Hallo liebe Leute,
so - nun habe ich es auch geschafft und den
Zauberberg an diesem Wochenende bezwungen.

Es fiel zum Ende hin unerwartet leicht, den Rest des 7. Kapitels zu lesen. Aber vielleicht war es auch die Gewissheit, bald durch diesen Wälzer durch zu sein.

Und so ist auch aus meinem zwischenzeitlichen Vorhaben, den
Zauberberg in Echtzeit zu lesen - mir also sieben Jahre Zeit dafür zu lassen - am Ende nix geworden...
Aber noch ein paar Worte zur Handlung:
Abschnitt
Fragwürdigstes:
Eine Beschreibung der Seltsamkeiten, die mit dem Erscheinen der neuen Patientin Ellen Brand dort oben Einzug halten. Da sie parapsychologisch begabt zu sein scheint und sie - bzw. ihr Schutzgeist Holger

- Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen kann, werden auf einmal im Berghof Händchen gehalten, Gläser gerückt und Séancen unter der Leitung von Dr. Krokowski abgehalten.
Das war ja noch ganz witzig zu lesen, und ich konnte die ganze Zeit über ein Schmunzeln nicht unterdrücken angesichts der Begeisterung und des Glaubens an das Übersinnliche, den alle eifrig an den Tag legten. Schließlich passieren ja auch allerhand unerklärliche Dinge, es klopft an der Türe, Lampen werden gelöscht, Papierkörbe schweben zur Decke, und selbst der verstorbene Joachim scheint auf einmal im Zimmer zu sitzen.
Und bei alledem wartete ich auf die Auflösung, den großen Knall, mit dem dieser Hokuspokus in sich zusammenfällt. Aber nix dergleichen... keine Enthüllung eines großen Täuschungsmanövers, keine Entlarvung Ellen Brands als Schwindlerin. Ich war doch etwas enttäuscht, dass Thomas Mann das alles am Ende dieses Abschnitts eben
nicht als Gaukelei und Blendwerk enttarnt.

Wer weiß, warum...
Geisterbeschwörung, Seancen, Gläser rücken. Ich wußte nicht, dass Herr Mann ein Anhänger des Spiritismus war.
Ich auch nicht, und ich kann's mir eigentlich auch nicht vorstellen.
Die große GereiztheitDer bevorstehende Krieg macht auch vor den Patienten in ihrer Abgeschiedenheit des Berghofs nicht Halt, und alle werden nervös, weil sie spüren und - wer die Presse verfolgt - ahnen und befürchten, dass etwas Schwerwiegendes in der Luft liegt. Das macht sie gereizt. Antipathie und Missgunst greifen um sich, und auch so manche Handgreiflichkeit macht die Runde. So langsam drehen alle durch, und Settembrini - anscheinend der letzte vernünftige Mann dort oben - ist gar nicht erfreut über diese Entwicklung. Und Naphta und Settembrini führen auch wieder einen ihrer gefürchteten Dispute, in dessen Verlauf ich mich angesichts der kruden Äußerungen Naphtas wieder einmal gefragt habe, wes Geistes Kind er eigentlich ist... Naja, jedenfalls artet dieser Disput derart aus, dass
Naphta sich schwer in seiner Ehre herabgesetzt fühlt und dafür Satisfaktion von Settembrini fordert. Als die beiden sich schließlich duellieren, weigert sich Settembrini jedoch, auf Naphta zu schießen, woraufhin Naphta sich völlig unerwartet eine Kugel in den Kopf jagt...
Darüber habe ich mich doch sehr erschrocken...

Schließlich
Der DonnerschlagDas große Finale. Der Donnerschlag ertönt, der Krieg bricht aus. Doch Hans will, wie mir scheint, noch immer nichts davon wissen. Und Settembrini, die Stimme der Vernunft, wird angesichts des Weltgeschehens, schwächer und schwächer. Hans packt schließlich nach sieben Jahren seine Koffer, und es folgt ein rührender Abschied der beiden Freunde.
Und dann die Schilderungen des Krieges. In aller Schonungslosigkeit. Kein Glanz und Gloria im Kriegsdienst, sondern die grausame Realität, wie abgekämpfte Soldaten im Morast marschieren, von allen Seiten beschossen werden und mit ansehen müssen, wie ihre Freunde und Kameraden neben ihnen von Geschossen zerfetzt werden. Das hat mir doch glatt die Tränen in die Augen getrieben.

Schließlich noch ein kurzer Blick auf Hans, wie er unter ihnen marschiert und leise vor sich hin singt. Und es bleibt offen, was aus ihm wird. Allerdings ist zu befürchten, dass es kein gutes Ende mit ihm nimmt...
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So. Das war's also mit dem
Zauberberg und mir. Ich muss nun erst mal das Buch in Gänze sacken lassen, es war ja doch ein schwerer Brocken. Ich bin jedoch froh, es zu Ende gelesen zu haben. Es hat mir einen neuen Blick auf die Welt vor dem Ersten Weltkrieg geboten und viele Personen und Persönlichkeiten näher gebracht, die mich gedanklich bestimmt noch eine Weile begleiten werden.
Vielen Dank auch noch mal an Euch, die LR-Teilnehmer. Ihr wart oft genug Ansporn, das Buch weiterzulesen. Ohne Euch und diese Leserunde hätte ich mich bestimmt nicht in dieser großen Intensität mit dem Buch auseinandergesetzt, wie ich es letztlich getan habe.
Und den anderen, die noch nicht fertig sind: Macht weiter. Es lohnt sich. Aber setzt Euch nicht unter Druck. Das Buch braucht eben die Zeit, die dafür erforderlich ist.
Viele Grüße
Stefan