Ganz offensichtlich schärft das Lesen dieses Buches deine Wahrnehmung 
...Oder aber das Buch ist gerade sooo langweilig, das du dich mit anderen Dingen ablenkst ?! 
Ersteres. Doch, doch - ersteres...

Aber die Abschnitte werden ja auch immer länger. Kein Wunder, dass ich so lange brauche.

Alleine
Schnee und
Als Soldat und brav umfassen zusammen 100 Seiten! Aber ich habe sie hinter mich gebracht und damit endlich auch das sechste Kapitel beendet.
Leider, leider habe ich auch bei diesen beiden Abschnitten festgestellt, dass sie für mein Empfinden in weiten Teilen ein klein wenig zu weitschweifig sind. Klar - der Abschnitt
Schnee und Hansens Abenteuer im Schneesturm waren ganz spannend zu lesen, und Thomas Mann hat eine ganz eigene Art, dies zu schildern, doch hätten es m.E. auch ein paar Seiten weniger getan, um zu verdeutlichen, welcher Natur die Schneewelt "dort oben" ist. Und gleich an drei Stellen spricht Thomas Mann allzu verschwurbelt von der "hexagonalen Regelmäßigkeit" bzw. dem "hexagonalen Unwesen", wenn er uns doch eigentlich nur ein Schneetreiben näherbringen möchte.

....man fragt sich mal wieder : Wie genau kann man(n)
einen Schneesturm beschreiben ??? Natürlich - sehr genau !
Exakt!

Jedoch zeitigten all' diese Schilderungen der Schneelandschaft bei mir auch einen angenehmen Nebeneffekt: Ich hatte die ganze Zeit das wunderbare Lied "Schnee" von Blumfeld im Ohr.

Nun zeigt Hans doch ein bißchen Interesse für sportliche Betätigung und möchte sich nicht an irgendwelche Vorschriften binden lassen. Gut denke ich, weiter so. Aber dann wird er wieder zu diesem unvernünftigen und naiven jungen Mann. Das er in diesem Schneesturm nicht umgekommen ist (noch nicht einmal eine Erkältung), ist für mich ein Rätsel. Manchmal ist er so bodenständig und im nächsten Augenblick steht ein unvernünftiger Junge vor einem.
Das macht ihn in meinen Augen so sympathisch, den Hans Castorp zwischen all' diesen trockenen und gebildeten "Erwachsenen"...

Sehr schön fand ich die Sympathiebekundung gegenüber Settembrini, die Hans im Kopf formuliert, als er auf Skiern durch den Schnee unterwegs ist:
Ach ja, du pädagogischer Satana mit deiner ragione und ribellione, dachte er. Übrigens habe ich dich gern. Du bist zwar ein Windbeutel und Drehorgelmann; aber du meinst es gut, meinst es besser und bist mir lieber als der scharfe kleine Jesuit und Terrorist, der spanische Folter- und Prügelknecht mit seiner Blitzbrille, obgleich er fast immer recht hat, wenn ihr euch zankt ... euch pädagogisch um meine arme Seele rauft, wie Gott und Teufel um den Menschen im Mittelalter.
Etwas verstört haben mich allerdings Hans' Halluzinationen, während er sich im Schneesturm befindet und draufzugehen droht...

Der das Kapitel abschließende Abschnitt
Als Soldat und brav ist dann wieder ein trauriger, schließlich
Nun also die Rückkehr Joachims. Anfangs noch die Genugtuung des Hofrats Behrend, der vorausgesehen hat, dass Joachim zurückkehren würde, später allgemeines Entsetzen über die rapide Verschlechterung seines Gesundheitszustandes.
Im Kapitel Als Soldat und brav war ich dann doch tatsächlich richtig traurig
und somit konnte ich auf Seite 736 den ersten richtigen Gefühlsausbruch verbuchen. Ein Höhepunkt, den ich ehrlich gesagt nicht erwartet hätte...
Ich auch nicht. Und ich denke mal, es bleibt nicht der einzige.
Sehr interessant fand ich die Ausführungen Naphtas und Settembrinis über die Freimaurerei. Naphta zeichnet ein recht negatives Bild der Historie und der Gepflogenheiten der Freimaurer - insbesondere der Illuminaten - wegen ihrer angeblichen Gottesferne. Und auf der anderen Seite Settembrini, der nicht nur die Logenarbeit auf eine politische Ebene hebt und als ihr Ziel "weltentscheidende Macht" definiert und bedeutende Staatsmänner als Logenbrüder "outet", sondern auch noch die "Gottlosigkeit" der Freimaurerei unterstreicht. Hier allerdings wurde ich stutzig, denn zu meiner Verwandtschaft zählt ein ehemaliger Logenbruder, der mir insbesondere die idealistischen Prinzipien der Loge, in der er Mitglied war, als urchristlich und in höchstem Maße moralisch beschrieb: Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Insofern frage ich mich (gerade auch angesichts meines geringen Wissens zu diesem Thema), ob es da tatsächlich Unterschiede innerhalb der einzelnen Logen gibt, oder ob Settembrini (sprich: Mann) nur seine Sicht der Dinge wiedergeben wollte. Also noch ein Thema aus dem
Zauberberg, um das ich mich in Zukunft mal intensiver kümmern möchte...
Daneben gibt es - natürlich - auch wieder jede Menge hochgestochener Dispute zwischen Settembrini und Naphta, denen mein immer wieder abschweifender Geist nicht immer folgen wollte...

Sehr passend dazu die folgende Stelle:

... [Hans] sah, eingehüllt in Vorbehalt, wie sie weiter dahintrieben und einander feindlich behilflich waren, vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen, nachdem Settembrini mit seinem kleinen Scherz vom Lateiner Vergil den Anstoß gegeben.
Spüre ich da so etwas wie Selbstironie in Thomas Manns Worten...?

Uff - so viel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Ich hoffe, ich habe Euch nicht erschlagen...
