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Autor Thema: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres  (Gelesen 5485 mal)

Geli

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #15 am: 14. April 2008, 12:29:55 »

Dafür hätte ich dann bitte gerne einen handfesten Beleg:breitgrins:
Den kann ich selbstverständlich nicht liefern. Mag sein, dass es eine Erfindung ist, um das Mittelalter zu verteufeln und den Leuten zu erzählen, dass früher alles schlimmer war.
Es war ursprüngliche eine von mehreren verleumderischen Vorwürfen, mit denen die bürgerlichen Vertreter der Französischen Aufklärung in Flugschriften gegen den adligen Feudalismus kämpften. Man nannte diese erfundenen Zustände später immer öfter "mittelalterlich". ;-)

Zitat
Aber ich zitiere hier, was Falcones zum ius primae noctis im Nachwort schreibt:
Zitat
Das Ius primae noctis, das Recht der ersten Nacht, war tatsächlich Bestandteil der Rechte, welche die Usatges, das katalanische Rechtsbuch, den Grundherrn über ihre Leibeigenen zuerkannten. Diese Herrenrechte aus dem alten Katalonien führten zu ständigen Konflikten zwischen den Bauern und ihren Herren, bis sie schliesslich 1486 im Urteil von Guadalupe endgültig abgeschafft wurden (...)
Was im Usatges (engl. Online-version) steht, ist folgendes:
Zitat
85. If anyone violently rapes a virgin, either let him marry her if she and her parents are willing and let them give her dowry to him or let him give her a husband equal to his rank. If one violently ravishes a women who is not a virgin and makes her pregnant, let him do the same.
Das bedeutet, das Opfer durfte nicht gegen seinen Willen verheiratet werden (übrigens eine Errungenschaft, die auf die Bedingung des Konsens unter den Ehepartnern für das Zustandekommen einer Ehe zurückgeht, und der ist genuin christlich und von "der Kirche" gegen die germanische Sitte durchgesetzt worden, nach der ausschliesslich der Vater oder Vormund bestimmte, wen die Tochter heiraten musste/durfte!). Es ging in dieser Regelung darum, die Ehre des Mädchens und seiner Familie wiederherzustellen, nicht um Geld! Eine Entschädigung durch Geld oder Güter hätte das Mädchen zur Prostituierten gestempelt!

Weiter steht da:
Zitat
87. Likewise concerning the possessions and property of adulteresses if the adultery is committed against the husband’s will, let them and their lords have equal portions of all the adulterous wives’ property. But if, God forbid!, this adultery is committed with the will, order, or assent of the husbands, let their lords have full right and jurisdiction in such cases.

88. However, if the women do not carry this out by their free will but from the fear or order of their husbands, let them be exempt from the actions of their husbands and their husbands’ lords and not subject to the loss of any of their own property. And if these same women desire it, they may separate from their husbands and yet nevertheless let them not lose their dowry or wedding gift.

89 Husbands can accuse their wives of adultery or even of the suspicion of it and then they must clear themselves by their affirmation on oath and by judicial battle if there are clear indications and evident signs in these. Moreover, wives of knights should do so by oath and likewise by judicial battle between knights. Wives of townsmen and burghers and noble bailiffs, by judicial battle between foot champions. Wives of peasants, by their own hands through the ordeal of boiling water. If the wife is victorious, let her husband honorably keep her and make compensation to her for all expenses which her retainers have incurred in this suit and judicial battle. But if she was defeated, let her come into the custody of her husband with everything she has.
Ansonsten gibt es keine weiteren Hinweise im gesamten Text zum Thema "Jungfrau", "Mädchen", "Braut", "Hochzeit". Ergo: In den Usatges de Barcelona steht nichts von einem "ius primae noctis".

Wenn man die Gesetze zusammenfasst, dann bedeutet das, dass im Falle des unfreiwilligen/Gewaltsamen Beischlafs mit einer verheirateten Frau (also auch einer Braut!) eine Entschädigung zu erfolgen hatte, die auch so aussehen konnte, dass die Frau sich von ihrem Mann trennen und einen Ehemann von Rang des Täters fordern konnte. Das heißt, wenn eine Leibeigene von ihrem Grundherrn missbraucht wurde, konnte sie dadurch sogar in den Adel aufsteigen! Und weil das sicherlich nicht gewollt war, verhinderten diese Gesetze geradezu den Missbrauch Abhängiger. ;-)

Seit 1462 gab es Unruhen unter den Leibeigenen Katalaniens (Guerra dels remences), die erst 1486 beigelegt werden konnten. Damals wehrten sich die Leibeigenen dagegen, dass die Adligen sie durch immer schärfere Abgaben und Strafen an die Scholle binden wollten. Seit dem 13c fand nämlich Landflucht statt und als im 14/15c die Seuchen ("Pest") und eine Klimaverschlechterung dazukamen, war die Getreideversorgung nicht mehr sicher. Also hielt man die Bauern auf dem Land fest. Das führte dann wohl auch zu Übergriffen. Aber gesetzlich legitimiert waren diese angeblichen "Herrenrechte" nie und nirgends!!!!

Es lässt sich leicht erklären: in den Sitten der germanischen Völker gilt (wegen der männlichen Erblinie) der außereheliche Verkehr der Frau als eine der schwersten Schanden, die einer Familie zustoßen kann. Es wäre also ein extremer Verstoß gegen das Rechtsverständnis dieser Menschen und eine ganz üble Form von Willkür, wenn Herren die Frauen und Töchter ihrer Untergebenen geschändet hätten. Das mag durchaus vorgekommen sein, aber es war eine Straftat. Ein Adliger hätte ein unverheiratetes Mädchen oder Frau nach den Gesetzen im Usatges dann selbst heiraten oder ihr einen adligen (!) Ehemann verschaffen müssen. Oder im Falle einer verheirateten Frau für entsprechende Wiederherstellung ihrer Ehre sorgen müssen. Eine Braut, die in der Hochzeitsnacht von ihrem Herrn missbraucht worden wäre, hätte ihren Mann verlassen können und ihre Familie hätte vom Täter das Recht auf eine Verheiratung mit ihm oder einem seinem Stand entsprechenden Mann erzwingen können. Das war damals kodifiziertes Recht, das man auch als Leibeigener einfordern könnte. Wer behauptet, dass das doch nur Papier gewesen sei, entwertet damit jede schriftliche Fixierung von Gesetzen als sinnlos.
Außerdem fand der Aufstand wegen drückender Abgaben und unrechtmäßiger Übergriffe fast 150 Jahre nach dem Beginn der Handlung statt. Und allein schon der gesunde Menschenverstand sagt, dass Menschen sich nicht sechs Generationen lang dermaßen auf der Nase herumtanzen lassen. Das  "Argument", die hätte sich nicht getraut oder hätten nicht gekonnt, ist vorgeschoben und historisch nachweislich grober Unfug! Dann ist nämlich jede Verschriftlichung von Recht und Gesetz schon immer sinnlos gewesen. Warum hätte man das denn dann tun sollen?
Andererseits waren Behauptungen über unrechtmäßige (und am liebsten s.e.x.uelle!) Übergriffe von Grundherren immer einen sehr wirkungsvolle Methode, Menschen aufzuwiegeln. In den deutschen Bauernkriegen, denen Propagandakriege mit Flugblättern vorausgingen, war das genauso und man kann nicht alles für bare Münze nehmen, was in diesen Flugblättern stand!
Wenn Falcones behauptet, das "ius primae noctis" hätte es damals in Katalanien gegeben, dann ist diese Behauptung schlichtweg eine Geschichtsfälschung.

Zitat
Andrerseits waren Frauen eben auch weit weg davon, gleichberechtigt zu sein.
Männer auch! :-D
Die Gesellschaften funktionierten anders, die Menschen dachten ganz anders über sich und die Welt, auch "Gelcihberechtigung" wurde ganz anders wahrgenommen und ich finde es immer wieder äußerst arrogant, wenn wir heutigen "Erstweltler" uns für die Fortschrittlichsten halten.

Ich hab mich 2205 3 Monate in Indien aufgehalten. Die Menschen leben zT in bitterstem Elend und der "Boom" kommt nur ganz ganz wenigenzu gute!!! In Zentral Indien, das einmal eine Kornkammer war, geht alles zugrunde, gerade weil man die armen Bauern mit gentechnisch verändertem Saatgut große Hoffnungen gemacht hat. Ich könnte dir viele Geschichten erzählen, wie der globale Kapitalismus auch und vor allem die Dritte Welt und die Schwellenländer Kaputt macht, und überall bleiben nur ein paar Reiche, die die letzten Paradiese ausbeuten -- das ist unsere moderne Welt!
Als wir wieder in Frankfurt gelandet sind und mit der Bahn in die Stadt gefahren sind, war ich total schockiert: In Indien bin ich auf Menschen getroffen, die in ihrer scheinbar rückständigen Welt bei aller Armut fröhlich waren, liebenswürdig, höflich, offen. Die haben uns immer wieder beschämt mit ihrer Liebenswürdigkeit. Dann kamen wir nach Deutschland zurück und begegneten kalten, verschlossenen genervten Gesichtern.
Ich möcht wirklich nichts idealisieren, aber diese Erfahrung fand ich schockierend! :-(
Wir sollten mal drüber nachdenken, ob unser Hang, die Vergangenheit immer als eine brutalere, schrecklichere, rückständigere, dümmere Form der Gegenwart hinzustellen nicht bloss eine Krücke ist, damit wir uns überhaupt noch wohlfühlen in unserem goldenen Käfig. ;-)
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Alfa_Romea

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #16 am: 14. April 2008, 15:09:06 »

Hi Geli

Erstmal vielen Dank für deine ausführliche und sehr interessante Antwort! Deine Argumentation zeigt, dass offenbar immer noch gerne Unfug mit historischen Tatsachen betrieben wird - so nach dem Motto "Das prüft eh keiner nach und es klingt gut." Schade...

Die Gesellschaften funktionierten anders, die Menschen dachten ganz anders über sich und die Welt, auch "Gelcihberechtigung" wurde ganz anders wahrgenommen und ich finde es immer wieder äußerst arrogant, wenn wir heutigen "Erstweltler" uns für die Fortschrittlichsten halten.

Naja, ein Blick auf unseren Wohlstand (Ernährungssituation, Gesundheitswesen, "freie Gesellschaft" in dem Sinne, dass auch der Sohn eines Bauarbeiters Professor werden kann) scheint uns zumindest auf den ersten Blick recht zu geben.

Es ist klar, dass in unserer Gesellschaft auch vieles schief läuft und dass ein Teil unseres Wohlstandes auf die Ausbeutung anderer Völker (Kolonialisierung) zurückgeht. Jede Epoche hat ihr Für und Wider, Fortschritt gab es zu jeder Zeit und ich bin weit weg davon, die mittelalterliche Bevölkerung als rückständig zu bezeichnen. Es war damals halt einfach anders und gewisse Dinge, die in früheren Jahrhunderten gang und gäbe waren, sind heute undenkbar. Und deshalb bin ich aus heutiger Sicht auch froh, dass ich ein Kind des 20./21. Jahrhunderts bin. Nicht, weil unser Jahrhundert das beste aller Zeiten wäre, sondern weil ich mich daran gewöhnt habe und mit dieser Gesellschaft am besten klar komme - inklusiver aller Mängel, die sie (wie jede andere Gesellschaft auch) aufweist.

Ich hab mich 2205 3 Monate in Indien aufgehalten. Die Menschen leben zT in bitterstem Elend und der "Boom" kommt nur ganz ganz wenigenzu gute!!! In Zentral Indien, das einmal eine Kornkammer war, geht alles zugrunde, gerade weil man die armen Bauern mit gentechnisch verändertem Saatgut große Hoffnungen gemacht hat. Ich könnte dir viele Geschichten erzählen, wie der globale Kapitalismus auch und vor allem die Dritte Welt und die Schwellenländer Kaputt macht, und überall bleiben nur ein paar Reiche, die die letzten Paradiese ausbeuten -- das ist unsere moderne Welt!

Ich weiss, ich weiss... Aber diese Diskussion würde hier jetzt zu weit führen und auch nicht viel bringen. Ein Patentrezept habe ich leider auch nicht  :sauer:

Lieber Gruss

Alfa Romea
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Geli

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #17 am: 14. April 2008, 15:52:50 »

Hi Alfa Romea!

Und deshalb bin ich aus heutiger Sicht auch froh, dass ich ein Kind des 20./21. Jahrhunderts bin. Nicht, weil unser Jahrhundert das beste aller Zeiten wäre, sondern weil ich mich daran gewöhnt habe und mit dieser Gesellschaft am besten klar komme - inklusiver aller Mängel, die sie (wie jede andere Gesellschaft auch) aufweist.
Diese Sichtweise finde ich auch völlig in Ordnung, die teile ich auch. Nach der Zeit in Indien wusste ich, dass ich da aus verschiedenen Gründen nicht glücklich werden würde und war froh, dass mein Mann sich nicht entschieden hat, länger dort zu arbeiten. Man kann auf eine Menge Luxus verzichten, der ist gar nicht so wichtig wie man denkt. Aber über solches Elend und Unrecht hinwegsehen wie es dort gibt, das kann ich auf Dauer einfach nicht.

Was diese Knallerthesen in historischen Romanen angeht: Das gibts ja leider auch genauso im Sachbuch. Man nimmt einen Vorwurf, der durch diese Kampfschriften entstanden ist und projiziert ihn einfach ein paar Jahrhunderte zurück. Behauptet also, weil die Geschichte sich immer zum besseren entwickelt, muss das gestimmt haben und davor noch viel schlimmer gewesen sein. ZB bei der Hexenverfolgung, die es im MA gar nicht gab, von der aber immer wieder behauptet wird, dass sie während des MA besonders schlimm gewesen sei. Die These, alles entwickele sich immer zum besseren, stimmt aber nicht, weils ja auch vor dem Dreissigjährigen Krieg nicht schlimmer zugegangen ist als während des Dreissigjährigen Krieges, und in der Weimarer Republik, also vor dem Dritten Reich nicht schlimmer als während der Nazizeit. ;-)

Aber wenn Leute sich an solchen dummen Thesen festgebissen haben, kriegt man sie nicht davon ab. :-( :rollen:
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Thanquola

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #18 am: 21. Mai 2008, 18:28:14 »

Das ist ja eine sehr interessante Diskussion, die ihr hier führt. Vielen Dank, Geli, für deine ausführlichen Erläuterungen. Für den normalen Leser sind solche Dinge leider schwer einzuschätzen. Ich nehme in historischen Romanen zwar auch nicht alles für bare Münze, aber wenn es schon ein Nachwort gibt, erwarte ich natürlich, dass das dann auch so stimmt. Offensichtlich war ich bisher zu naiv, aber eigentlich sollte man sich ja nicht darüber wundern. Ich finde das schon ein bisschen enttäuschend.

Das Buch selbst habe ich nach 200 Seiten abgebrochen. Den Anfang fand ich noch sehr dramatisch (auch wenn das mit dem "Ius primae noctis" nicht so ganz der Wahrheit entspricht  :zwinker: ), Bernat als Person interessant. So wie jedoch Arnau und Joan erwachsen wurden, ging der Geschichte die Luft aus und wurde für mich immer uninteressanter. Beim Querlesen hatte ich außerdem das Gefühl, dass die Ereignisse immer unwahrscheinlicher werden.

Nach reiflicher Überlegung habe ich das Buch abgebrochen. Dabei finde ich es gar nicht wirklich schlecht (rattenmäßig würde ich für die ersten 200 Seiten 3 Ratten vergeben), aber irgendetwas fehlt mir. Fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass ich das Buch nur geliehen hatte und es andernfalls bestimmt zu Ende gelesen hätte. Ich bin aber offen gesagt, froh drum, dass ich mich jetzt wieder anderen Dingen widmen kann.
« Letzte Änderung: 21. Mai 2008, 18:30:36 von Thanquola »
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nimue

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #19 am: 29. Mai 2008, 08:20:58 »

Hallo ihr Lieben,

ich höre gerade das Hörbuch und bin etwas traurig, dass ich durch den Thread, den ich interessehalber lesen wollte, schon ordentlich durchgespoilert wurde :sauer:
Einen Satz habe ich mal als Spoiler markiert - da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Aber mehr werde ich jetzt hier nicht mitlesen. Achtet ihr bitte ein bisschen auf die Spoilermarkierungen?  :winken:

Liebe Grüße
nimue
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Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an. (Leo Tolstoi)

Mira

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #20 am: 05. November 2008, 19:30:44 »

Das Buch hat mich schon beim Erscheinen neugierig gemacht, allerdings war mir der Preis einfach zu hoch. Jetzt habe ich es aus der Bücherei ausgeliehen und bin sehr gespannt drauf, auch weil es so unterschiedliche Meinungen gibt. Aber da ich nächstes Jahr nach Barcelona fahre, muss ich das Buch auf jeden Fall noch lesen  :zwinker:. Auf der Zugfahrt habe ich schon den ersten Teil gelesen, der Schreibstil gefällt mir recht gut, in die Geschichte musste ich erst hineinkommen. Leider ist es für meine Zugfahrten nicht so sehr geeignet (jetzt habe ich neben "Quicksilver" zwei dicke Lesebrocken für zuhause  :rollen:).

Ach übrigens finde ich eure Diskussion sehr interessant. Momentan habe ich auch ein Seminar über spanische Landeskunde und Kulturwissenschaft, da komme ich richtig in Stimmung  :breitgrins:
« Letzte Änderung: 05. November 2008, 19:33:20 von Mira »
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Doris

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #21 am: 05. November 2008, 22:38:29 »

Den Anfang dieses Threads habe ich noch ausgespart, damit mich die Spoiler nicht um das letzte bisschen Spannung bringen. Ich lese mich gerade durch die erste Hälfte und bin ziemlich enttäuscht bzw. verwundert, wie es dieses Buch zum Bestseller geschafft hat. Stilistisch gehört es in die einfachste Kategorie, teilweise liest es sich sogar wie ein Kinderbuch. Inhaltlich ist es auch eher ein Flop, denn es fehlt gewaltig an Tiefgang, und dieses ständige plumpe Drücken auf die Tränendrüse nervt.

Da noch einige lang erwartete Bücher auf mich warten, weiß ich wirklich nicht, ob ich meine Zeit an diesen Roman vergeuden soll.

Grüße
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Lucius Annaeus Seneca

Doris

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #22 am: 09. November 2008, 22:37:58 »

Endlich bin ich durch. Leider wurde es nicht mehr besser, sondern eher noch schlimmer. Unglaublich, was Arnau alles passiert. Kaum hat er ein Desaster halbwegs verdaut, wartet schon der nächste Schicksalsschlag auf ihn. Falcones bietet alles auf, was man sich nur vorstellen kann und überschreitet für meinen Geschmack die Grenze des Erträglichen. Lediglich bei Arnaus beruflicher Laufbahn klappt alles wie am Schnürchen, es fällt ihm geradezu in den Schoß. Das war schon ein bissl arg dick aufgetragen.

Auch die Art, wie Falcones die Begebenheiten erzählt, gefällt mir nicht besonders. Fast episodenhaft werden die Schwierigkeiten für Arnau konstruiert und abgehandelt, während der Showdown ellenlang ausgewalz wird. Bei einer Passage hatte ich gar den Eindruck, als wäre die erforderliche Einleitung dazu nachträglich lustlos in den Text eingefügt worden; das passte irgendwie überhaupt nicht dazu.

Meins war das Buch definitiv nicht. Immerhin hat es der Autor geschafft, mich neugierig zu machen, was dem Protagonisten noch alles widerfährt. Ich vergebe
2ratten,
aber wenn ich oben lese, dass man nicht alle erwähnten historischen Bräuche für bare Münze nehmen sollte, bin ich fast versucht, noch eine Ratte abzuziehen  :zwinker:.

Grüße
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mohan

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #23 am: 12. November 2008, 08:51:14 »

Guten Morgen,

eine sehr interessante Diskussion, die Ihr hier führt. Da hat das Buch doch mehr bewirkt als viele andere. Unter anderem, ganz am Rande, dass ich es gerade lese, weshalb ich natürlich noch nicht viel dazu sagen kann. Eine Frage aber habe ich zur Diskussion: Warum wurden diese Rechtsvorschriften, über die Ihr, teils das akkurate Vorgehen Falcones bezweifelnd, diskutiert, überhaupt erlassen? Vielleicht sind all diese unschönen Dinge ja tatsächlich geschehen, weshalb sich dieses kodifizierte Recht irgendwann durchsetzte. Dann würde sich vielleicht nur noch die Frage stellen, ob Falcones Roman vor diesem Zeitpunkt spielt, womit er "gerettet" wäre.

Grüße, mohan
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HoldenCaulfield

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #24 am: 31. März 2009, 19:53:16 »

Alpha, du weißt schon das du jetzt schuld bist wenn ich das Buch lese :breitgrins: Den Titel selbst find ich ja nich so toll aber der Inhalt spricht mich sehr an! Danke für diese Informative Rezi!

So ich hab es mir letzte Woche gekauft  :pueh:

Ich finds übrigens bisher ganz toll  :breitgrins:

Ich hab es ja auf englisch gekauft und finde man kann es recht gut verstehen. Da ich ja mittlerweile auch recht regelmäßig zu englisch sprachigem greife, merke ich schon das ich viel weniger Verständisschwierigkeiten habe, als ich sie vielleicht noch vor zwei oder drei Jahren gehabt hätte. Ich finde es ist spannend geschrieben und ich habe jede Menge Bilder im Kopf.

Spanien ist ja im Normalfall ein Handlungsort der bei mir kaum im Bücherregal landet. Daher gehe ich hier einmal ganz andere Wege. Das Barcelona des 14. Jahrhunderts ist bisher jedenfalls sehr faszinierend. Ich bin schon sehr gespannt darauf weiter zu lesen, ab morgen hab ich dann endlich wieder richtig viel Zeit dazu! (Dann ist meine letzte schriftliche Abiprüfung geschrieben^^)

Grüße
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Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

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Mira

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #25 am: 09. April 2009, 19:21:13 »

Ich habe das Buch erst mal auf Eis gelegt. Ich hatte einfach zu wenig Zeit und so gefesselt hatte es mich nicht, allerdings war es auch nicht so schlecht, dass ich es nicht mehr weiter lesen würde. Da es aber von der Bib war, ging es erst mal wieder zurück. Wahrscheinlich lese ich es nach meinem Spanien-Aufenthalt nochmals.
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HoldenCaulfield

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #26 am: 11. April 2009, 19:09:59 »

Ich dagegen bin momentan jetzt so richtig in der Geschichte drin, weil ich endlich mal Zeit hatte länger als eine Halbe Stunde am Stück darin zu lesen. Es gefällt mir immer noch ziemlich gut! Ich fühle mich jedenfalls gut unterhalten und finde das Buch baut schön Spannung auf. Ich finde aber auch das Arnau ein paar Sachen dann doch etwas schnell und einfach in den Schoß fallen, das macht das Ganze ein klein wenig unglaubwürdig... aber gerade das Zwischenmenschliche finde ich gut beschrieben.
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Ich lese aber dennoch gerne weiter! Da ich Historische Romane nicht mit dem Anspruch lese das alles immer 100% stimmt, bin ich in dem Fall soweit, nach dem ich auch hier die Meinungen gelesen habe, mich einfach unterhalten zu lassen^^ Das schafft der Roman für mich jedenfalls sehr gut.
« Letzte Änderung: 11. April 2009, 19:15:51 von HoldenCaulfield »
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HoldenCaulfield

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #27 am: 12. April 2009, 19:17:24 »

So ich bin jetzt damit fertig!

Mein Fazit:

Meine Meinung:
Ich habe diesen Roman auf englisch gelesen und finde man kann es recht gut verstehen, vor allem wenn man hin und wieder auch zu englischsprachiger Lektüre greift.
Spanien ist ja im Normalfall ein Handlungsort der bei mir kaum im Bücherregal landet. Daher ging ich hier einmal ganz andere Wege. Das Barcelona des 14. Jahrhunderts fand ich  jedenfalls sehr faszinierend und ich fand auch dass das Buch eine schöne Athmosphäre dieser Zeit aufbaut.

Die Kathedrale, derren Titel dieser Roman trägt, ist eigentlich eher Beiwerk, oder besser gesagt der Dreh und Angelpunkt der Geschichte. Arnaus ganzes Leben ist eng mit dieser Kirche verbunden und eine Art feste Konstante für ihn. Mir hat das gut gefallen weil es irgendwie die Geschichte zusammenhielt.

Die Figuren mochte ich alle recht gerne, weil sie sehr lebendig beschrieben werden. Arnau wurde einem schon recht früh sehr nahe gebracht und auch Joan sein Adoptivbruder ist eine wichtige Figur. Seine Entwicklung hat mich allerdings sehr erschüttert.
Alles in allem besitzt Falcones wie ich finde ein gutes Händchen für zwischenmenschliche Beziehungen. Die Figuren handeln recht nachvollziehbar, ihre Gefühle und Gedanken werden realistisch geschildert.

Der Roman wird über mehrere Jahrzehnte erzählt, das ist ja immer etwas schwierig, da man als Autor beim Erzählen bedenken muss das die Jahre vergangen sind. Dies realistisch darzustellen gelingt dem Autor meiner Meinung nach nicht immer so ganz. Zuweilen rutscht er doch schon in eine etwas Episodenhafte Erzählung ab.

Auf jedenfall ist Die Kathedrale des Meeres  Roman den man gut und gerne zur Unterhaltung lesen kann. Ich finde er war Spannend, vor allem das Ende konnte mich ziemlich fesseln, ich mochte die meisten Figuren, sogar die "Bösen" und ich fand auch das eine gute Athmosphäre aufgebaut wurde.

Schade finde ich das hier mal wieder Geschichte ein wenig gebogen wird, da ich aber hier kein Hintergrundwissen habe, kann ich natürlich nicht genau sagen, wo hier nun künstlerische Freiheit eine Rolle gespielt hat und wo tatsächlich historisch korrektes geschildert wurde. Aber durch die Disskusion hier wurde ja das ein oder andere Angesprochen. Ich mochte den Roman jedenfalls gerne und konnte darin eintauchen.

Dennoch gab es schon ein paar Dinge die ich übertrieben fand. Gerade Arnaus Leben verläuft in vielen Fällen etwas zu geradlinig. Trotz der vielen Schicksalsschläge rappelt er sich sehr schnell auf und im Grunde trifft es ihn dann am Ende kaum weil er immer und immer wieder Glück hat. Das war mir manchmal etwas zu viel des Guten. Auch die ein oder andere Wendung war doch schon arg vorraussehbar bzw. konstruiert.  Aber, mir gefiel der Roman irgendwie ausgesprochen gut und ich vergebe:

4ratten
« Letzte Änderung: 12. April 2009, 19:27:53 von HoldenCaulfield »
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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #28 am: 15. Mai 2010, 12:40:33 »

Ich fand das Buch durchschnittlich und nicht gut genug für einige der Lobeshymnen, die ich darüber gehört und gelesen habe.

In wie fern die Beschreibungen der historischen Realität entsprechen (oder auch nicht) wurde weiter oben bereits diskutiert. Das würde mich auch hauptsächlich stören, wenn es offensichtlich wäre, das reine Tradieren der genreüblichen Klischees ist nicht so schlimm, aber wenn einem etwas komisch vorkommt, ohne dass ein Abschluss in spanischer Geschichte dahinter steht gefällt mir das schon weniger. Einige Kleinigkeiten erschienen mir nämlich ziemlich unrealistisch, z.B. dass der kleine Arnau zwar Lesen und Schreiben und auch das Ave Maria gelernt hat, aber anscheinend nicht wirklich weiß wer die Jungfrau Maria ist und welche Bedeutung sie hat. Auch seine Körperkräfte als Kind bzw. Jugendlicher erscheinen mir etwas übertrieben dargestellt

Den Titel empfinde ich auch ein wenig als Etikettenschwindel, damit wurde versucht das Buch in die Nähe von Folletts Bestseller zu rücken, ohne dass in Wirklichkeit irgendeine Kathedrale eine wirkliche Rolle spielte.

Insgesamt ein ordentlicher historischer Roman, aber nicht das herausragende Werk als das er manchmal dargestellt wird.

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Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

Tammy1982

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Re: Ildefonso Falcones - Die Kathedrale des Meeres
« Antwort #29 am: 23. Februar 2011, 10:36:45 »

Hallo Ihr Lieben,

nachdem dieses Buch bereits seit Jahren auf meinem SUB schlummert, habe ich es jetzt doch endlich zur Hand genommen und bin schon nach kurzer Zeit mit mehr als der Hälfte durch!
Ich habe hier so ein bisschen die geschichtlichen Diskussionen von euch gelesen und finde das ja sehr spannend, aber irgendwie auch beruhigend, dass die Schändung der Braut in der Hochzeitsnacht wohl doch eher der Fantasie des Autors entspringt und nicht der Realität. Egal, wie es ist, bin ich doch froh, dass so was nicht der Normalzustand war!  :rollen:

Insgesamt liest sich das Buch weg wie nichts und ich kann es mittlerweile teilweise gar nicht aus der Hand legen. Mit Ken Follet würde ich den Autor auf keinen Fall vergleichen, da Hr. Falcones für mich doch vieles viel kürzer fasst, was ich sehr gut finde.
Die Hauptfigur Arnau mag ich sehr gerne. Ob sein Schicksal realistisch ist oder nicht, stört mich jetzt nicht so. Ich finde es auf jeden Fall sehr spannend und ich bin dankbar, dass ihm nicht nur Schlechtes widerfährt, sondern es auch positive Phasen gibt. Ich lese ja ein Buch zur Entspannung und finde durchwegs negative Handlungen sehr anstrengend. Realistisch hin oder her, es muss ja auch mal froh machen.

Was mir sehr gut gefällt, dass der Autor es bei mir schafft, dass ich auch wirklich richtig mitfiebere. Ich leide mit Arnau, ich freue mich mit ihm und musste schon öfters ein paar Tränen wegdrücken oder teilweise sogar fast laut auflachen!

Der Name des Buches hat sich für mich bis jetzt auch sehr bewährt, da ja doch zumindest eine Kirche eine sehr große Rolle im Leben von Arnau spielt!

Interessant für mich ist auch, etwas mehr über Barcelona und Spanien zu erfahren. Bis jetzt habe ich eher weniger Literatur gelesen, die in Spanien spielt. Von daher ist das alles sehr spannend und ich finde es gut, dass der Autor sich in seinen Ausführungen doch immer angenehm kurz hält.

Alles in allem gefällt mir das Buch bis jetzt sehr gut und ich denke ich werde es relativ schnell zu Ende gelesen haben!  :breitgrins:

Liebe Grüße
Tammy  :winken:
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"Jeder der sich die Fähigkeit erhält, Schönheit zu erkennen, wird nie alt werden." (Franz Kafka)