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Autor Thema: Neil Gaiman - American Gods  (Gelesen 1894 mal)

Twilight

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Neil Gaiman - American Gods
« am: 14. Januar 2008, 23:38:36 »



Obwohl es erst zwei Wochen alt ist, steht das erste Lesehighlight für das Jahr 2008 hiermit schon fest: Diese phantastische (im doppelten Wortsinn) Geschichte hat mich amüsiert und berührt gleichermaßen, hat mich auch mal verwirrt und meine Allgemeinbildung auf die Probe gestellt, und vor allem hat sie mich prächtig unterhalten.

Shadow, ein junger Mann ohne viel Vergangenheit, wird nach dreijähriger Haftstrafe vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, weil seine Frau bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Schnell muss er feststellen, dass in seiner Heimatstadt keine Zukunft auf ihn wartet - der versprochene Job steht nicht zur Verfügung, bei der Beerdigung wird er scheel angesehen. So fällt es ihm nicht schwer anzunehmen, als er auf seiner Reise von einem älteren Herrn einen Job als Leibwächter und “Mädchen für Alles” angeboten bekommt.

Schnell merkt er jedoch, dass mit seinem Boss, der sich nur als “Wednesday” vorgestellt hat, irgendwas nicht stimmen kann. Sie treffen mehr als merkwürdige Leute, die Wednesday offensichtlich zu einem Treffen der besonderen Art überreden will. Es scheint ein Konflikt im Anzug zu sein, doch warum und zwischen wem ist Shadow lange nicht klar. Erst als Wednesday sich als der nordische Göttervater Odin offenbart, der im Zuge der Besiedelung Nordamerikas durch die Wikinger ins Land kam, begreift Shadow, was auf ihn zukommt: Die in den USA heimischen Pantheons aus aller Herren Länder müssen einen Krieg gegen die “neuen Götter” des Internets, der Kreditkarte und anderer neumodischen Erscheinungen führen, um ihr Überleben zu sichern.

Wie in einem Roadmovie führt die Reise quer durch die USA, um die oft schon geschwächten, frustrierten, längst nicht mehr ausreichend verehrten Götterscharen zu einem gemeinsamen Einsatz zu bewegen. Auch Shadow setzt mehr als einmal sein Leben aufs Spiel, um dieses Ziel zu erreichen - nur um am Ende zu erfahren, dass er doch nur Spielball von unberechenbaren Kräften war. Bei der Lektüre dieses Buches ist es ratsam, entweder ein umfangreiches Kompendium über internationale Mythologie oder wenigstens einen Link zur Wikipedia griffbereit zu haben - auf jeder zweiten Seite trifft man auf Charaktere, die zwar für sich schon bemerkenswert und interessant genug sind, mit dem Wissen über ihren religiösen und kulturellen Hintergrund aber noch einiges an Tiefe gewinnen. Gaiman lässt dabei kaum eine Weltgegend aus, um einen wahrhaft bunt gemischten Stab an Handlungsträgern zusammenzustellen.

Ist die Idee hinter dieser Geschichte - die USA von heute, bevölkert von Sagengestalten aus uralten Zeiten - schon ungewöhnlich genug, so ist die Ausführung des Plots doch mindestens ebenso gut gelungen. Shadows Sicht der Dinge, die das “Große Ganze” hinter seinem Job erst langsam erkennt, seine ganz handfesten Abenteuer und die seltsamen Begegnungen, die er macht, lassen die Spannung nie wirklich abflauen. Die Götter sind gleichzeitig so geheimnisvoll und dennoch in der Gegenwart “geerdet”, dass man sie einfach gern gewinnen muss; selbst die Erzbösewichte sind so vielschichtig und interessant gezeichnet, dass auch ihre Handlungen letztendlich plausibel erscheinen.

Auch die phantastischen Elemente dieses Romans, die wesentliche Teile der Handlung ausmachen, wirken nie aufgesetzt oder aus der Luft gegriffen. Ganz im Gegenteil, man kann fast nicht umhin, fest daran zu glauben, dass mitten in den USA eine Weltenesche steht oder dass vielleicht der nette ältere Herr von nebenan eigentlich ein Kobold ist, der seit Hunderten von Jahren hier lebt. Und der Protagonist Shadow, der all die geheimnisvollen Merkwürdigkeiten, die er erlebt, mit (relativer) Gelassenheit hinnimmt, verstärkt noch das Gefühl des Lesers, dass die Welt da draußen wohl wirklich so ist, wie sie dargestellt ist.

Nachdem mir von mehreren Seiten bestätigt wurde, dass in der deutschen Übersetzung viel vom Zauber der bild- und metaphernreichen, aber niemals überladenen Sprache Neil Gaimans verloren geht, bin ich sehr froh, das Original gelesen zu haben. Die Charakterzeichnung, die Dialoge, der gesamte Handlungsfaden hat nichts mit klassischer Fantasy zu tun - und doch ist dies wohl einer der besten phantastischen Romane, die mir je unter die Finger gekommen sind. Einziger Wermutstropfen: Die gewohnt schlechte Qualität des englischen Taschenbuchs.

Links:
- englischer Wikipedia-Eintrag mit Götterverzeichnis (Vorsicht: Spoiler!)
- Fanseite mit viel zusätzlicher Info
- Homepage / Blog von Neil Gaiman

Wertung:
 4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


EDIT
Huhu, ich habe den Betreff angepasst und einen Amazon-Link zur deutschen Ausgabe eingefügt. LG Seychella
« Letzte Änderung: 01. Februar 2008, 14:17:56 von Seychella »
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Saltanah

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Re: Neil Gaiman: American Gods
« Antwort #1 am: 15. Januar 2008, 10:27:11 »

Das Buch habe ich vor Jahren gelesen, ebenfalls auf englisch. Schlecht war es nicht, aber ganz so begeistert wie Twilight bin ich auch nicht davon. Eine schöne Idee, die auch gut verarbeitet wird und eine spannende Story ergibt, mit interessanten Figuren und guten Überraschungen - ja schon, das hat es alles. Aber irgendwann in der zweiten Hälfte war für mich "die Luft raus". Nachdem mir klar geworden war, wer sich hinter dem Herrn Wednesday versteckt und ich nach und nach auch einen Großteil der anderen Götter identifiziert hatte, ließ die Faszination doch arg nach und mir wurde das Buch einfach zu lang. Das ganze um 200 Seiten gekürzt hätte mir vermutlich besser gefallen.
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Weratundrina

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Re: Neil Gaiman: American Gods
« Antwort #2 am: 15. Januar 2008, 12:10:38 »

Oh, ich habe es auf Deutsch gelesen und fand es trotzdem gut.  Sehr gut sogar.

Gerade weil es mal wieder "ganz andere" Fantasy war, abseits von Orks und Elfen.  :zwinker:

Vom Sprachlichen her war es für mich "gerade richtig" nicht zu blumig, nicht zu steif.

Die Figuren waren ansprechend geformt und ausgearbeitet, die Geschichte spannend bis zum Schluß (ich brauch nicht viel, um etwas spannend zu finden, aber schnell ist mir etwas zu spannend.  :zwinker: ) und am Ende stand ich da und wußte nicht, was ich als nächstes lesen sollte - so geht es mir nur nach Büchern, die mir wirklich sehr gut gefallen haben.  :zwinker:

Daher von mir 5 ausgewachsene:
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Twilight

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Re: Neil Gaiman: American Gods
« Antwort #3 am: 15. Januar 2008, 21:32:03 »

@Saltanah: Naja, ich bekenne mich dazu, dass ich's auch gern mal ein bisschen langatmiger mag. Was andere als geschwätzig empfinden, empfinde ich halt als gründlich und ausführlich ;)
Wer Wednesday ist, weiß man ja schon sehr früh; aber wer sich hinter der Gegenseite verbirgt, das war für mich bis zum Schluss eine echte Überraschung. Sehr schön fand ich, dass die vielen einzelnen Handlungsstränge wirklich zu einem Abschluss geführt wurden, z.B. die Geschichte mit den vermissten Kindern, oder die um Laura.

@Weratundrina:
Zitat
aber schnell ist mir etwas zu spannend.

Geht mir genauso :D
Mir sind gut ausgearbeiteter Handlungsfaden und Charaktere allemal wichtiger als Action am laufenden Band. Allerdings muss ich auch gestehen dass ich von Gaiman außer dem "Sternwanderer" bisher noch nichts gekannt hab, und die beiden Bücher kann man imho nicht wirklich vergleichen. Auf meinem SUB liegt jetzt noch Anansi Boys, mal sehen wir mir das gefällt.
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Weratundrina

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Re: Neil Gaiman: American Gods
« Antwort #4 am: 16. Januar 2008, 08:46:31 »

Mir sind gut ausgearbeiteter Handlungsfaden und Charaktere allemal wichtiger als Action am laufenden Band. Allerdings muss ich auch gestehen dass ich von Gaiman außer dem "Sternwanderer" bisher noch nichts gekannt hab, und die beiden Bücher kann man imho nicht wirklich vergleichen. Auf meinem SUB liegt jetzt noch Anansi Boys, mal sehen wir mir das gefällt.

So geht es mir auch... (auch bei Filmen) :zwinker:

Ich hatte noch Neverland gelesen. Vergleichen kann man die Bücher alle nicht, aber doch haben mich alle gleich gefesselt.  :zwinker:

Anansi Boy ist eine Art Fortsetzung von American Gods, oder verwechsel ich das jetzt?
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Weratundrina

Twilight

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Re: Neil Gaiman: American Gods
« Antwort #5 am: 16. Januar 2008, 21:55:53 »


Anansi Boy ist eine Art Fortsetzung von American Gods, oder verwechsel ich das jetzt?


Soweit ich weiß nicht direkt eine handlungsmäßige Fortsetzung, eher eine weitere Geschichte in der gleichen "Szenerie", wobei auch einige Personen aus American Gods wohl wieder auftauchen (u.a. Anansi/Mr. Nancy).
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Wendy

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Re: Neil Gaiman: American Gods
« Antwort #6 am: 01. Februar 2008, 08:35:57 »


Anansi Boy ist eine Art Fortsetzung von American Gods, oder verwechsel ich das jetzt?


Soweit ich weiß nicht direkt eine handlungsmäßige Fortsetzung, eher eine weitere Geschichte in der gleichen "Szenerie", wobei auch einige Personen aus American Gods wohl wieder auftauchen (u.a. Anansi/Mr. Nancy).

Laut Gaiman selbst hat er sich für "Anansi Boys" nur den Charakter Mr. Nancy "ausgeliehen" und ich nehme an, die Geschichten spielen in derselben Version unserer Welt. Ansonsten dürften die beiden Bücher aber nicht allzu viel miteinander zu tun haben. Ich kenne nur Anansi Boys (sehr lustig, übrigens  :zwinker:). "American Gods" subt noch, aber wie's aussieht nicht mehr sehr lange.  :breitgrins:
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Kätzchen

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Re: Neil Gaiman - American Gods
« Antwort #7 am: 01. Februar 2008, 17:36:04 »

Ich habe vor einiger Zeit American Gods gelesen und finde es einfach klasse. Alleine die Idee ist super, und zudem ist es sehr spannend und interessant geschrieben. Wie alles was ich bisher von Neil Gaiman gelesen habe.

Übrigens gibt es ein P&P RPG, dass sich stark an dem Thema des Buches orientiert: "Scion".  Kann ich ebenfalls nur empfehlen.
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illy

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Re: Neil Gaiman - American Gods
« Antwort #8 am: 01. März 2008, 09:09:04 »

Diesen Monat gibt es American Gods  (englische Version)  umsonst online zu lesen, wer also mal reinschauen (und sich festlesen) möchte...

LINK

klasse Buch  :breitgrins:

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Re: Neil Gaiman - American Gods
« Antwort #9 am: 17. März 2008, 23:55:15 »

American Gods ist echt ein tolles Buch, schon lang her das ich es gelesen habe. Der "Nachfolger" "Anansi Boys" subbt noch immer bei mir herum.

Richtig interessant im Nachhinein wurde das Buch noch mehr als ich die Person getroffen habe, die das Buch auf türkisch übersetzt hat.
Er konnte mir extrem viel über die Wortspiele des Buches erklären.

lg Stefan
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grundgedanke

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Re: Neil Gaiman - American Gods
« Antwort #10 am: 04. April 2008, 13:37:48 »

Ich bin zur Zeit mitten drin in "American Gods" (Deutsch). So etwa in der Hälfte also. Ich finde es von der Grundidee auch sehr nett. Finde es auch insgesamt gut, aber halt eben nicht so richtig begeisternd. Kann noch nicht genu sagen woran es konkret liegt, aber der große Funke springt nicht über bisher.

Ging mir mir Niemansland von Herrn Gaiman ähnlich. Im Falle von Niemansland behaute ich mal, dass sich Christoph Marzi für Lycidas dort ja ordentlich "bedient" hat. Mit gefällt da dann aber Marzis Version viel besser. Das ich "gründliche" Ausführungen bevorzuge muss ich da wohl nicht er gesondert erwähnen.

Mal schauen wie ich zu "American Gods" stehe, wenn ich durch bin.
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Myriel

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Re: Neil Gaiman - American Gods
« Antwort #11 am: 08. Juni 2008, 20:08:08 »

Shadow zählt die Tage, bis er endlich aus dem Gefängnis entlassen wird. Seltsamerweise wird er 2 Tage vor seiner Freilassung ins Büro des Direktors gerufen, wo ihm mitgeteilt wird, dass seine Frau bei einem Verkehrsunfall starb und er deswegen sofort entlassen wird.
Betäubt setzt sich Shadow ins Flugzeug, was ihn nach Hause bringen soll. Dort lernt er Mr. Wednesday kennen, der ihm einen Job anbietet, welchen Shadow nach einigem Hin und Her auch annimmt. Damit wird er in einen Strudel mysteriöser Geschehnisse hineingezogen, denn sein neuer Arbeitgeber ist kein geringerer als der nordische Allvater Odin. Dieser eröffnet Shadow, dass viele alte Götter aus Europa, Afrika und Asien von Einwanderern mit nach Amerika gebracht wurden, wo sie nun ein tristes Dasein fristen, von der Welt fast vergessen. Mit den neuen Göttern des Fernsehens, der Kreditkarte und des Autos treten Feinde auf, die die alten Götter vernichten wollen.
Während Mr. Wednesday versucht, so viele alte Götter zum Kampf zu überreden, wie er nur kann, wird Shadow von seltsamen Träumen und seiner toten Frau, die keine Ruhe findet.
Dieser höchst interessante Plot wird von einem neutralen Erzähler mit Einsichten in Shadows Gedanken- und Gefühlswelt dargebracht. Man erfährt viel über das Seelenleben des Ex-Sträflings und seinem Befremden gegenüber der Welt der Götter, aber auch über die Gründe, warum er Wednesday dient und nur wenig Fragen stellt. So tauchen in seinen Gedanken immer wieder Erinnerungen an das Gefängnis und seine Lektionen auf, die ihn vor allem gelehrt haben, den Kopf unten und sich selbst bedeckt zu halten – wie der Schatten, der er schon als Kind war.
Immer wieder eingestreut finden sich Rückblicke in die Zeit von 14.000 v.Chr. bis ins 18. Jahrhundert, als Menschen nach Amerika kamen und wie sich mit ihrem Glauben und Ritualen die Götter ebenfalls über das große Wasser mitbrachten. So wird unter anderem Odins Geschichte enthüllt und auch erklärt, wie die Götter von den Menschen abhängig sind.
Dann überschlagen sich die Ereignisse und Wednesday wird während einer Friedensverhandlung von den neuen Göttern ermordet. Was er im Leben nicht erreicht hatte, vollbringt sein Tod: die alten Götter schließen sich zusammen, um zu kämpfen. Währenddessen erweist Shadow Odin die letzte Ehre und übernimmt die Totenwache. Was er während dieser Zeit erfährt, wirft allerdings all sein Wissen über die Welt der Götter über den Haufen.
So bleibt es spannend bis zum Schluss und man kann das Buch erst dann aus der Hand legen, wenn man wirklich die letzten Zeilen gelesen hat. Allerdings hat Gaiman in seinen Götterroman interessante Gedanken untergebracht, die den Leser auch noch nach Beendigung der Lektüre beschäftigen können. Neben dem religiösen Aspekt ist das vor allem die Frage nach dem Leben, die Laura, Shadows tote Frau, ihm stellt.
Als kleiner Bonus ist am Ende des Buches eine Kurzübersicht über die wichtigsten Götter untergebracht, die dazu animiert, sich intensiver mit der Mythologie auseinander zu setzen.
Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Lektüre, für die ich 4ratten:marypipeshalbeprivatmaus: vergebe. Den kleinen Abzug gibt es wegen einer zwischenzeitlichen Länge, die aber nicht sehr ins Gewicht schlägt.
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Wendy

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Re: Neil Gaiman - American Gods
« Antwort #12 am: 21. August 2011, 11:34:32 »

Huhu ihr Lieben!

Dank des SLW 2011 habe auch ich es endlich durch dieses dicke Gaiman-Buch geschafft :freu: . Und die Reise war fast durchgehend ein großes Vergnügen.



Meine Meinung:
Ein Roadtrip durch die Götterwelt, die von den Einwanderern nach Amerika getragen wurde. So würde ich das Buch zusammenfassen, aber im Detail war es doch viel mehr. Shadow, unser sehr gaiman'sch benannter Held, kommt gerade aus dem Gefängnis und das erste, was er erfährt, ist dass seine Frau gestorben ist. Planlos und verletzt trifft er auf Wednesday, der ihm einen Job anbietet, ja, ihm sogar sagt, er sei spät dran - und das, obwohl Shadow diesen Mann noch nie gesehen hat.
Zusammen mit Wednesday, von dem man schon bald merkt, dass er mehr ist als nur ein älterer Herr, reist Shadow nun quer durch Amerika (soll heißen, die Vereinigten Staaten) und lernt allerlei noch seltsamere Geschöpfe kennen.

Für Leser, die sich ein bisschen in den diversen Mythologien auskennen, warten viele nette Hinweise. Ich bin sicher, ich habe bestenfalls 30% von allen verstanden. Gaiman vermischt ja nicht nur bekannte Mythologien wie die griechischen und nordischen Götter, sondern Indianerlegenden, Götter, die von alten afrikanischen Stämmen angegetet werden und alles sonst nur mögliche. Dass diese Welten so nahtlos miteinander verschmelzen und die Welt, die Gaiman sich ausgedacht hat, einfach funktioniert, ist schon faszinierend genug. Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, Anubis und Horus, die Nornen und Odin und Old Man Coyote zu treffen (den kenne ich nur aus Christopher Moores Buch "Coyote Blue").
Die Geschichte an sich ist lange Zeit undruchschaubar. Wie Shadow tapst auch der Leser im Dunkeln. Nach und nach wird aber klar, was das Ziel Wednesdays ist und worauf man sich seelisch vorbereiten kann. Aber auch da hält Gaiman einige Überraschungen bereit.  Seitenhandlungen tauchen immer wieder mal auf, mit mehr oder weniger Bedeutung für Shadow, aber immer höchst unterhaltsam.

Mir hat dieses Buch immensen Spaß gemacht. In einem Rutsch hätte ich es nicht lesen wollen, da es gerade in der Mitte etwas episodisch war (von Ort zu Ort fahren und neue Menschen - oder sagen wir Kreaturen - kennen zu lernen, ohne zu verstehen, warum), aber mit mehreren Pausen zwischendurch, habe ich mich jedesmal wieder gefreut, wenn ich das Buch zur Hand nehmen und weiterlesen konnte. Shadow - obwohl der seinem Namen alle Ehre macht - ist mir ziemlich rasch ans Herz gewachsen und besonders Gaimans Beschreibungen von Göttern und Landschaften (ja! Ich war auch erstaunt!) haben dem Roman Leben eingehaucht. Ein besonderes Extra waren auch die "Coming to America"-Zwischengeschichten, die in ihrer Erzählweise fast Märchen gleichen. Obwohl sie nur wenige Seiten lang waren, haben es mir diese besonders angetan.

Das Ende war wunderbar abgerundet, es kamen noch einige Dinge heraus, die ich schon längst vergessen oder für unwichtig gehalten hatte und sogar die Danksagung hält noch den einen oder anderen Schmunzelmoment bereit.

4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Liebe Grüße,
Wendy
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Re: Neil Gaiman - American Gods
« Antwort #13 am: 06. November 2011, 11:21:15 »

Huhu ihr Lieben!

Das Buch wird übrigens in eine TV-Serie adaptiert. Mit 6 (!) geplanten Staffeln :entsetzt: zu je 10-12 einstündigen Episoden. Das heißt, Neil Gaiman wird auch ein Sequel schreiben. Hier gibt's ein Interview, in dem Neil darüber spricht. Die Serie wird u.a. von Tom Hanks produziert und soll frühestens 2013 erscheinen.
Wir haben also noch Zeit, aber ich bin jedenfalls gespannt auf den nächsten Roman in diesem Universum.  :klatschen:
Wäre 9/11 nicht passiert, hätte Neil schon längst eine Fortsetzung geschrieben - so zumindest steht es im Interview. Es ist übrigens auch interessant zu lesen, wenn ihr das Buch noch nicht kennt. Ich freu mich.

Mehr Shadow :tanzen:
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tári

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Re: Neil Gaiman - American Gods
« Antwort #14 am: 06. November 2011, 11:27:08 »

Ich wusste schon, dass das Buch in eine Serie adaptiert wird, dachte dabei aber eher an eine Mini-Serie. Grundsätzlich bietet der Stoff ja genug Ideen für eine ausgewachsene Serie, allein die ganzen Aufträge, die Shadow von Wednesday bekommt und die unterschiedlichen Orte, die er besucht.
Ich bin gespannt, noch bleibt ja genügend Zeit bis zum Start.
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