Ich bin jetzt ebenfalls so weit, also einschliesslich Kapitel 3, lese momentan wieder Lycidas, was ich auch heute ja noch größtenteils im Rahmen der Winter-Lesenacht lesen werde, ich muss allerdings sagen, dass ich mich auf irgendeine Weise bisher recht gut mit Amir identifizieren kann, er ist momentan zwar noch einige Jahre jünger, aber so die Vater-Sohn-Beziehung kommt mir ansatzweise bekannt vor, ein in vor allem beruflicher Hinsicht sehr erfolgreicher Vater, wodurch für den Sohn oft mehr oder weniger subtil schnell das Gefühl entsteht, ähnlich werden zu müssen oder auf jeden Fall so, dass der Vater stolz darauf ist, allerdings ist es bei mir jetzt zum Glück keineswegs so, dass in meinem Falle mein Vater das irgendwie selber auch so gesehen hätte oder gar das erwähnt hatte, wie es im Buch passiert - zwar hinter verschlossener Tür seinem Freund gegenüber, aber ein Kind, vor allem eines wie Amir, merkt sowas natürlich auch schnell, selbst wenn er nicht gelauscht hätte, was ja auch recht deutlich wird im Verlauf der Geschichte vor dem belauschten Gespräch. In puncto Identifikation mit Amir trägt natürlich auch die Tatsache, dass er all sein Geld in Bücher investiert einen großen Teil dazu bei, das dürfte uns wohl allen so gehen.

Ich weiss nicht, ob ich den Eindruck, dass sein Vater sich nicht wirklich um Amir bemühen würde, teilen kann, macht natürlich so den Eindruck, insbesondere wenn er sagt, dass er nicht geglaubt hätte, dass es sein Sohn ist, wenn er nicht die Geburt als Augenzeuge mitverfolgt hätte, und inwieweit man verschiedene Anmeldungen bei Fussballclubs etc. als womöglich gar
liebevolles Bemühen auslegen kann ist natürlich auch fraglich, allerdings resultiert dieses Verhalten, welches zB auch bei dem "Gespräch", welches Amir auf dem Schoss seines Vaters sitzend führt, deutlich wird, woh hauptsächlich aus 2 Faktoren oder Eigenschaften des Vaters, zum einen ist er wohl einfach so ein Typ, der sich nicht zu Emotionsausbrüchen hinreissen lässt, der mit Vertrauen und ausgedrückter Liebe anderen Mitmenschen gegenüber vorsichtig ist - auch sichtbar dadurch, dass nur Rahim Khan so offen zu ihm sprechen darf, wie er es tut, oder dass er sich wohl oft in seinem Leben gegen andere oder einfach nur gegen den fehlenden Glauben an ihn durchgesetzt hat, zB beim Bau des Waisenhauses bzw. generell beim Erreichen der sozialen und finanziellen Stellung, die er besitzt. Zum anderen wird sein Verhalten eben dadurch begründet sein, dass er nicht wirklich Amir als
seinen Sohn akzeptieren kann, und mit dem
seinen ist natürlich nicht gemeint, dass er ihn biologisch oder so nicht als seinen Sohn akzeptiert, sondern vielmehr dass es nicht der Sohn ist, den er haben wollen würde, der zu ihm passt.
Nichtsdestotrotz bin ich aber irgendwie doch der Überzeugung, dass
Baba auf irgendeine Art doch eine recht starke Bindung zu seinem Sohn hat, auch wenn dieser so gar nicht "nach ihm kommen mag" - was immer das auch heißen mag - , ich finde, es klingt auch nicht wirklich Enttäuschung mit, wenn er Rahim Khan von seiner Gefühlslage seinem Sohn gegenüber berichtet, eher so eine Art "Entsetzen", allerdings nicht im schockierten Sinne, mehr so, dass ihm halt etwas auffällt, und er langsam begreift, dass er dieses Phänomen wohl nicht zu ändern im Stande ist.
Bis dahin und liebe Grüße
xeditx: Bin mittlerweile am Beginn von Kapitel 9, wirklich faszinierend oder auch beglückend irgendwie, was man da zu lesen bekommt, aber auch schockierend in höchstem Maße, ich werd mal noch nichts schildern, ich weiß ja nid,wie weit ihr so seid, aber es ist schon umwerfend so als Ganzes.
Sagt ihr mal, wie weit ihr so seid, ob ich dann doch schon meine Eindrücke schildern kann oder ob ich mich eher noch meiner Parallellektüre zuwende.

LG