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Autor Thema: Andrea Maria Schenkel - Tannöd  (Gelesen 3887 mal)

Saltanah

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Re: Andrea Maria Schenkel - Tannöd
« Antwort #15 am: 21. Februar 2009, 23:17:36 »

Tannöd wurde übrigens von der Svenska deckarakademin der Martin Beck Award für den besten übersetzten Krimi des letzten Jahres verliehen. Ob zu Recht, kann ich (noch?) nicht beurteilen.
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Alfa_Romea

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Antw:Andrea Maria Schenkel - Tannöd
« Antwort #16 am: 18. August 2009, 20:48:14 »

So, jetzt habe ich das Buch auch noch gelesen und meine Rezi geschrieben, bevor ich diesen Thread nochmal durchlas. Meine Meinung deckt sich mit der der meisten hier:

Inhalt:
Bayern, irgendwann in den 50er-Jahren. Auf dem abgelegenen Hof Tannöd wird die ganze Familie Danner brutal erschlagen aufgefunden. Obwohl zurückgezogen lebend und recht eigentbrötlerisch, ist im Dorf dennoch so einiges über die Familie bekannt und nachdem der Mörder nicht gefunden wurde, wird spekuliert, was und wer wohl das Ende der Danners herbeigeführt hat.

Meine Meinung:
Andrea Maria Schenkel hat mit «Tannöd» einen sehr erfolgreichen Debutroman geschrieben, den ich nicht unbeding bei den Krimis einordnen würde. Es gibt in dem Buch keine polizeilichen Ermittlungen (die sind schon abgeschlossen, da der Roman einige Zeit nach den Morden spielt), der Leser begleitet einen unbekannten Erzähler, der abwechselnd Leute aus dem Dorf und sich selber zu Wort kommen lässt. So erfährt man Stück für Stück, was auf dem Hof Tannöd geschah und auch, wieso und wo es den Danners im Oberstübchen gefehlt hat. Das Buch ist also halb Chronik, halb Charakterstudie. Somit fällt es aus dem üblichen Rahmen und vielleicht erklärt das den Erfolg. Oder die Tatsache, dass die Autorin wohl gemerkt hat, dass sie nach 125 Seiten nichts mehr zu sagen hatte und gnädigerweise auch aufhörte mit schreiben.

Mir hat die Story nicht extrem zugesagt, da ich sie zu vorhersehbar fand. Auch wenn ich nicht sicher wusste, wer der Mörder ist, so war doch klar, aus welchem Umfeld er kommen musste. Mit Überraschung zum Schluss wars für mich also nichts, entsprechend hielt sich auch die Spannung in erträglichen Grenzen. Sprachlich adaptierte die Autorin die Gegend und die Zeit ganz hervorragend, allerdings ging mir der Bergler-Groove eher auf die Nerven. Zusammen mit der nicht übermässig originellen Geschichte gibt das halt auch nur eine mittelmässige Wertung.

Fazit:
Erzählerisch gelungen, inhaltlich mittelprächtig, aber zum richtigen Zeitpunkt fertig. Wer schon immer wissen wollte, wieso «Tannöd» mal Platz 1 der Bestsellerliste belegt hat, schafft das in wenigen Stunden Lesezeit. Und es dann mir vielleicht mitteilen. Ich habs nämlich nicht herausgefunden.

6 von 10 Punkten

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IceTea

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Re: Andrea Maria Schenkel - Tannöd
« Antwort #17 am: 21. Juli 2010, 08:22:02 »

,,Tannöd" ist ein Buch das ganz nett für zwischendurch ist, mehr aber auch nicht. Von der Story ist es wenig originell und beim Lesen hatte ich nicht das Gefühl, das man dieses Buch als Krimi bezeichnen kann, dazu fehlen mir einfach zu viele krimitypische Elemente.
Des Weiteren störten mich die eingefügten Gebete, die für mich nicht unbedingt in den Kontext passten und eher wie Fülltext erschienen, und das bei gerade mal 125 Seiten!
Ich kann ebenfalls nicht verstehen, warum das Buch so hochgelobt wurde, meiner Meinung nach hätten andere Autoren es mehr verdient.
Darum vergebe ich auch nur
 2ratten

aus dem Grund das die Idee, die Geschichte mal auf eine andere Art und Weise zu erzählen mal etwas Neues war.
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Kirsten

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Re: Andrea Maria Schenkel - Tannöd
« Antwort #18 am: 12. August 2010, 10:59:12 »

Hallo!

Tannöd ist ein düsteres Buch. Die Beschreibung von Hof und Familie, die man von den Nachbarn hört bestätigen diesen Eindruck noch. Die Stimme der ermordeten Tochter Barbara dagegen zeigt, dass es noch eine weitere Facette im Leben der Familie gibt. Allerdings war mein Eindruck von ihr danach ein ganz anderer. IceTea hat recht: ein typischer Krimi ist diese Geschichte nicht, eher eine Familiengeschichte mit tragischem Ausgang. Ich gehöre auch zu denjenigen, die ein offenes Ende besser gefunden hätten denn mich hat der Täter nicht überzeugt. Die Gebete habe ich nicht als Lückenfüller gesehen, meiner Meinung nach haben sie gut zur Geschichte gepasst. Allerdings glaube ich, dass bei mehr Seiten recht schnell Langeweile aufgekommen wäre, weil es nicht wirklich viel zu erzählen gab ohne zu viel zu spekulieren.
4ratten

Liebe Grüße
Kirsten
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bücherwurmi

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Re: Andrea Maria Schenkel - Tannöd
« Antwort #19 am: 01. November 2010, 12:46:36 »

Hi,
auch ich habe das Buch in den letzten S-Bahnfahrten gelesen. Ich würde gern verschlungen sagen, aber das war es keinesfall. Es war ein Warten. Warten auf den Spannungsbogen, auf ein Ende der endlosen Wiederholungen.
Die Aufmachung des Buches mit den Unterschiedlichen Interviews und Erzählweisen fand ich sehr gut gewählt. Wirklich in ein Gespräch integriert fühlte ich mich aber nicht, dazu hätten manche Personen erneut befragt werden müssen. Weiterhin fand ich den Dialekt großartig gelungen.
Leider hat Schenkel den Figuren so wenig Platz/ Zeit gelassen hat um ihre Identität zu zeigen und ihre Charaktere zu entfalten, die Personen interagieren nur in der Vergangenheit miteinander. Sicher ist das ein stilistisches Mittel um die Anonymität und Distanz innerhalb der Gemeinde herrauszuarbeiten. Darunter leidet meiner Meinung der versuchte Spannungsbogen eben kläglich. Die Oberflächlichkeit und Abwertung, das "Nichts damit zutun haben wollen" macht mir alles sehr unsympathisch. Die wirklichen Persönlichkeiten gehen verloren, es gibt für den Leser keine Figur an die er sich hängen kann und auf deren spuren er wandert. Er steht quasi mitten im Geschehen, sieht und erfährt alles - aber fühlt nicht mit. Auch von dem Ende war ich schwer enttäuscht. Ich musste mich wirklich am Vorblättern hindern, so gespannt war ich auf das Finale. Nach unzähligen Wiederholungen des Passierten habe ich wirklich ein Feuerwerk zu Belohung erwartet.  Nichts da.
Ich finde, das Buch ist sehr gut durchdacht. Schenkel hat ein neues Konzept das begeistert. Sie nutzt Dialekte um Orte und Umgebung zu beschreiben und untermalt durch Sprache das Bild der sozialen Beziehungen innerhalb der Dorfler. Die Charaktere kennen die Geheimnisse, jedoch aber die Menschen dahinter nicht -  eine weitere Untermalung der Isolationen innerhalb des Dorfes. Schenkel war sehr darauf bedacht eine bestimmte Stimmung zum Ausdruck zu bringen, hat dabei aber das Gefühl im Leser außer Acht gelassen. Somit wirkt die Geschichte zwar umso realer und bodenständig, kann als gutes Lesefutter aber nicht überzeugen -  eben ein Paradebeispiel für den Oberstufen-Deutschunterricht: viel zu analysieren und auszugraben.


Sonstige Informationen

EDIT: Modereklamelink entfernt. LG, Saltanah
« Letzte Änderung: 16. November 2010, 12:07:41 von Saltanah »
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