Jetzt konnte uns TM mal etwas fesseln und dann wieder so was Langatmiges und, wer sich dafür nicht interessiert,Langweiliges.
Das ist das Problem der vielen Facetten, die dieses Buch abdeckt: Die Themen für sich genommen sind ohne Zweifel umfassend und mit großem Hintergrundwissen geschrieben - aber ist es auch im Moment genau das, was ich eigentlich lesen will? Wenn ich gerade Zeuge eines großen Abschieds geworden bin und wissen möchte, wie es mit Hans und Clawdia weitergeht, nun, da sie zueinander gefunden haben, will ich dann im nächsten Kapitel eine ausführliche Schilderung der Flora rund um den Berghof lesen?
Abschnitt
VeränderungenNachdem Clawdia abgereist ist, nun auch noch Settembrini, der das Haus verlässt...!
Und Joachims Eifersucht, als er mitbekommt, wie Hans regelmäßig zu Dr. Krokowskis Psychoanalyse geht...
Abschnitt
Noch jemandO Wunder - Settembrini taucht wieder auf, an der Seite eines Fremden. Signore Naphta, Settembrinis Hausgenosse, wie sich herausstellt, mit dem er im Hause seiner neuen Unterkunft beim Dorfschneider Lukacek wohnt. Und es folgen weitere lange philosophische und politische Gespräche, die ein weites Spektrum abdecken (Diskurse über Demokratie, Nationalismus, den unausweichlichen Krieg usw.).
Abschnitt
Vom Gottesstaat und von übler ErlösungUnd weitere Gespräche über Religion und Psychologie und die damalige Jugend, deren tiefste Lust laut Naphta nur tiefster Gehorsam ist und letztlich zu Terror und Krieg führen wird. Naphta outet sich als Kommunist und bekommt Gelegenheit, seine Gedankengänge ausführlich darzulegen und Settembrini - den "republikanischen Kapitalisten" - an die Wand zu quatschen und zu erläutern, dass der Weg vom Gottesstaat zwangsläufig zur Diktatur des Proletariats führt. Für die damalige Zeit bestimmt gewagte Thesen, die Thomas Mann da ausbreitet.
Der Disput zwischen Naphta und Settembrini ist anstrengend gewesen. Einiges war interessant. Aber es gibt auch Stellen, die man kürzen kann.
Yo. Stimme zu.
Bei dem Gespräch mit Settembrini und Naphta hat man den Eindruck, dass da ein kleiner dummer Junge beim Gespräch zwischen Erwachsenen, einfach mal seinen Senf dazugeben will. Unüberlegt und naiv. Ich glaube, dass stört auch Joachim an seinem Vetter.
Das Gefühl hatte ich auch.

Habe gestern das Kapitel Vom Gottesstaat und von übler Erlösung gelesen und mußte mal wieder feststellen, das ich total erlöst war, als ich es hinter mir hatte. Diese Art Unterhaltungen zu führen, ist nichts für mich.
Geht mir aber auch so. Mein Problem bei diesen Passagen ist: Ist bin nicht darauf eingestellt, auf einmal solche trockenen, wissenschaftlichen oder philosophischen Ausführungen zu lesen. Wenn ich ein entsprechendes Sachbuch zur Hand nehme, weiß ich, worauf ich mich einlasse. Aber wenn ich einen Roman lese, muss ich das nicht unbedingt dieser Ausführlichkeit haben.
Es ist mir oft zu kompliziert geschrieben, sodas ich keine Ahnung habe, was ich da eigentlich gerade gelesen habe...
Ich bewunder euch ja dafür, das ihr da auch noch einen tieferen Sinn drin sehen könnt ??!!
Ich muss gestehen: Kann ich nicht wirklich. Ist mir auch oft zu hoch, was die da absondern...

Der Abschied der beiden ist anders als die Begrüßung. Joachim hat es endlich geschafft sich von da oben zu lösen und Hans ist einer von da oben geworden. Auf einmal redet auch Joachim seinen Vetter mit Vornamen an. "Hans, komm bald nach!"
Huch - ist mir gar nicht aufgefallen beim Lesen.

Mal schauen, wie sich alles weiterentwickelt und wann endlich Clawdia wiederkommt. 
Genau! Ich will Clawdia auch zurück!

Euch allen noch 'nen schönen Sonntag!
Stefan