Das fand ich auch besonders heftig. Dieses schnelle Umschalten. Diesen plötzlichen Wechsel zur Normalität. Zuvor sind die Jungs einfach nur kaltblütig (wobei ich glaube, dass ja zumindest Andrew noch ab und zu Zweifel kommen und Ramon ihm zwischendurch leid tut). Ihnen fehlt das, was wir von einem normalen Menschen irgendwie selbstverständlich erwarten. Mitgefühl, Mitleid, Hemmung, Reue usw.. Und gleichzeitig scheinen sie zwei normale Jungs zu sein, die eben ihren Spaß haben wollen, ein paar Mädels zum Strand abschleppen, um mit ihnen Wein zu trinken und sich ein bisschen zu vergnügen. Zwischendurch wird noch mal eben die Freundin angeschwindelt, ganz brav getan usw. – Jugendliche eben. Und dem gegenüber diese schier unfassbare eiskalte Brutalität. Vielleicht ist das gar nicht so untypisch für Bukowski. Er zeigt einem ja ganz gerne mal die dreckige Kehrseite einer scheinbar schönen Ansicht (z. B. Amerika). Vielleicht hat er das hier auch getan. Nur eben sehr drastisch.
Wegen der Absurdität weiß ich gar nicht. Ich weiß nicht, ob sich Ramon wirklich so ungewöhnlich verhält (naiv natürlich schon). Mir ist schon häufiger in älteren Büchern aufgefallen, dass es wohl zu einer bestimmten Zeit bei manchen Stars und Sternchen relativ normal zu sein schien, dass ihr Haus offen quasi stand und die Leute einfach ein und aus gingen, zum Teil auch Fremde. Vielleicht wurde Ramon deshalb als homosexuell dargestellt, um dies eben nicht so absurd erscheinen zu lassen. Bei einer Frau hätte man es wahrscheinlich noch weniger abgenommen, dass sie einfach so fremde junge Männer in ihr Haus lässt. Aber bei einem homosexuellen Mann? Der freut sich vielleicht sogar noch. Vielleicht wollte Bukowski auch hier zeigen, dass der Schein trügen kann. Die Sache ist quasi verkehrt herum: es ist hier nicht der böse homosexuelle Mann, der nur darauf wartet sich an ein paar Jugendlichen vergehen zu können. Ramon passt nicht in ein bestimmtes Klischee. Er ist einfach nur gastfreundschaftlich und höflich und wird dadurch zum Opfer.