Hallo illy,
unter den Bergen von Krimis, die von vielschreibenden Autorinnen und Autoren serienweise auf den Markt geschleudert werden, verbergen sich nur selte Kleinode.
Die Romane von Jean Claude Issy, in der ausgezeichneten Übersetzung desjenigen, der schon zuvor einige Bücher von Jean Baudrillard übersetzt hat,gehören zum Besten, was der europäische hartgesottene Krimi (Hardboiled school of crime fiction, Roman et Film Noir) - es ist schon bezeichnend, dass es dafür im Deutschen keine wirklich gute Gattungsbezeichnung gibt, neben den Romanen von Jean-Patraick Manchette und Derek Raymond (der vieles unter dem Pseudonym Robin Cook geschrieben hat) zu bieten hat.
Hier würde mir höchstens noch Jörg Fauser einfallen und - als zur Zeit bester deutscher Krimi-Autor: Ulrich Ritzel.
Es ist ein Elend, es wird hier selten bis an die Schmerzgrenze geschrieben. Gerade im Bereich des Krimis scheuen vielen jungen Autoren vor der harten, illusionslosen Darstellung der Welt zurück, die doch in Wirklichkeit dem Verbrechen am angemessensten ist. Izzys Romane, die Marseille-Trilogie sind ein einziger, immer härter und schonungsloser werdender Downer, ein Trip nach unten durch eine durch und durch verkommene Gesellschaft, die von der Gewalt und der organisierten Kriminalität von oben und unten zugleich zerstört wird.
Der Held Izzys ist gleicherweise illusionslos wie Derek Raymonds Inspektor ohne Namen aus der Factory-Serie. Für hartgesottene Krimis gab es früher bei Bastei sogar einmal eine eigene schwarze Reihe, inzwischen gibt es Derartiges nur noch in Kleinverlagen und gelegentlich bei Heyne (die Serie mit den Jahreszahlen von einem Engländer, der Name fällt mir grad nicht ein ist ähnlich schonungslos konzipiert). Es ist ja erstaunlich, dass im Film Noir und im Krime Frankreich und England eine gute Tradition hat (J.P.Melville, die Carter-Romane und Filme, die in Deutschland fehlt. Erst bei Ulrich Ritzel sehe ich eine vergleichbar düstere und zugleich politisch und gesellschaftlich bewusste Art einen Krimi zu erzählen.
Kriminalität und Verbrechen sind kein Deckchensticken für Miss Marple mehr in Großstädten, in denen das soziale Gefüge auseinanderbricht. Hier passen die Krimis der harten Serie, wie seinerzeit in den USA die von Cornel Woolrich, Charles Willeford, Jim Thompson und vielen anderen besser, um die desolaten Zustände zu beschreiben.
Ich kann jedem, dem Krimilesen mehr sein soll als Zeit totzuschlagen (die eigene) und eine milde Form von Betäubung, nämlich eine aufregende Lektüre, die schonungslosen Romane von Jean Claude Izzy wärmstens empfehlen.
ganze Horden von Leseratten, als wären sie der Ratten-Serie von James Herbert entsprungen.

Keine Lektüre für Weicheier, Weichgespülte, Harmoniesüchtige, Versöhnlinge und dergleichen Gutmenschen
Gruß aus den Abgründen der Moderne
geronemo