Huhu, ihr Lieben!
Es war wieder mal eine lange Reise, für Phèdre und für mich, und obwohl ich nicht so uneingeschränkt beeindruckt bin wie von Band 1 hat es sich schlussendlich doch gelohnt. Und ich warne gleich mal vor: Da dies der zweite Teil einer Reihe ist, kommen hier gezwungernermaßen
SPOILER zu Band 1 vor.

Inhalt:Phèdres Leben hat sich nach der großen Schlacht um Troyes-le-Mont etwas beruhigt. Sie ist Comtesse de Montrève, hat ein Anwesen und Joscelin sowie Phèdres Boys an ihrer Seite. Als sie jedoch eines Tages ein Paket erhält, in dem sie ihren sangoire Mantel findet, beginnt sie wieder über Melisande Sharizai nachzudenken. Immer noch ist diese verschwunden. Und dieser Gedanke lässt Phèdre keine Ruhe. Außerdem sehnt sie sich nach Elua's City und dem Nachtleben als Naamah's Dienerin...
Meine Meinung:Nach einem sehr, sehr langsamen und langwierigen Start (den man wirklich bedenkenlos um die Hälfte hätte kürzen können), geht es fast genau auf Seite 300 endlich so richtig los. Phèdre reist auf ihrer Suche nach Melisande - nach langweiliger Detektivarbeit und ein paar Aufträgen (ihr wisst ja, welche ich meine

) - nach La Serenissima, dem Venedig dieser Welt. Diese Stadt ist zwar toll beschrieben und auch die Intrigen, die dort vor sich gehen, sind mehr oder weniger interessant. Spannend wird es aber erst, als Phèdre wieder mal so richtig tief in Schwierigkeiten rutscht. Und "Schwierigkeiten" ist dabei noch ein viel zu schön gewähltes Wort.
Ihre Abenteuer führen sie auf die hohe See, nach Illyria und sogar bis nach Kriti, der hellenischen Insel. Neue Charaktere werden eingeführt - Kazan Atrabiades hat mir sehr schnell das Leserherz gestohlen

- und neue Götter und Glaubensarten erkundet.
Immer wieder gibt es zwischendurch aber Längen und der schwere Anfang hat am Ende nur wenig Bedeutung für die Gesamthandlung gehabt. Weiters hat mir die Abwesenheit bestimmter Charaktere
Joscelin verschwunden, und Remy und Fortun tot!

schwer zu schaffen gemacht. Und was mir komplett gefehlt hat - bis auf ein paar wenige Erwähnungen - war das, was ich an Phèdres Stelle sofort getan hätte: Nach einem Weg zu suchen, Hyacinthe zurück zu bekommen! Der Arme fehlt mir als Charakter und immerhin ist er Phèdres bester Freund von Kindesbeinen an. Was kann denn höhere Priorität haben, als ihn zu retten.

Der Showdown war es dann aber doch wieder wert. Es kam wieder mehr Spannung auf und das Ende war wunderschön abgerundet.
Allerdings hat sich Jacqueline Carey hier wieder ein Fenster für die Fortsetzung offen gelassen. Wie sagte Phèdre so schön: Das
was ist leicht zu erraten, nur das
wie ist das große Rätsel.
So geht es mir auch mit der Vorhersage, was im nächsten Band so ungefähr passieren wird. Außerdem hab ich mir durch das Wissen um die zweite Serie (Imriel) glaube ich, schon selbst einen kleinen Spoiler verpasst.
Die Sprache war wieder so schön blumig und musikalisch wie gewohnt und macht selbst manche Stellen, an denen wenig passiert, zu einem kleinen Genuss. Ein d'Angeline Leckerbissen, also.

Fazit: Vieeeel zu langsamer Einstieg, die Hälfte hätte es auch getan. Aber durchaus wert, gelesen zu werden.
