So, ich habe gestern endlich mal wieder etwas Zeit zum Lesen gefunden und die Abschnitte
Mynheer Peeperkorn (des weiteren) und
Mynheer Peeperkorn (Schluß) gelesen und damit Kapitel 7.1 beendet.
So, und jetzt werde ich schauen, dass ich endlich auch zu dem komischen Herr Pepperkorn oder so ähnlich komme. Ich bin schon ganz neugierig.
Ja, der Peeperkorn ist schon ein interessanter Typ, mal was ganz anderes. Er bringt ein wenig frischen Wind in die angestaubte Berghof-Patientenschaft.
(...) aber ich habe meine Meinung über den ollen Peeperkorn geändert...vielleicht geht es dir ja ähnlich ?!
LG Simone 
Tja, seltsamerweise. Ich hatte mir ja anfangs ziemlich schnell ein Bild von ihm gemacht - kein gutes übrigens -, das ich doch wieder revidieren musste. Schließlich stellt sich heraus, dass er
Clawdia genauso liebt wie Hans. Und dann kommt es auch noch zur großen Aussprache zwischen Hans und Peeperkorn. Und Peeperkorn - vordergründig der unsensible und eingebildete Aufschneider - zeigt, dass er doch ganz einfühlsam sein kann und offenbar schon vom ersten gemeinsamen Abend an wusste, wie Hans zu Clawdia steht.
Ganz besonders bewegend fand ich die Szene, in der er sich mit Hans verbündet, da sie doch ein gemeinsames Ziel haben, ein gemeinsames Objekt der Begierde. Zwei unglücklich verliebte Jungs, geeint in ihrer unerwiderten Liebe zu der fernen Angebeteten.
Sowas gefällt mir!

Und was tut Clawdia? Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, als spiele sie mit den beiden, genießt es, von beiden hofiert zu werden. Sowas kennt man(n) ja von den Frauenzimmern.

Aber immerhin kommt im Abschnitt
Mynheer Peeperkorn (des weiteren) endlich der Moment,
in dem Hans und Clawdia ein ziemlich vertrautes, intimes Gespräch führen, sie ihn sogar zum ersten Mal duzt und - trara! - küsst. Auf den Mund, jawohl!
Sowas gefällt mir erst recht!

Also: Peeperkorn doch ein edler Mann? Es scheint so. Umso tragischer daher im Abschnitt
Mynheer Peeperkorn (Schluß), dass
er sich das Leben nimmt. Und was für einen Abgang er gewählt hat: Vergiftet mit den Substanzen, über die er so viel weiß, stilecht injiziert mit einer Vorrichtung, die dem Maul einer Brillenschlange nachempfunden ist. Ergreifend auch die Szene zwischen Hans und Clawdia am Sterbebett Peeperkorns, als Hans nun doch endlich - wie bereits am ersten gemeinsamen Abend von Peeperkorn erbeten - mit Clawdias Erlaubnis ihre Stirn küsst.
Ganz rührend in diesem Abschnitt auch noch der Gefühlsausbruch Wehsals gegenüber Hans. Er explodiert förmlich, als er Hans seine Liebe zu Clawdia gesteht. Armer Kerl!

Etwas schlucken musste ich bei Thomas Manns Wortwahl in dieser Szene. Nicht nur, dass Wehsal davon redet, dass dies "des Teufels beschissene Zwickmühle" sei, in der er sich winde. Auch Hans lässt er sprechen von "großen Schwulitäten", in denen Wehsal sich befinde. Da war ich etwas erstaunt, habe ich den allgemeinen Sprachgebrauch des Wortes "Schwulitäten" doch in etwas jüngerer Zeit angesiedelt...

So, viel Spaß noch beim Kapitel 7.1. Ich wechsle gleich rüber zum Kapitel 7.2...
