Andrea Maria Schenkel: Tannöd 125S. © 2006
Nachdem mir das Buch vor einiger Zeit in der Bücherei über den Weg lief, habe ich es ausgeliehen und innerhalb eines Tages gelesen. Gekauft hätte ich es nicht (zu teuer für so ein dünnes Buch).
Die Geschichte um diesen unaufgeklärten Mordfall fand ich sehr spannend. Allerdings kann ich nicht beurteilen, wieviel davon nun Frau Schenkels Fiktion ist und wieviel sie aus den Polizeiprotokollen übernommen hat. Ganz unvoreingenommen finde ich: der Aufbau des Buches ist originell und gefällt mir. Es kommen nacheinander die Nachbarn und Zeugen zu Wort, dies wechselt sich ab mit Zwischenberichten eines (unbeteiligten) Erzählers. Die Atmosphäre in dem Dorf und auf dem Hof Tannöd ist stimmig und glaubwürdig getroffen. Die eingestreuten Gebete ergaben für mich weniger Sinn.
Der Text ist sehr sparsam geschrieben. Diese Stärke des Buches ist aber gleichzeitig auch seine Schwäche, denn:
- Die Zeugenberichte der Nachbarn (meist einfache Bauern) sind im bayrischen Dialekt geschrieben. Das ist an sich auch stimmig, allerdings tauchen manchmal plötzlich Formulierungen auf, die nicht passen, weil sie für wörtliche Rede einfacher Leute zu hochgestochen sind.
- Die Textpassagen des unbeteiligten Erzählers sind uneinheitlich. Zwischen den Zeitformen wird hin- und hergesprungen. Es kommen Dialektelemente vor, aber auch hochdeutsche Sätze. Es gibt etliche Ausdrücke, die möglicherweise dialektbedingt sind, die aber, weil sie in den hochdeutschen Textteilen auftauchen, wie grammatische Fehler wirken.
Durch diese Uneinheitlichkeit wirkt der Schreibstil auf mich unausgegoren.
Dazu kommen Logikfehler:
(1) (Achtung Spoiler)
Als Datum des Auffindens der Leichen wird Dienstag der 3.4. angegeben, am Freitag dem 30.3.wurden die Bewohner Tannöds zuletzt vom Nachbarn gesehen, die Mordnacht müßte dann die Nacht 30./31.3. sein. Im zitierten Polizeiprotokoll (S. 104) wird aber die Nacht vom 18. auf den 19. 3. als Mordnacht genannt.
(2) Johann Sterzer wird vorgestellt und etwas weiter hinten dann als Mathias Sterzer bezeichnet.
Ich meine, wenn eine Geschichte so kurz ist und in so knappen Sätzen geschrieben werden soll, dann muß alles perfekt durchdacht sein, auch Kleinigkeiten sollten stimmen und jedes Wort muß absolut sitzen. Das ist hier leider nicht so.
Fazit:
Grüße,
Katja
(Edit: Formulierung verbessert)