel kämpft ...
Eigentlich ist das erst der Anfang, aber an dieser Stelle will ich nicht noch mehr verraten.
Meine Meinung: Das Buch ist sehr schön gestaltet, das Cover strahlt den Leser geheimnisvoll an und im Inneren springen einem zunächst die schön gezeichneten Karten ins Auge. Außerdem ist die Schrift angenehm groß gehalten, man muß sich also nicht mit kleinstmöglichen Buchstaben herumschlagen.
Die Sprache liest sich angenehm und flüssig, die Geschichte ist spannend, das Erzähltempo schnell. Zeitsprünge treiben die Handlung noch mehr an. Als Leser wurde ich relativ schnell von der Geschichte eingefangen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, denn ich wollte immer wissen wie es nun weitergeht mit Anschar und Grazia.
Die Welt, in der Grazia landet, ist eine "runde Sache" mit nur einer handvoll Fantasyelementen, so dass man manchmal fast das Gefühl haben könnte, Grazia sei nur in der Vergangenheit gelandet und man lese gerade einen historischen Roman. Besonders gut in dieser Welt hat mir die "schwebende Stadt" gefallen, ein toller Einfall, den ich mir nur allzu gerne bildlich vorstelle.
Grazia und Anschar als Charaktere sind gut aufgebaut und ihre Handlungen über die Geschichte nachvollziehbar. Hierzu muß ich allerdings sagen, dass mir Grazia am Anfang sehr sympathisch war, sie mir später aber ein wenig nervig wurde, da sie sich in dieser fremden Welt einfach ein wenig realitätsfremd benahm. Am Anfang ist das ja durchaus akzeptabel, später hätte ich sie aber gerne mal gepackt und gründlich durchgerüttelt.

Zu Anschar kann ich nur sagen, dass mir manche seiner Einstellungen ebenfalls ein wenig auf die Nerven gingen, aber im Kontext der Geschichte waren diese Einstellungen logisch und Anschars Verhalten einfach konsequent.
Was mir bei den Charakteren weniger gefiel war, dass Mallayur, der König von Hersched und einer der Buchbösewichte nur böse und von der Gesinnung her tiefschwarz war. Es kam mir einfach zu gewollt böse vor.
Gut hingegen gefiel mir an dieser Geschichte, dass Sabine Wassermann nicht die negativen Aspekte ihrer Welt vergisst. So manch einer mag sich ja manchmal in eine fremde Welt wünschen und Abenteuer erleben, doch vergisst man allzu schnell diese negativen Aspekte, beispielsweise in der Einstellung oder der Denkweise der Bewohner (z. B. das alle Bewohner der Hochebene die Wüstenmenschen für Tiere halten und sie sich als Sklaven fangen), die die eigene Fantasie gerne mal ausblendet.
Auch lustig ist es, dass der strenge Geruch das erste ist, was Grazia an Anschar und den anderen Bewohnern dieser Welt auffällt. Anschar hingegen findet Grazia aufgrund ihrer Haarfarbe, der hellen Haut und den Sommersprossen unansehnlich.
Die Geschichte ist übrigens zwar abgeschlossen, doch weist das Ende bereits auf die Fortsetzung hin.
Für mich steht in diesem Buch die Fantasy übrigens nicht im Vordergrund sondern mehr die Liebesgeschichte zwischen Anschar und Grazia. Deshalb fand ich es auch Schade, dass das Erzähltempo so schnell war und besonders am Anfang durch Zeitsprünge manche Entwicklungen nur kurz angerissen, ansonsten aber übergangen wurden. Ich brauche einfach eine Weile um mich in ein Buch, seine Charaktere und deren Beziehungen hineinzufühlen. Gerade bei Liebesgeschichten ist das extrem wichtig, da ich sehr gerne mit den Charakteren mitfühle. Hier fiel es mir leider ein wenig schwer mich in Grazias Verliebtheit hineinzuversetzen. Auch hätte ich ein wenig mehr Zeit gebraucht, damit sich die Atmosphäre der Geschichte und der Welt bei mir richtig festsetzen und entfalten konnte.
Als
Fazit kann ich sagen, dass mir das Buch schon gut gefallen hat, es war unterhaltsam und ein wahrer Page Turner. Doch wie gesagt schritt mir die Handlung manchmal zu schnell voran.
An Ratten bekommt "Das gläserne Tor" von mir

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