So, heute steige auch ich in meine erste Leserunde ein und habe mit dem "Zauberberg" losgelegt, bin aber noch ganz am Anfang.
Vorher jedoch die Frage: welche Ausgaben lest ihr, insbesondere: gibt es ein Vor- bzw. Nachwort/Anmerkungen und auf wie viele Seiten kommt ihr (zwecks Zitate)? Und wieviel Erfahrung habt ihr schon mit Thomas Mann?
Ich lese eine Ausgabe aus dem letzten Jahr in der Aufmachung der Erstausgabe von 1924 mit schönem Leineneinband. Das Buch hat 1002 Seiten mit einer Übersetzung der fremdsprachlichen Passagen im Anhang, ohne weitere Erläuterungen:


Von Thomas Mann habe ich bislang nicht allzuviel gelesen, nur die "Buddenbrooks" und "Tonio Kröger". Die "Josephsgeschichten" stehen in Kürze an.
Ich liege heute auch krank im Bett - also genau die richtige Voraussetzung zum Lesen des "Zauberbergs"...

Leider ist das jedoch auch meiner Konzentrationsfähigkeit, die gerade für dieses Buch wichtig ist, etwas abträglich ...

Ich muss aber sagen, dass ich die Sprache bislang (erstes Kapitel) als leichter als befürchtet empfinde. Das ging mir auch mit den "Buddenbrooks" so. Was habe ich mich vor dem Buch gefürchtet... Letztlich war es aber flüssiger zu lesen und von der Sprache her einfacher als gedacht, und es hat mir großen Spaß gemacht. Und das erhoffe ich mir auch vom "Zauberberg".

Wie Ihr auch schon geschrieben habt, ist Hans Castorp für mich erst mal etwas blass und konturlos. Jung, unerfahren, gerade fertig mit dem Studium und kurz vor seiner ersten "richtigen" Anstellung. Ich schätze aber, dass Mann ihn extra so angelegt hat: Als unbeschriebenes Blatt, und erst im Laufe seines Aufenthalts im Bergsanatorium und durch die Erfahrungen, die er dort macht, gewinnt er an Kontur. Da ist sein Vetter Joachim schon ein anderes Kaliber, Mann beschreibt ihn wesentlich deutlicher.
Jedoch ein bisschen komisch finde ich die Beziehung zwischen Hans und seinem Vetter Joachim schon. Sie sprechen sich nur mit Du an, weil
"von jeher hatten sie es vermieden, einander beim Vornamen zu nennen, einzig und allein aus Scheu vor zu großer Herzenswärme."
Bei den Gesprächen die sie miteinander geführt haben kam es mir schon so vor, als ob sich die beiden ziemlich gut verstehen würden. Also von dem her finde ich das schon recht seltsam, dass die beiden Probleme miteinander haben sich mit Namen anzusprechen.
Ich würde dem gar nicht so viel Gewicht beimessen. Das ist halt die nordische Kühle im Umgang der Menschen miteinander und vielleicht auch nur eine Marotte der beiden.
Kurios nur, wie sehr Joachim sich schon an den Aufenthalt im Bergsanatorium gewöhnt hat und schon von sich und seinen Mitpatienten als "Wir hier oben" spricht, aber schließlich ist er ja auch schon seit fünf Monaten dort und soll mindestens noch ein halbes Jahr bleiben. Und wie ich seinen Äußerungen entnehme, hat Zeit dort eine ganz andere Dimension. Da ich ja schon vorher weiß, welche Zeitspanne das Buch umfasst und damit der Aufenthalt Hans Castorps in dem Sanatorium, musste ich schon schmunzeln über seinen festen Entschluss, nur drei Wochen zu Besuch zu bleiben und sich gar nicht erst großartig auf diese seltsame Welt, die ihn da empfängt, einzulassen:

Er hatte nicht beabsichtigt, diese Reise sonderlich wichtig zu nehmen, sich innerlich auf sie einzulassen. Seine Meinung vielmehr war gewesen, sie rasch abzutun, weil sie abgetan werden musste, ganz als derselbe zurückzukehren, als der er abgefahren war, und sein Leben genau dort wieder aufzunehmen, wo er es für einen Augenblick hatte liegen lassen müssen.
Wenn Hans Castorp wüsste ...
