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Autor Thema: Maarten 't Hart - Gott fährt Fahrrad  (Gelesen 1740 mal)

kaluma

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Re: Maarten 't Hart - Gott fährt Fahrrad
« Antwort #15 am: 05. März 2008, 21:13:11 »

Die Flucht vor dem dritten Oktober
Im Urlaub hat Maarten sich mit dem bevorstehenden Tod seines Vaters abgefunden. Er will seinen Vater besuchen, um auf dem Friedhof Laub zusammenzuharken (ich habe mich beim Lesen etwas gewundert, daß am dritten Oktober schon so viel Laub unten liegen soll) und bei der Gelegenheit will er Klartext mit seinem Vater sprechen. Dazu kommt es durch verschiedene Störungen aber nicht, und als der Vater ihn sogar ganz direkt darauf anspricht und fragt, ob Maarten mehr über seinen Gesundheitszustand weiß als er selber, antwortet Maarten ausweichend. Allerdings fragt Pau auch auf eine Weise, die eine wahrheitsgemäße Antwort kaum möglich macht.
Am Endes des Kapitels erfahren wir auch noch etwas darüber, wie Pau als Kind von seinem eigenen Vater behandelt wurde. Das erklärt, warum er wiederum Maarten als Kind mißhandelt hat. Zwar hat Pau sich vorgenommen, seine eigenen Kinder besser zu behandeln. Aber heutzutage wissen wohl die meisten Eltern, wie schwer es ist, solche Mechanismen zu durchbrechen und es wirklich besser zu machen. Daß Pau es wenigstens versucht hat, und nicht auf dem Standpunkt stehen geblieben ist "Prügel dienen der Erziehung und haben mir früher auch nicht geschadet" verdient Achtung, trotz aller Ecken und Kanten, die er sonst so hat.

Henoch
Dies ist für mich das schönste Kapitel des Buches. Hier schildert Maarten eine sehr schöne und klare Kindheitserinnerung: wie er als kleiner Junge erstmals alleine in den Garten zu seinem Vater laufen durfte. Auf dem Weg dorthin denkt er, angeregt durch die Beerdigung des Nachbarn, und durch die Begegnung mit einem Mann, der ihn auf dem Fahrrad ein Stück mitnehmen will, über Gott nach. Dabei kommt der Gedanke auf, ob dieser Radfahrer vielleicht Gott war, der ihn zu sich nehmen wollte (deutscher Buchtitel!), ein gar nicht so abwegiger Gedanke, wie ich finde. Überhaupt macht Maarten sich sehr reife Gedanken über Gott. Über sein Alter wird nichts gesagt, aber er muß etwa 4-5 Jahre alt gewesen sein, denn er kann zwar den Weg alleine laufen, ist aber noch klein genug, um bei seinem Vater auf dem Fahrrad vorn auf der Stange mitzufahren. Außerdem ist das genau das Alter, in dem Kinder sich sehr viele Gedanken über Gott, den Tod usw. machen. Maarten hat eine für ein Kind schon ziemlich tiefgehende Bibelkenntnis, aber seine Eltern scheinen offenbar nicht mit ihm über diese Dinge gesprochen zu haben. (Ich finde es ziemlich wichtig, solche Themen kindgerecht mit Kindern zu bereden.)

Der Monitor
Maarten wird zu seinem Vater gerufen, der einen Herzanfall hatte und im Krankenhaus liegt. Sein tröstlicher Gedanke ist, daß seinem Vater das langsame Dahinsiechen erspart wird, wenn er jetzt an einem Herzanfall stirbt. Maarten bleibt über Nacht bei ihm im Krankenhaus, bis zu seinem Tod.
Die Schwester, die darauf besteht, daß er seinen Vater in Ruhe läßt, obwohl dieser ihn gern bei sich haben möchte, und ihn praktisch aus dem Zimmer schickt, habe ich nicht verstanden.
Auch in diesem Kapitel spürt man deutlich den Abstand, der zwischen Vater und Sohn besteht. Auch der Schluß (seine Mutter sieht die lachende Schwangere nicht, er hingegen schon) bestätigt das. Trotzdem sagt er im ersten Kapitel (ein Jahr nach dem Tod seines Vaters, wenn ich das richtig deute), er könne sich noch immer nicht daran gewöhnen, daß sein Vater tot ist.


Kurze Zusammenfassung folgt.

Grüße,
Katja
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Ich lese gerade: Eva Völler "Zeitenzauber - Die magische Gondel"

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kaluma

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Re: Maarten 't Hart - Gott fährt Fahrrad
« Antwort #16 am: 05. März 2008, 21:15:28 »

Wenn Du nochmal Lust hast, ein Buch von Maarten 't Hart in Gesellschaft zu lesen wäre ich dabei. Diese Mikro-Leserunde hat mir großen Spaß gemacht :klatschen:

Sehr gerne!   :smile: :smile:

Allerdings habe ich viele seiner Bücher schon gelesen. Doch manche verdienen gut und gerne eine Zweitlektüre.

Viele Grüße
Katja
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kaluma

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Re: Maarten 't Hart - Gott fährt Fahrrad
« Antwort #17 am: 11. März 2008, 11:11:55 »

Hallo,

hier kommt die versprochene Kurzrezension.

Maarten ´t Hart
"Gott fährt Fahrrad"
oder "Die wunderliche Welt meines Vaters"

"Gott fährt Fahrrad" ist ein Buch, das man langsam und genau lesen sollte, und das man sicher auch ein zweites oder drittes Mal zur Hand nehmen kann. Es geht hier darum, wie Maarten ´t Hart mit dem (drohenden) Tod seines Vaters Pau fertig wird. Der Tod eines nahen Angehörigen führt, neben dem aktuellen Verlust, jedem von uns die Gewißheit vor Augen, daß auch man selbst eines Tages sterben wird. Außerdem geht es um das Verhältnis zwischen Maarten und seinem Vater, das trotz großer Liebe sehr distanziert ist. Wegen des Berufes des Vaters (Totengräber) ist der Tod in allen seinen technischen Aspekten in den Gesprächen und im Alltag der Familie ´t Hart stets gegenwärtig, und in beinahe jedem Kapitel ist die Rede von verstorbenen Personen, die auf die unterschiedlichste Art zu Tode gekommen sind. Obwohl der Tod ein ernstes Thema ist, muß man beim Lesen der kuriosen Details mancher Geschehnisse und vor allem der trockenen Kommentare und Sichtweisen Paus (dessen Welt wirklich wunderlich ist) des öfteren schmunzeln.
Trotz dieser Allgegenwart des Todes ist es für Maarten unmöglich, mit seinem Vater über dessen eigenen bevorstehenden Tod zu sprechen, und damit den Abstand zu seinem Vater zu überwinden.
Am Ende kommt es dann zwar anders als erwartet - aber die Auseinandersetzung damit war trotzdem nicht sinnlos.
Jeder von uns hat Dinge, die er schon immer sagen wollte und für die nie der richtige Zeitpunkt schien. Das Buch hat nur zu deutlich gezeigt, dass man diese Dinge besser gleich sagen sollte denn egal wie sehr man darüber nachdenkt, der wirklich richtige Zeitpunkt kommt nie.
Ja, das sehe ich auch so, aber genauso sollte man auch akzeptieren lernen, daß es Dinge gibt, die für immer unausgesprochen bleiben.

Ich vermute, daß ich hiermit eins der Lesehighlights des Jahres gelesen habe.

 5ratten :tipp:

Viele Grüße
Katja

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Re: Maarten 't Hart - Gott fährt Fahrrad
« Antwort #18 am: 08. August 2008, 13:21:55 »

Ich habe das Buch vor einigen Tagen zu Ende gelesen und es hat mich sehr bewegt. Die Kapitel sind alle sehr unterschiedlich, erzählen entweder, wie Maarten in der Gegenwart mit dem drohenden Tod seines Vaters umgeht, oder sind Erinnerungen aus der Kindheit, besondere Erlebnisse mit dem Vater usw. Manche Geschichten machen traurig und nachdenklich, andere auch lustig.
Alles in allem ist es aber ein Buch, das den Leser zum Nachdenken bringt. Darüber, wie man mit dem drohenden, bevorstehenden Tod eines geliebten Menschen umgeht, über den Tod im allgemeinen und über die unabdingbare Liebe eines Kindes zu seinen Eltern.
Es ist ein sehr schönes Buch, bei dem man das Gefühl hat, dass Maarten 't Hart einem sehr persönliche Episoden aus seinem Leben erzählt. Ich würde es auf jeden Fall weiteremfehlen, es wird auch für mich eines der Lesehighlights des Jahres sein!

5ratten
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Re: Maarten 't Hart - Gott fährt Fahrrad
« Antwort #19 am: 14. April 2012, 10:22:41 »

Ich habe das Buch gestern fertig gelesen und fand es irgendwo zwischen beeindruckend und verstörend.

Der Ich-Erzähler erinnert sich an die letzten Lebensmonate seines Vaters. Er weiß, dass dieser todkrank ist und muss dies für sich behalten. Mit dieser Last umzugehen fällt ihm unendlich schwer, gleichzeitig erlaube es ihm diese Situation, sich auf den Tod des Vaters vorzubereiten und sich an Episoden mit seinem Vater zu erinnern.Das Verhältnis der beiden war nie einfach, beide können einerseits mit Nähe schwer umgehen, andererseits ist doch eine enge Verbundenheit zu spüren.

auch wenn sich für mich glücklicherweise diese Situation nicht akut stellt, macht einem das Buch nachdenklich. Was wurde mit den Eltern (noch) nicht besprochen, wie viel Zeit bleibt einem noch, wie möchte man irgendwann auseinandergehen?

Ein sehr bewegendes Buch, Lektüre unbedingt empfohlen!
 5ratten
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