Inhalt:Ram Mohammad Thomas gewinnt in der Quizshow WER WIRD MILLIARDÄR die Milliarde - die grösste Summe, die jemals gewonnen wurde. Kurz darauf wird er verhaftet. Der Grund: Ein 18-jähriger Junge von der Strasse, der noch nie eine Schule besucht hat und nicht einmal weiss, wie viele Planeten unser Sonnensystem umfasst, kann die Fragen der Quizshow gar nicht beantworten und muss daher ein Betrüger sein.
Ein Wunder geschieht und Ram beginnt seine Geschichten zu erzählen. Eine Geschichte zu jeder Frage und dennoch erfahren wir seine gesamte Lebensgeschichte. Und wir erfahren auch, was den jungen Mann dazu getrieben hat, an dieser Quizshow teilzunehmen...
Meine Meinung:Vikas Swarups Buch "Rupien! Rupien!" hat sich einen Namen gemacht; und dies zurecht. Die Geschichte von Ram Mohammad Thomas ist ergreifend und erschütternd real.
"Rupien! Rupien!" nimmt uns mit ins Indien der heutigen Zeit. In Indien gibt es viele reiche Leute, doch es gibt noch weitaus mehr arme. Viel mehr arme. Ram ist einer von ihnen.
Ram erzählt seine Geschichte aus der Ich-Perspektive, was seinen Bericht umso eindrücklicher macht. Der Leser erfährt von Rams Kindheit und seiner Jugend. Wie er mit seinem Freund Salim ums Überleben kämpft und wie er sich verliebt. Sein Bericht erzählt von Mord, Vergewaltigung und Hunger. Von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Krankheit.
Aber dennoch ist das Buch keineswegs traurig, denn Ram erzählt gleichzeitig auch von Freundschaft, Mut und Träumen. Das Bemerkenswerte ist, dass Swarup nichts beschönigt, aber uns dennoch niemals in ein Loch fallen lässt. Ram erzählt vom Leben, wie es für ihn ist. Mit allen Tiefs und allen Hochs. Das macht dieses Buch so authentisch.
Swarups Schreibstil ist angenehm, das Buch ist süffig geschrieben, sodass man ganz und gar in das Buch eintauchen und sich von Rams Geschichte mitreissen lassen kann.
Mehrmals werden Wörter in Hindi benutzt, die jedoch im Glossar erklärt werden. Ich war jedoch oftmals von den verschiedenen indischen Kleidungsstücken verwirrt, da ich die einzelnen Unterschiede nicht kenne. Nun bin ich zum Glück etwas klüger.
Wirklich gestört hat dieser Punkt sowieso nicht, da ich viel zu tief in der Geschichte versunken war. Die Seiten flogen nur so dahin und ich genoss das Buch in vollen Zügen. Denn auch die Spannung kommt nicht kurz. Man möchte unbedingt wissen, wie es Ram weiterhin ergeht und wie er sich aus manch verzwickter Situation herausmanövriert. Die Twists, die Swarup vor allem am Ende des Buches eingebaut hat, haben mir sehr gut gefallen und haben das Ende umso spannender gemacht. Wenn Ram dann mal in der Klemme steckt, sind seine Wege daraus heraus manchmal so kurios und originell, dass der Leser nicht anders kann, als kurz zu lächeln und den Kopf zu schütteln.
Auffallend waren jedoch die Zeitsprünge, die Ram unternimmt. Da jede Geschichte mit einer Quizfrage zusammenhängt, verbirgt sich die Antwort, weshalb Ram die Frage beantworten kann, immer in einem anderen Zeitraum. Somit verläuft die Geschichte nicht kontinuierlich und der Leser ist schwer damit beschäftigt, alle Namen zu behalten und die jedes Mal wieder neu einzusetzen. Auch ich war des Öfteren etwas verwirrt und wusste dann nicht, wo ich mich gerade befand. Auch die Namen musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen. "Rupien! Rupien!" sollte deswegen etwas aufmerksamer gelesen werden, zumindest bei Kapitelanfang brauchen wir oft ganze Konzentration.
Ich jedoch gewöhnte mich bald an die Zeitsprünge und wusste, was bei jedem neuen Kapitel auf mich zu kam und schon bald begann ich selber, die Puzzleteile zusammenzufügen. So konnte ich bald einen Blick auf das ganze Bild von Rams Leben riskieren. Es ist jedoch verständlich, dass dies nicht jedermanns Sache ist.
Wer "Rupien! Rupien!" liest, lernt eine Welt kennen, die Dunkler ist als unsere und nicht darum herum redet, wie es ist. Vor allem diese Klassengesellschaft, in der es nur reich oder arm gibt, haben mich ergriffen.
Fazit: "Rupien! Rupien!" von Vikas Swarup ist ein Buch für alle, die sich für Indien, unsere Welt und das echte Leben interessieren. Wer "Der Weisse Tiger" von Aravind Adiga mochte, wird auch mit "Rupien! Rupien!" nichts falsch machen. Gilt umgekehrt übrigens auch.
