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Autor Thema: Max Frisch - Homo faber  (Gelesen 3909 mal)

Lorion

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Re: Max Frisch - Homo faber
« Antwort #15 am: 15. Juli 2010, 12:45:24 »

Hallo zusammen.

Es gibt einen ganz einfachen Grund, weshalb im weiter fortgeschrittenen Bericht "um den heißen Brei herum geredet" wird. Das ist kein Zufall und es ist ebenso wenig dem Autor schlecht anzumerken.

Auch wenn Faber zu Beginn des Romans sicher wirkt (als Techniker, "Ich als Techniker bin es gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen", "Ich bin es gewohnt, die Dinge so zu sehen, wie sie sind.") Doch diese Sicherheit ist vor dem Leser, den Mitmenschen von Faber und vor ihm selbst gelogen.

Später, nachdem das Bild von diesem exakten Techniker ins Wanken gerät, muss er immer mehr betonen, wie rational er doch war. Er betont Dinge übertrieben oft und redet bei wichtigen Dingen (seine Schuld, Liebe zu Sabeth, Rechnungen "Bin ich der Vater?") "um den heißen Brei" herum. Das tut er aus Unsicherheit. Der Leser kann hier bei aufmerksamen Lesen genau erkennen, was Walter Faber nun in Wahrheit empfindet.

Da Faber diesen Bericht teilweise als sehr verwirrter Mensch schreibt, kann er (zu Recht) verwirrend wirken.

Gruß
Lorion
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Kafkaesker Käfer

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Re: Max Frisch - Homo faber
« Antwort #16 am: 24. Juli 2010, 10:35:28 »

Für alle Schüler/-innen unter uns:

Neben dem von Lehrern so gerne exerzierten Oedipus- Komplex (dazu gehört auch unbedingt Hanna!), gibt es noch weitere interessante Aspekte: Walter Faber ist zu einem ein Sinnbild für den verkorksten Menschen des postindustriellen Zeitalters: Sein Machbarkeitsdenken und seine technische Versiertheit lassen ihn das vergessen, was den Mensch zum Mensch macht, die Liebe. Sein Seelenleben gleicht einem Wrack, weshalb er sich in einen fast mechanischen Trott flüchtet (das ständige Rasieren, seine Kamera, etc.). Nur die Routine gibt ihm noch Sicherheit, bis er unerkannt seine eigene Tochter trifft. Ein erotisches Moment findet sinnigerweise im Motorraum des Kreuzfahrtschiffes zwischen beiden statt (als er ihre Hüften berührt). Auch ist der Homo Faber der Gegenentwurf zum Homo Ludens, der durch Sabeth dargestellt wird.

In Walter Faber tobt der ewige Krieg zwischen Appollon und Dionysos. Kurz erklärt: Appollon ist bekannt für die Sittlichkeit und Zucht, Dionysos der liederliche, zügellose Gott der Lüste, der ausgiebige Feste feiert. Seid gewanrt, dass das eine Deutung auf  metaphorischer Ebene ist, die so noch keine Richtigkeit besitzt! Warum sonst, sollte Sabeth ausgerechnet in Griechenland verunglücken, im liederlichen Süden, dem Ausgangspunkt der Götterwelt? Ist euch auch aufgefallen, dass sie, mit Verlaub, ziemlich blöde stirbt? Sie wird von einer Schlange gebissen und fällt auf den Kopf? Also wenn sich das nicht nach einem Mythos anhört.

Der Homo Faber ist zwar mit "Ein Bericht" untertitelt, doch hier gaukelt uns der Autor nur geschickt etwas vor, denn zur Person Walter Fabers passt natürlich nur der Bericht. Es handelt sich aber um einen Roman (je nach Definition).

Kleiner Tipp an die Schüler/-innen: Kaut die Deutungsansätze nicht einfach durch, die euch Lektürschlüssel suggerieren. Lasst die Lektüre auch euch wirken und versucht zu verstehen. Wenn es beim ersten mal nicht klappt, dann seid nicht verdrossen, lest es ein zweites Mal. Es ist der Homo Faber in euch selbst, der euch Poesie nicht verstehen lassen will  :leser: Macht den eigenen Kopf auf :).
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Da wurde mir klar, dass entweder ich verrückt war oder die Welt. Und ich tippte auf die Welt. Und natürlich hatte ich recht. (Jack Kerouac)

Avila

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Re: Max Frisch - Homo faber
« Antwort #17 am: 31. März 2011, 11:45:32 »

So, ich hab das Buch jetzt auch gelesen und ich weiß noch nicht so ganz, was ich davon halten soll.
Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich in das Buch rein kam und dann hat es mir auch ein Stück gefallen. Also die "erste Station" war für mich ganz gut, aber die "zweite Station" ... Es kann auch daran gelegen haben, dass ich das Buch über einen längeren Zeitraum gelesen habe und so evtl. den Anschluss verloren habe und nicht mehr im Detail wusste, was geschehen ist und ich es deswegen nicht so ganz verstanden habe, aber ich war davon einfach nur verwirrt.
Aber die "zweite Station" ist ja - Gott sei Dank - nicht so lang wie die erste, so dass sich das alles in Grenzen hielt. Wäre es anders gewesen, glaube ich nicht, dass ich das Buch bis zum Ende gelesen hätte.
Ich mag den Titel übrigens ganz gern. Am Anfang dachte ich, was soll das? Aber als ich es dann gelesen habe und sich das Ganze aufgeklärt hat und man die Erklärung nun im Zusammenhang mit dem ganzen Roman sieht, finde ich ihn wirklich sehr gut gewählt.

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Ophelia

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Re: Max Frisch - Homo faber
« Antwort #18 am: 03. Juli 2011, 18:27:09 »

'n Abend!  :winken:

In der Schule habe ich Homo faber nie gelesen, fand es nun aber mal an der Zeit, mich an die Lektüre zu machen und eine "Bildungslücke" zu schließen. ^^

Mir gefiel dieses Buch sehr gut. Der Schreibstil Max Frischs ist sehr prägnant, unverblümt, aber für mein Empfinden auch recht humorvoll, an vielen Stellen musste ich grinsen (vor allem bei den Passagen, als Faber und Sabeth reisen und ihre Eindrücke in Form von Vergleichen widergeben). An manchen Stellen empfand ich das Lesen als sehr anstrengend und mühsam, lag sicher auch daran, dass ich Faber und sein Weltbild (v. a. Frauenbild) so unsympathisch fand. Aber die vielen Andeutungen und die Symbolik im Buch fand ich gelungen, die erschließt sich größtenteils auch erst am Ende. Ein eigenartiges Buch. Aber beeindruckend. Ich werde es vielleicht im größeren Abstand noch einmal lesen.

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Michaela

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Re: Max Frisch - Homo faber
« Antwort #19 am: 09. Februar 2012, 16:55:51 »

Fand das Buch auch erst garnicht gut könnte auch daran liegen das ich es für die Schule lesen musste, hab mich dann aber durchgerungen und mit Königserläuterung neben dran  :breitgrins: gibgs auch gleich viel besser und ich muss zugeben mit der Zeit habe ich gefallen daran gefunden...also es ist wahrscheinlich wirklich ein Buch das man in einem Zug lesen sollte und nicht auf mehrere Monate aufteilen da man sonst schnell den Faden und die ust verliert  :winken:

Jari

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Re: Max Frisch - Homo faber
« Antwort #20 am: 09. Februar 2012, 19:42:36 »

Ohje, wir mussten das ja auch lesen... Ich hab das Buch gekauft und nach zwei Seiten weggelegt. Da wusste ich schon, dass ich dieses Buch nicht werde mögen werden und nach allem, was mir so davon erzählt wurde, trifft dies auch zu. Ich mag diesen Schreibstil überhaupt nicht und bin froh, dass ich mich nicht durch das ganze Buch gequält habe.
Bei der abschliessenden Prüfung habe ich übrigens eine wirklich gute Note erzielt. Ohne das Buch gelesen zu haben und ohne zu schummeln :lachen:
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kleinerHase

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Re: Max Frisch - Homo faber
« Antwort #21 am: 09. Februar 2012, 23:54:40 »

Mir gefällt besonders die sehr nüchterne technische Sprache, Walter Fabers Wahrnehmung und Beschreibung seiner Umwelt

Spannend, genau aus dem Grund hat mir dieses Buch rein gar nicht gefallen!
Haben es zwar damals auch in der Schule gelesen, aber (wie es immer meine Art war), ich habe es erst einmal am Stück gelesen, bevor ich dann mit der Klasse einzelne Abschnitte gelesen und interpretiert habe.

Ich erinnere mich nicht mal mehr komplett an den Inhalt, aber es blieb der Eindruck, dass ich es nicht mochte. Lustigerweise sagt mein Freund, der nie freiwillig Bücher liest, dass er genau dieses gut findet.  :breitgrins:
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tári

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Re: Max Frisch - Homo faber
« Antwort #22 am: 10. Februar 2012, 11:47:03 »

Homo Faber war in meiner Schulklasse eines jener Bücher, das eigentlich den meisten gefallen hat. Den Burschen tendentiell mehr als den Mädchen, aber mir hat es definitiv gefallen.
Ich musste mich zwar auch erst an die nüchterne Sprache gewöhnen und weiß noch, dass mir das damals besonders aufgefallen ist, aber genau dieser Stil macht das Buch ja aus. Immerhin ist Faber ein homo technicus und das bringt Frisch hervorragend zu Papier.

Wir haben uns dann auch noch die Verfilmung im Unterricht angesehen, aber so gut kann ich mich daran nicht mehr erinnern.
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