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Autor Thema: Michèle Rakotoson - Dadabé  (Gelesen 581 mal)

Saltanah

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Michèle Rakotoson - Dadabé
« am: 03. Januar 2008, 10:44:22 »

Dieses Buch ist mein Beitrag zu Madagaskar in unserem Projekt Wir lesen uns rund um die Welt.


Klappentext:
In dem Kurzroman "Dadabé" und den Erzählungen "Die Reise" und "Klage eines Schiffbrüchigen" präsentiert uns die Autorin Madagaskar in all seiner Vielschichtigkeit, greift sowohl gesellschaftliche wie auch persönliche Probleme der Madegassen heraus. Das Lokalkolorit und die Schönheit der Insel fehlen dabei ebensowenig wie die Darstellung einer Welt, die zwischen traditionellen und modernen werten hin- und hergerissen ist.

Endlich mal ein Klappentext, den ich voll und ganz unterschreiben kann! Hier wird weder zuviel noch zuwenig versprochen. Zu den einzelnen Erzählungen:

Dadabé:
Die Geschichte einer jungen Frau, die sich selbst zu verlieren droht. Sie flieht - nein, sie schlittert eher - in eine unbedachte Ehe, die ihr aber auch nicht den gewünschten Halt gibt. Ein "Schatten" aus ihrer Kindheit, die Personifizierung des Todes, der stets mit dem Leben ringt, verfolgt sie, seitdem sie als Kind den qualvollen Tod des geliebten, (für bewundernde Kinderaugen) allmächtigen Großvaters, ihres Dadabé, miterleben musste. Schließlich stellt sie sich ihrem Verfolger, kämpft mit ihm und kann endlich ihr Leben bewusst und erwachsen fortsetzen.
Mit einigen Aspekten dieses Kurzromans hatte ich leichte Probleme, aber andere begeisterten mich, allen voran der Tod des Großvaters, der in einer Intensität geschildert wurde, die ihresgleichen sucht. Die gewaltige Sprache, die sich durch leicht variierte Wiederholung verschiedener Phrasen sowie Einsprengsel von Gedichten in emotional besonders starken Szenen auszeichnet, lässt das Grauen und die Trauer der 10-jährigen Zeugin des Todes ihres Großvaters deutlich werden.

Die Reise:
Eine Frau erzählt von einer Reise "ans Ende der Welt", in eine abgelegene Gegend Madagaskars, die sie beruflich besucht. Bei einem Ausflug auf eine kleine Insel sieht sie plötzlich den Beginn der Welt; Madagaskar und das es umgebende Meer so, wie es den ersten, über den Indischen Ozean kommenden Siedlern erschien. Eine fast mystische Erfahrung, die allerdings durch die Einmischung eines Reisebegleiters ein abruptes Ende nimmt. Das Leben ist kein Paradies, aber manchmal kann man es andeutungsweise wahrnehmen.

Klage eines Schiffbrüchigen:
Die Gedanken eines alten Mannes, der durch eine Überschwemmung die Grundlage seines Überlebens (und das seiner großen Familie) verloren hat.
Zitat
  Wenn er ein paar Fische fing, konnte er sie verkaufen und dafür etwas Reis besorgen. Mit ein bisschen Glück würde er auf dem schwarzen Markt welchen finden, wenn der von Fokontany nicht reichte.
 Sie könnten dann noch zwei oder drei Tage durchhalten.
 Danach…
Mit diesen Pünktchen schließt die Erzählung. Was dann kommt, braucht nicht mehr erzählt werden, man versteht es auch so. Eine Geschichte, die deutlich macht, wie prekär und gefährdet das menschliche Leben eigentlich ist; wie wenig es braucht, um jemanden vor dem Nichts stehen zu lassen.


Alle drei Erzählungen haben mich, jede auf ihre Art, gefangen genommen. Rakotoson erzählt von universellen Bedingungen, denen ein Menschenleben unterworfen ist, und so werden diese Geschichten trotz ihres "exotischen", fremden Hintergrunds auch für europäische Leser leicht zugänglich. Sie ist definitiv eine Schriftstellerin, von der ich mehr lesen will. Hervorheben möchte ich noch ihre Fähigkeit, gute Anfänge zu schreiben. Alle drei Geschichten hatten einen Beginn, der sofort fesselte und neugierig auf die Hintergründe machte.

4ratten
« Letzte Änderung: 03. Januar 2008, 10:49:15 von Saltanah »
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Aldawen

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Re: Michèle Rakotoson - Dadabé
« Antwort #1 am: 03. Januar 2008, 12:23:49 »

Das hört sich ja ausgesprochen vielversprechend an! Ich denke, das muß ich mir auch zulegen und lesen, schon allein um zu sehen, wieviel Gemeinsamkeiten mit anderer afrikanischer Literatur es gibt. Angesichts der Besiedlungsgeschichte Madagaskars und der Bevölkerungszusammensetzung müßten sich hier eigentlich Unterschiede finden ...

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

Aldawen

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Re: Michèle Rakotoson - Dadabé
« Antwort #2 am: 03. Dezember 2011, 20:44:35 »

Saltanahs Begeisterung kann ich mich leider nicht anschließen, dafür gibt es im wesentlichen zwei Gründe.

Die gewaltige Sprache, die sich durch leicht variierte Wiederholung verschiedener Phrasen sowie Einsprengsel von Gedichten in emotional besonders starken Szenen auszeichnet, lässt das Grauen und die Trauer der 10-jährigen Zeugin des Todes ihres Großvaters deutlich werden.

Genau diese leicht variierten Wiederholungen und Lyrikeinsprengsel haben mir gar nicht gefallen. Ich glaube zwar nachvollziehen zu können, warum Rakotoson sie als Stilmittel gewählt hat, aber es hat dann bei mir jedenfalls nicht die intendierte Wirkung gehabt, im Gegenteil. Der Tod des Großvaters war sicher ein einschneidendes Erlebnis für die Erzählerin, neben anderen familiären Bedingungen, und speziell dieser Aspekt war tatsächlich stark in der Schilderung. Aber das wog das „Drumherum“ für mich einfach nicht auf.

Der zweite Punkt betrifft das Frauenbild, das hier gezeichnet wird. Sowohl in Dadabé als auch, wenn auch etwas weniger ausgeprägt, in Die Reise wird eine Gesellschaft gezeigt, die es (noch?) als wünschenswert betrachtet, wenn Frauen möglichst wenig in Erscheinung treten und den Mund halten. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß in Die Reise Lehrerinnen mit Kollegen unterwegs sind, um Prüfungen in dieser abgelegenen Ecke abzunehmen. Hier merkte ich auch sehr deutlich, daß die Kultur Madagaskars nicht vorrangig afrikanisch geprägt ist. Es ist zwar nicht so, daß in afrikanischer Literatur die Frauen immer hochgradig gleichberechtigt und anerkannt wären, aber derartig den Mund verbieten lassen sie sich bei aller Benachteiligung dann doch eher nicht. Diese duckmäuserische Art, die Passivität und Schicksalsergebenheit erinnerte mich überhaupt nicht an das, was ich von sonst aus afrikanischer Literatur kenne, sondern eher – was ja auch nach der Besiedelungsgeschichte der Insel durchaus naheliegend ist – an Indien und seine südostasiatischen Nachbarn. Das Bild, das Rakotoson hier zeichnet, mag madegassische Realität widerspiegeln, das will ich gar nicht bestreiten, aber ich konnte mich nicht besonders gut in diese Frauen hineindenken.

Die letzte Erzählung, Klage eines Schiffbrüchigen, fällt aus dem Gesamteindruck für mich positiv heraus. Saltanah hat es richtig gesagt: Es braucht unter Umständen nicht viel, um eine scheinbar gesicherte Existenz zu ruinieren, und das ist in der Tat universell und wenig an Zeit und Ort gebunden. Da diese Erzählung am Ende stand, hat sie mich zwar etwas mit dem Vorangegangenen versöhnt, aber als kürzester Beitrag war sie dann leider doch nicht in der Lage, den Gesamteindruck deutlich zum Positiven zu verbessern.

 2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß
Aldawen
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