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Autor Thema: Antonio Skármeta – Der Dieb und die Tänzerin  (Gelesen 828 mal)

Aldawen

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Antonio Skármeta – Der Dieb und die Tänzerin
« am: 23. Februar 2008, 10:57:01 »



Inhalt: Nach einer größeren Amnestie finden sich sowohl der junge Ángel Santiago, der wegen Pferdediebstahls im Gefängnis war, als auch der ältere Nicolás Vergara Grey, ein Gentleman-Räuber, in Freiheit und den Straßen von Santiago de Chile wieder. Ángel stößt bei seinen ersten Streifzügen auf die Ballettschülerin Victoria Ponce, mit der er sich sogleich anfreundet. Victoria ist der Schule verwiesen und für die Ballettschule hat sie auch bald kein Geld mehr. Ángel hilft ihr, so gut er kann. Gleichzeitig versucht er, Vergara Grey von einem gemeinsamen Coup zu überzeugen, der sie auf Kosten eines Profiteurs des Pinochet-Regimes reich machen würde, ein Mitinsasse an Ángel an Vergara Grey „empfohlen“. Letzterer will sich auf keine illegalen Aktivitäten mehr einlassen, ihn interessiert vor allem die Aussöhnung mit seiner Familie, an der seine Frau aber ihrerseits kein Interesse zeigt. Gleichzeitig ist ein zu lebenslänglich verurteilter Mörder vorübergehend und heimlich auf freiem Fuß, um Ángel zu töten – im Auftrag des Gefängnisdirektors, der Ángels Rache fürchtet.


Meine Meinung: Ein wunderbares Buch in mehrfacher Hinsicht. Skármetas Personen sind sehr liebevoll gezeichnet, mit all ihren großen und kleinen Wünschen, Träumen und Hoffnungen, die der Realität nur schwer standhalten. Ángel und Vergara Grey müssen sich in Freiheit erst einmal wieder neu orientieren, auch weil sich die Welt außerhalb der Gefängnismauern während ihrer Haftzeiten sehr verändert hat. Lohnt es sich, ehrlich zu werden, wie Vergara Grey plant? Auch, wenn es die Familie nicht versöhnt? In dem Maße, wie diese Hoffnung zerbröckelt, gewinnt die Aussicht auf ein zumindest finanziell sorgloses Leben durch den Coup für Vergara Grey an Reiz. Ángel ist ein ganz anderer Typ, jung und etwas ungestüm, im Gefängnis gedemütigt und daher durchaus von Rachegedanken gegen den Gefängnisdirektor erfüllt. Aber er findet in der Verantwortung, die er für Victoria übernimmt, eine neue Aufgabe, die ihn reifen läßt. Das Mädchen leidet unter einer depressiven Mutter und der Erinnerung an den Vater, der noch während der Diktatur ermordet wurde. In Ángel findet sie zum ersten Mal jemanden, der bedingungslos an sie glaubt. Zusammen mit den gleichfalls gut gestalteten Nebencharakteren ist damit die Basis für die Choreographie der Geschichte gelegt.

Skármetas Sprache trägt ein übriges zur Wirkung dieser Geschichte bei, denn sie ist im besseren Sinne poetisch: zart, aber ohne Zuckerguß und ohne dabei um die auch weniger schönen Seiten des Lebens einen Bogen zu machen. Teilweise bekommt es sogar märchenhafte Anklänge, was sehr gut zum Inhalt paßt. Das gilt auch für das traurige Ende, denn ein anderes wäre hier nicht angemessen gewesen, im Gegenteil: es hätte die Erzählung sogar verdorben.

 4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kirsten

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Re: Antonio Skármeta – Der Dieb und die Tänzerin
« Antwort #1 am: 12. März 2010, 11:05:27 »

Hallo!

Der Dieb und die Tänzerin ist ein wunderbares Buch. Antonio Skármeta hat aus jeder einzelnen Peron etwas ganz besonderes gemacht. Dadurch machen sie die Geschichte wunderbar lebendig. Nichts wirkt gestellt oder fehl am Platz. Mit welcher Begeisterung Ángel Nicolás kennenlernt hat ihn mir sofort sympatisch gemacht. Nicolás selbst war für mich trotz seines Gefängnisaufenthalts der perfekte Gentleman. Wie er versucht die Liebe seiner Frau und seines Sohns zurückzugewinnen und wie er versucht, trotz ihrer Ablehnung für sie zu sorgen hat etwas Rührendes. Das Ende ist durchaus passend, über einen Gedanken Ángels mußte ich trotz allem dann auch schmunzeln.
4ratten

Liebe Grüße
Kirsten
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stefanie_j_h

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Re: Antonio Skármeta – Der Dieb und die Tänzerin
« Antwort #2 am: 16. Dezember 2010, 14:16:22 »

Da ich mir vorgenommen habe, für jede Station auf meiner literarischen Weltreise wenigstens einen kurzen Kommentar zu schreiben, muss ich zu diesem Buch wohl noch was schreiben. Dabei ist die Lektüre schon wieder über einen Monat her und es wäre so praktisch, wenn ich mich in allen Punkten einfach Aldawen und Kirsten anschließen könnte.
Ich fand das Buch auch wirklich sehr schön, die Personen sind mir alle ans Herz gewachsen, obwohl Diebe und Verbrecher normalerweise keine großen Sympathiepunkte bei mir erhalten. Hier waren sie aber so menschlich beschrieben, mit allen Sorgen und Nöten, die der Wiedereinstieg in die Gesellschaft so mit sich bringt, dass ich sie doch liebgewonnen habe.
Sprachlich fand ich das Buch sehr gelungen, auch wenn ich einige Kapitel manchmal etwas seltsam oder gewöhnungsbedürftig geschrieben fand. Mit dem Ende war ich auch komplett zufrieden.
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illy

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Re: Antonio Skármeta – Der Dieb und die Tänzerin
« Antwort #3 am: 13. Oktober 2011, 05:59:34 »

Chile in den 1990er Jahren: Dank einer größeren Amnestie finden zwei Männer den Weg in die Freiheit: Ángel Santiago, ein junger Träumer, der wegen Pferdediebstahls verurteilt wurde und sich geschworen hat, den Gefängnisdirektor zu töten und Nicolás Vergara Grey, Typ Gentlemangangster, von dem jeder einen weiteren großen Coup erwartet, während er viel lieber seine Familie für sich zurückgewinnen würde. Auch Ángel würde Nicolás gerne als Partner bei einem Raub gewinnen, allerdings hat er sich zudem in die junge Tänzerin Victoria verliebt, die er zu unterstützen versucht. Was sie alle nicht wissen, ist, dass der Gefängnisdirektor aus Furcht vor Ángel einen seiner gefährlichsten Insassen vorübergehend freigelassen und mit dem Mord an Ángel beauftragt hat.

Die Figuren sind recht sympathisch, Vergara Grey mag man sowieso, er hat etwas von einem alten, traurigen Mann, der noch nicht ganz bemerkt hat, dass die Welt nicht mehr so ist wie früher. Ángel Santiago ist ein Spinner, voller Vorsätze und Ideen, zwischen denen er sich dann verzettelt, dem man seine Schwächen aber aus Mitleid ständig verzeiht. Victoria gefiel mir noch am wenigsten, ich glaube nicht, dass sie das Zeug zu einer Tänzerin hat, sie erscheint mir eher als selbstsüchtiges kleines Mädchen. Allen gemeinsam ist, dass sie verlorene Seelen sind, die in der Gesellschaft vergeblich einen Platz für sich suchen.

Ich habe einige Zeit versucht, eine passende Bezeichnung für diesen Roman zu finden, am ehesten trifft vielleicht das Schlagwort „Gangsterballade“ zu. Die Gesten sind viel zu melodramatisch, um real zu sein und Chiles gesamte Unterwelt wirkt erbärmlich, mir macht dort – trotz gewalttätiger Szenen - niemand wirklich Angst. Die Geschichte erinnert mich insgesamt irgendwie an einen Film Noir, ich fühlte mich ständig an die Weltwirtschaftskrise der 1920/30er Jahre erinnert und war jedes Mal von neuem von irgendwelchen Modernismen überrascht.

Das Buch besticht nicht durch die Geschichte oder die Figuren, sondern ganz einfach durch die Stimmung, die es ausstrahlt.

4ratten
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Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)