Die Flucht vor dem dritten Oktober
Im Urlaub hat Maarten sich mit dem bevorstehenden Tod seines Vaters abgefunden. Er will seinen Vater besuchen, um auf dem Friedhof Laub zusammenzuharken (ich habe mich beim Lesen etwas gewundert, daß am dritten Oktober schon so viel Laub unten liegen soll) und bei der Gelegenheit will er Klartext mit seinem Vater sprechen. Dazu kommt es durch verschiedene Störungen aber nicht, und als der Vater ihn sogar ganz direkt darauf anspricht und fragt, ob Maarten mehr über seinen Gesundheitszustand weiß als er selber, antwortet Maarten ausweichend. Allerdings fragt Pau auch auf eine Weise, die eine wahrheitsgemäße Antwort kaum möglich macht.
Am Endes des Kapitels erfahren wir auch noch etwas darüber, wie Pau als Kind von seinem eigenen Vater behandelt wurde. Das erklärt, warum er wiederum Maarten als Kind mißhandelt hat. Zwar hat Pau sich vorgenommen, seine eigenen Kinder besser zu behandeln. Aber heutzutage wissen wohl die meisten Eltern, wie schwer es ist, solche Mechanismen zu durchbrechen und es wirklich besser zu machen. Daß Pau es wenigstens versucht hat, und nicht auf dem Standpunkt stehen geblieben ist "Prügel dienen der Erziehung und haben mir früher auch nicht geschadet" verdient Achtung, trotz aller Ecken und Kanten, die er sonst so hat.
Henoch
Dies ist für mich das schönste Kapitel des Buches. Hier schildert Maarten eine sehr schöne und klare Kindheitserinnerung: wie er als kleiner Junge erstmals alleine in den Garten zu seinem Vater laufen durfte. Auf dem Weg dorthin denkt er, angeregt durch die Beerdigung des Nachbarn, und durch die Begegnung mit einem Mann, der ihn auf dem Fahrrad ein Stück mitnehmen will, über Gott nach. Dabei kommt der Gedanke auf, ob dieser Radfahrer vielleicht Gott war, der ihn zu sich nehmen wollte (deutscher Buchtitel!), ein gar nicht so abwegiger Gedanke, wie ich finde. Überhaupt macht Maarten sich sehr reife Gedanken über Gott. Über sein Alter wird nichts gesagt, aber er muß etwa 4-5 Jahre alt gewesen sein, denn er kann zwar den Weg alleine laufen, ist aber noch klein genug, um bei seinem Vater auf dem Fahrrad vorn auf der Stange mitzufahren. Außerdem ist das genau das Alter, in dem Kinder sich sehr viele Gedanken über Gott, den Tod usw. machen. Maarten hat eine für ein Kind schon ziemlich tiefgehende Bibelkenntnis, aber seine Eltern scheinen offenbar nicht mit ihm über diese Dinge gesprochen zu haben. (Ich finde es ziemlich wichtig, solche Themen kindgerecht mit Kindern zu bereden.)
Der Monitor
Maarten wird zu seinem Vater gerufen, der einen Herzanfall hatte und im Krankenhaus liegt. Sein tröstlicher Gedanke ist, daß seinem Vater das langsame Dahinsiechen erspart wird, wenn er jetzt an einem Herzanfall stirbt. Maarten bleibt über Nacht bei ihm im Krankenhaus, bis zu seinem Tod.
Die Schwester, die darauf besteht, daß er seinen Vater in Ruhe läßt, obwohl dieser ihn gern bei sich haben möchte, und ihn praktisch aus dem Zimmer schickt, habe ich nicht verstanden.
Auch in diesem Kapitel spürt man deutlich den Abstand, der zwischen Vater und Sohn besteht. Auch der Schluß (seine Mutter sieht die lachende Schwangere nicht, er hingegen schon) bestätigt das. Trotzdem sagt er im ersten Kapitel (ein Jahr nach dem Tod seines Vaters, wenn ich das richtig deute), er könne sich noch immer nicht daran gewöhnen, daß sein Vater tot ist.
Kurze Zusammenfassung folgt.
Grüße,
Katja