So, jetzt habe ich das Buch auch noch gelesen und meine Rezi geschrieben, bevor ich diesen Thread nochmal durchlas. Meine Meinung deckt sich mit der der meisten hier:
Inhalt:
Bayern, irgendwann in den 50er-Jahren. Auf dem abgelegenen Hof Tannöd wird die ganze Familie Danner brutal erschlagen aufgefunden. Obwohl zurückgezogen lebend und recht eigentbrötlerisch, ist im Dorf dennoch so einiges über die Familie bekannt und nachdem der Mörder nicht gefunden wurde, wird spekuliert, was und wer wohl das Ende der Danners herbeigeführt hat.
Meine Meinung:
Andrea Maria Schenkel hat mit «Tannöd» einen sehr erfolgreichen Debutroman geschrieben, den ich nicht unbeding bei den Krimis einordnen würde. Es gibt in dem Buch keine polizeilichen Ermittlungen (die sind schon abgeschlossen, da der Roman einige Zeit nach den Morden spielt), der Leser begleitet einen unbekannten Erzähler, der abwechselnd Leute aus dem Dorf und sich selber zu Wort kommen lässt. So erfährt man Stück für Stück, was auf dem Hof Tannöd geschah und auch, wieso und wo es den Danners im Oberstübchen gefehlt hat. Das Buch ist also halb Chronik, halb Charakterstudie. Somit fällt es aus dem üblichen Rahmen und vielleicht erklärt das den Erfolg. Oder die Tatsache, dass die Autorin wohl gemerkt hat, dass sie nach 125 Seiten nichts mehr zu sagen hatte und gnädigerweise auch aufhörte mit schreiben.
Mir hat die Story nicht extrem zugesagt, da ich sie zu vorhersehbar fand. Auch wenn ich nicht sicher wusste, wer der Mörder ist, so war doch klar, aus welchem Umfeld er kommen musste. Mit Überraschung zum Schluss wars für mich also nichts, entsprechend hielt sich auch die Spannung in erträglichen Grenzen. Sprachlich adaptierte die Autorin die Gegend und die Zeit ganz hervorragend, allerdings ging mir der Bergler-Groove eher auf die Nerven. Zusammen mit der nicht übermässig originellen Geschichte gibt das halt auch nur eine mittelmässige Wertung.
Fazit:
Erzählerisch gelungen, inhaltlich mittelprächtig, aber zum richtigen Zeitpunkt fertig. Wer schon immer wissen wollte, wieso «Tannöd» mal Platz 1 der Bestsellerliste belegt hat, schafft das in wenigen Stunden Lesezeit. Und es dann mir vielleicht mitteilen. Ich habs nämlich nicht herausgefunden.
6 von 10 Punkten