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Autor Thema: Agatha Christie - Hercule Poirots Weihnachten  (Gelesen 810 mal)

chil

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Agatha Christie - Hercule Poirots Weihnachten
« am: 02. Januar 2008, 20:25:49 »



Es ist kurz vor Weihnachten, der Zeit der Vergebung und des Friedens. Der alte Simeon Lee, ein unwahrscheinlich reicher wie unausstehlicher Mann hat in sein Herrenhaus seine erwachsenen Söhne und deren Frauen eingeladen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Außerdem erhielt auch seine Enkelin, eine Halbspanierin, eine Einladung zum Fest, nachdem ihre Mutter, eine geborene Lee, gestorben ist.

Sowieso im Haus leben Alfred Lee und seine Frau Lydia, zu Besuch kommen David Lee und seine Frau Hilda, George Lee und seine Frau Magdalene, sowie Pilar Estravados und das schwarze Schaf der Familie, Harry Lee. Unangekündigt steht dann auch noch Stephen Farr vor der Tür, der Sohn des ehemaligen Geschäftspartners von Simeon Lee.

Verschiedene Charaktere haben sich also in Goston Hall versammelt. Die vernünftige Lydia, der ewig duldende Alfred, die junge und naive Magdalene, ihr geiziger Mann George, das ehemalige Muttersöhnchen David und dessen resolute Frau Hilda. Außerdem wäre da noch der jungenhafte spitzbübische Harry. Dem Familienoberhaupt bereitet es diebische Freude, die zusammengekommene Familie zu ärgern und zu demütigen, so ist es fast nicht verwunderlich, dass am Heiligen Abend ein Mord geschieht. Brutal wie ein Schwein wird Simeon Lee mit durchgeschnittener Gurgel in seinem von innen verschlossenen Arbeitszimmer gefunden. Hercule Poirot, der belgische Meisterdetektiv, ist zufällig in der Nähe und wird zu Rate gezogen.

Vieles scheint sehr unklar zu sein und nicht nur die Familienmitglieder, sondern auch Stephen Farr und der Leibdiener Simeons, Horbury, wird als Täter nicht ausgeschlossen. Intrigen entwickeln sich, um jede Schuld von sich zu weisen, doch Poirot blickt hinter die Kulissen der Schmierenkomödie und schon bald gelingt es ihm, den wahren Mörder zu entlarven.

Wie fast alles von Agatha Christie ist auch dieses Werk spannend aufgebaut und auf jeden Fall einen Versuch wert. Viele der Charaktere entwickeln sich im Laufe der Geschichte anders, als man anfangs vermutet hätte und selbst einem geübten Krimi-Leser wird es nicht leicht fallen, den Mörder schon vor der berühmten Enttarnung vor aller Augen zu entlarven. Viele der Zusammenhänge sind ein wenig weit hergeholt, außerdem scheint Poirot fast hellseherische Fähigkeiten zu haben, ein, zwei Zufälle sind auch ein wenig zu zufällig. Dennoch als Fazit: Ein Krimi in guter, englischer Tradition, mit viel Stimmung und Spannung.
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Taschenbuch: 222 Seiten
Verlag: Scherz (Oktober 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3502518637

4ratten
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Manjula

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Re: Agatha Christie - Hercule Poirots Weihnachten
« Antwort #1 am: 08. Januar 2008, 14:45:49 »

Schön, dass der SLW Agatha Christie wieder zum Vorschein kommen lässt  :klatschen:

"Hercule Poirots Weihnachten" ist für mich einer ihrer Krimis, bei dem auch der gewiefteste Leser nicht auf die Lösung kommen kann. Wie Du schreibst, gibt es einige zu zufällige Zufälle, aber das verzeihe ich ihr gern. Und dass Poirot Hellseher ist, hatte ich schon immer vermutet  :zwinker:

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Stephi

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Antw:Agatha Christie - Hercule Poirots Weihnachten
« Antwort #2 am: 13. Dezember 2009, 23:48:15 »

Weihnachten steht vor der Tür, eine nicht gerade einfach zu nennende Familie kommt im Haus des Vaters zusammen. Nach einigem Hin und Her wegen Finanzen und anderen Streitthemen wird der alte Mann plötzlich ermordet – und keiner war es natürlich. Gut, dass Hercule Poirot zufällig in der Nähe ist und Licht in das Dunkel der Familie bringt.

Hercule Poirot ist in Bestform zu erleben, so viel ist mal sicher. Mit gewohnt souveräner Ermittlungsarbeit gelingt es ihm, die wirklich außergewöhnlich komplizierten Familienverhältnisse aufzudröseln und am Ende eine Lösung des Falls zu präsentieren, die gar nicht mal so abwegig ist. Und das ist bei der Vielzahl an Personen und Charaktereigenschaften mal nicht so einfach. Scheinbar ganz nebenbei kommt noch eine gute Portion Spannung auf, so dass dieses Buch einfach Spaß macht.

Gefühlte 20 Personen wollen unter einen Hut gebracht werden, über jeden wird mehr oder weniger viel offenbart und jeder hat in irgendeiner Form Dreck am Stecken. Dass es nicht einfach ist, den Überblick zu bewahren, versteht sich von selbst. Gut, dass die Ermittlungsarbeit Poirots wunderbar geradlinig und logisch ist und man sich ganz in Ruhe mit dem Sortieren der Namen und zugehöriger Informationen befassen kann.

Besonders erfrischend ist dabei, dass Poirot mal nicht ganz so überheblich daher kommt, wie es in manch anderen Büchern der Fall ist. Anscheinend wird auch er zu Weihnachten ein wenig rührselig. Hercule Poirot kocht eben auch nur mit Wasser.

Das Buch hat mir außergewöhnlich gut gefallen, ist raffiniert aufgebaut, glaubwürdig am Ende und in sich damit einfach schlüssig. Etwas mehr Weihnachtsstimmung wäre zwar schön gewesen, aber bei einem Mord will die eben verständlicherweise nicht so wirklich aufkommen.

Meine Wertung: 5ratten
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:leser: Plichota/ Wolf: Oksa Pollock - Die Unverhoffte

SLW - Annabas: 1/10
SLW - Seychella: 0/10

Samuel Farr

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Antw:Agatha Christie - Hercule Poirots Weihnachten
« Antwort #3 am: 14. Dezember 2009, 21:27:53 »

Agatha Christie – Hercule Poirots Weihnachten
Scherz Verlag, 2002 (Originaltext von 1939)
ISBN 3-502-51863-7

Taschenbuch, 222 Seiten


Simeon Lee ist ein alter Mann und schwerreich. Über Weihnachten hat er seine Söhne einschließlich deren Ehefrauen zu sich eingeladen. Nun ist Simeon nicht unbedingt das, was meinen einen freundlichen Großvater nennen würde. Er provoziert gerne und genießt es, Streit und Zwietracht zu säen. So auch in seiner eigenen Familie: am Heiligen Abend erklärt er seinen Kindern, er wolle das Testament ändern, da sie alle nichts wert seien. Wenige Stunden später ist er tot – ermordet in einem von innen verschlossenen Raum nach scheinbar heftigstem Kampf. Zufällig ist Hercule Poirot in der Nähe, der sich zusammen mit dem örtlichen Polizeiinspektor Sugden an die Aufklärung des Verbrechens macht. Jedes der Kinder könnte ein Motiv haben: Alfred, der sich sein Leben lang um den Vater gekümmert hat, Harry, der ihn verlassen hat, George, der immer in Geldnöten steckt und auch David, der seinem Vater den Tod der Mutter vorwirft. Oder war es der heimlichtuerische Kammerdiener? Was hat es mit den verschwundenen Diamanten des alten Mr. Lee auf sich? Und welches Geheimnis verbergen Pilar und Stephen, die beide aus dem Ausland zu Besuch sind?


Gerade bei einer Vielschreiberin im Bereich Krimi kann und muß man damit rechnen, daß nicht alle Werke immer von gleichbleibend hoher Qualität sind. Es ist daher nur natürlich, wenn ein Autor sich auch mal ein schwächeres Buch leistet. Die Kritikpunkte an diesem Buch lassen sich aber auf ein grundlegendes Problem des „klassischen“ Kriminalromans zurückführen. Üblicherweise geht es in diesen Büchern fast ausschließlich um die Frage, wer die entsprechende Tat auf welche Weise verübt hat. Der Autor ist also, um mögliche Wiederholungen zu vermeiden, gezwungen, sich dabei immer neue und abstruse Konstruktionen zu überlegen, wie der Täter vorgegangen sein könnte, um seine Tat zu verschleiern. Das führt allerdings manchmal dazu, daß die gesamte Konstruktion des Verbrechens ins schlicht abwegige abgleitet.

Und genau das ist im vorliegenden Buch leider passiert. Dabei ist der grundlegende Ansatz zunächst gar nicht mal uninteressant. Scheint es sich zunächst um ein „unmögliches Verbrechen“ zu handeln - der klassische „Mord im von innen verschlossenen Raum“ - wird in diesem Buch fast sofort deutlich, daß eigentlich jeder Zutritt zu dem Zimmer hatte und damit der Mörder sein könnte. Gerade darin liegt aber dann der Fehler. Die Autorin präsentiert zwar alle Familienmitglieder als mögliche Täter, läßt aber dann in der Auflösung plötzlich den großen Unbekannten auftreten. Die entsprechenden Informationen, die zur Überführung des Täters nötig wären, gibt sie dem Leser aber erst ganz zum Schluß in die Hand. Vorher kann der Leser sie gar nicht haben, da sie ihm ihrer Natur nach nicht vermittelt werden könnten, ohne die Lösung direkt mit zu verraten. Damit fühlt man sich dann schlicht an der Nase herumgeführt, denn zu dieser Lösung konnte man ja selbst gar nicht kommen. Ein solches Vorgehen ist der Bodensatz der Krimi-Trickkiste. Auch die übrige Konstruktion des Verbrechens weist leider einige empfindliche logische Brüche auf (bspw. die Frage, woher der Täter von den Diamanten im Safe wußte).  Die Ausführung, so wie die Autorin sie schildert, klingt auch eher so, als ob sie nicht wirklich funktionieren könnte und ist etwas an den Haaren herbeigezogen bzw. gewollt abwegig. Überaus enttäuschend ist auch die Tatsache, daß das wirkliche Motiv des Täters überhaupt nicht aufgeklärt wird. Christie behauptet recht allgemein ein Motiv, ohne es aber tatsächlich genau darzulegen. Bei einem Mord, der laut Poirot „psychologisch zu betrachten“ ist, stört dies erheblich. Denn wo ist dann bei dem Motiv und dessen Erklärung die Psychologie geblieben? Kritikwürdig ist schließlich auch, daß mehrere mögliche Verdächtige recht aufwendig eingeführt werden, dann aber nach kürzester Zeit wieder verschwinden und auch nicht mehr auftauchen. Derart offensichtlich falsche Spuren sind schlicht ärgerlich und schaden dem Buch deutlich. Insgesamt wirkt die Handlung leider überaus konstruiert und gezwungen. Dies fällt aber erst gegen Ende des Buches auf, vorher läßt sich das Buch dennoch recht gut lesen. Der Spannungsbogen trägt und trotz der sehr auffällig erzeugten Verdachtsmomente läßt man sich zunächst gerne auf das Rätselspiel ein.

Die Personen des Romanes bleiben dabei aber alle sehr flach und wenig lebendig. Mit den verschiedenen Söhnen des alten Mannes werden dabei genau die erwarteten Klischees erfüllt – der Treusorgende, der Ausreißer, der Gierige und das Muttersöhnchen. Wenn Christie nun mit diesen Stereotypen zumindest spielen und sie vielleicht ironisch brechen würde, könnte man mit dieser Eindimensionalität leben. Doch fehlt auch dies, die Personen sind alle vollkommen ernst gemeint. Sie bewegen sich alle bloßen Pappfiguren gleich durch den Roman, bar jeder Persönlichkeit. Das gilt auch für die jeweiligen Ehefrauen, auch wenn diese einen Funken mehr Leben in sich haben. Am interessantesten ist dabei noch die junge Spanierin Pilar, die zumindest halbwegs als echter Mensch erscheint. Das gilt auch für das Mordopfer selbst. Simeon Lee mag zwar ein Ekel sein, zeigt aber zumindest einen Hauch eines Charakters. Die unangenehme Tendenz, groß eingeführte Figuren plötzlich vollkommen fallen zu lassen, sobald sie ihre Rolle als möglicher Täter ausgespielt haben, wurde ja bereits angesprochen. Dabei wäre es für den Leser überaus hilfreich, wenn die Autorin diese Personen direkt weggelassen hätte, denn in diesem Buch verliert selbst der aufmerksame Leser stellenweise den Überblick.  Daß hier zu Beginn des Buches auch gleich jeder der Personen ein mögliches düsteres Geheimnis und ein möglicherweise finsterer Plan angedichtet wird (das gilt vor allem für Pilar und Stephen), wirkt dann wie schon die Handlung einfach gekünstelt.

Auch die von mir erhoffte und eingangs erwähnte Atmosphäre kommt leider nicht auf, insbesondere ist wenig von Weihnachten zu spüren. Das Fest der Liebe ist hier nur der Grund für die Zusammenkunft der Familie, die schließlich zum Mord führt. Dazu hätte aber auch jeder andere mögliche Grund für ein Familientreffen verwendet werden können. Das abschließende große Vergeben unter den Geschwistern fühlt sich relativ aufgesetzt an, weil es sich auch kaum aus deren Persönlichkeit herleiten läßt. Ebenso bleibt auch die englische Umgebung des Herrenhauses sehr blaß im Vergleich bspw. mit den atmosphärischen Bildern Ägyptens in „Der Tod auf dem Nil“. Christie konzentriert sich eher auf den Fall als auf die Erschaffung eines gelungenen und stimmigen Gesamtbildes. Und so bleibt hier vieles nur sehr schemenhaft und angedeutet. Die Sprache ist dabei klar und präzise, wie man es von dieser Autorin gewöhnt ist. Ins Positive gewendet könnte man sagen, sie verzichtet auf alles Überflüssige für diesen Roman und konzentriert sich auf das wesentliche. Ärgerlich wird es nur, wenn der Leser dabei etwas anderes erwartet hat.

Fazit

Im Vergleich zu den Großtaten Agatha Christie eine Enttäuschung. Arg konstruierte Handlung, sehr platte Figuren und wenig Atmosphäre. Andererseits aber bis auf den Schluß trotzdem einigermaßen spannend und angenehm schnell zu lesen. Ein vernachlässigbares Buch, eher geeignet für den Fall, wenn man gar nichts anderes findet oder an einem Sonntag nur mal schnell ein Buch lesen will. Nur für Krimienthusiasten oder Agatha Christie Fans.

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