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Autor Thema: Homer - Ilias  (Gelesen 1485 mal)

Saltanah

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Re: Homer - Ilias
« Antwort #15 am: 22. Februar 2011, 21:09:37 »

Neugierig geworden musste ich nachgucken, wie der olle Voß diese Stelle übersetzt hat:
Zitat
Das alles verkünd ihm, so wie ich sage,
Öffentlich, dass auch die andern im Volk der Achaier ergrimmen,
Wenn er vielleicht noch einen der Danaer hofft zu betrügen,
Jener in Unverschämtheit gehüllte! Schwerlich indes mir
Wagt er hinfort, auch frech wie ein Hund, ins Antlitz zu schauen;
Nimmer ihm werd ich zu Rat mich vereinigen, nimmer zu Taten!
Einmal betrug er mich nun und frevelte, nimmer hinfort wohl
Täuscht sein tückisches Wort, er begnüge sich! Sondern geruhig
Wandr er dahin; denn ihm raubte der waltende Zeus die Besinnung.

Das ist zwar schwerer zugänglich, aber Achilles' Gefühle werden auch hier, ebenso wie in der Schadewaldt'schen Übersetzung, sehr gut deutlich, finde ich.
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MacOss

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Re: Homer - Ilias
« Antwort #16 am: 07. März 2011, 23:31:55 »

Der Rezensent M. Heider bemerkt aber auf Amazon dazu:

"Diese Unflätigkeit, an der prinzipiell nichts auszusetzen wäre, mag modern erscheinen, entspricht aber ganz und gar nicht der Sprache Homers. Deftigkeit und Unflätigkeit kommt auch in der ältesten erhaltenen griechischen Literatur nicht selten vor, etwa bei Archilochos -- allerdings enthält sich Homer einer solchen Ausdrucksweise zur Gänze."

Ich habe mit etwas freieren Übersetzungen kein Problem, solange sie sinngemäß bleiben. Ich verbuche sowas unter künstlerischer Freiheit für den Übersetzer, der auch immer etwas von sich in den Text einbringen will. Harry Rowohlt handhabt das auch so. :zwinker:

Neugierig geworden musste ich nachgucken, wie der olle Voß diese Stelle übersetzt hat:
(...)

Das ist zwar schwerer zugänglich, aber Achilles' Gefühle werden auch hier, ebenso wie in der Schadewaldt'schen Übersetzung, sehr gut deutlich, finde ich.

Ja, natürlich wird klar, was er meint und fühlt. Mir gefällt aber die Schrott-Übertragung trotzdem besser. Kann ich nicht erklären, warum. Ich fürchte, mir wären die altertümlichen Voßschen und Schadewaldtschen Schilderungen des wilden Kriegsgeschehens vor Troja möglicherweise etwas zu behäbig. Aber ich kenne sie ja auch noch gar nicht, insofern lehne ich sie auch nicht von vornherein ab. Ich will ihnen gerne eine Chance geben... :zwinker:
« Letzte Änderung: 07. März 2011, 23:35:22 von MacOss »
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MacOss

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Re: Homer - Ilias
« Antwort #17 am: 27. April 2011, 15:48:52 »

Oh Mann - soll ich Euch was gestehen? Ich lese immer noch an der Ilias. Zwar noch nicht so lange wie Ingroscha ...

Ich lese nun ja bereits das dritte Jahr an eben dieser Übertragung

... aber doch immerhin schon seit Februar. Ich werde einfach nicht warm mit diesem Schinken.

Ich habe großes Verständnis dafür, wenn jemand einen Zugang zu diesem Werk nicht findet.

Das beruhigt mich. :smile:

Die Prosaübertragung von Raoul Schrott liest sich zwar recht flüssig, doch ich greife immer seltener und mit immer weniger Begeisterung zum Buch. Für meinen Geschmack enthält das Werk ein paar unnötige Längen, es kommen eindeutig zu viele Schlachtenschilderungen vor, bei denen mal die Griechen, mal die Trojaner die Oberhand behalten. Das wogt mal hin, mal her. Außerdem tauchen immer wieder Krieger auf und werden in aller Ausführlichkeit vorgestellt - nur um im nächsten Moment abgemurkst zu werden. Wie soll man denn da eine Beziehung zu den Figuren aufbauen, mein lieber Herr Homer...? :grmpf:

Klar, die Erzählung erstreckt sich über einen relativ großen Zeitraum, aber einige kleinere Kürzungen hätten dem Buch bestimmt nicht geschadet. Da derartige Werke im alten Griechenland ja von Erzählern bzw. Sängern vorgetragen wurden, frage ich mich, wie lange wohl so eine Aufführung gedauert haben mag. :gruebel:

Naja. Ich werd's wohl zu Ende lesen, ich habe nur noch ein knappes Drittel vor mir. Aber jetzt brauch' ich erst mal was Zeitgenössisches und lese meinen Murakami weiter. :breitgrins:
« Letzte Änderung: 27. April 2011, 21:08:06 von MacOss »
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MacOss

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Re: Homer - Ilias
« Antwort #18 am: 30. Dezember 2011, 01:46:30 »

So, ich hab' die Ilias ausgelesen! Nein, halt, so ganz stimmt das nicht. Ich habe nämlich ein wenig getrickst. Ich habe nicht die Übersetzung von Raoul Schrott zu Ende gelesen, noch nicht, weil ich das immer noch vorhabe. Auch die Voß'sche Übersetzung habe ich mir nicht vorgenommen. Ich habe stattdessen vor ein paar Tagen aus einer Laune heraus ins Bücherregal meines Sohnes gegriffen und mir die Fassung von Auguste Lechner geschnappt, die ich ihm vor ein paar Jahren geschenkt habe. :zwinker:

  Auguste Lechner (1905-2005)
Ilias (Nacherzählung)
Erstveröffentlichung: 1977
Verlag: Arena
Taschenbuch
189 Seiten

Es handelt sich dabei um eine stark gekürzte und leicht(er) verständliche Nacherzählung der Ilias aus dem Jahr 1977, die ursprünglich wohl für die Behandlung im Schulunterricht vorgesehen war. Auguste Lechner war u.a. österreichische Staatspreisträgerin für Jugendliteratur und hat zahlreiche derartige Nacherzählungen alter Stoffe, Mythen und Sagen verfasst.

Ich habe mich ja nun schon eine ganze Weile mit der Übersetzung von Raoul Schrott rumgeplagt, die zwar in einem recht modernen Duktus daherkommt und sich eigentlich recht flott lesen lässt. Aber die komplexe Handlung und die vielen Namen und Herkunftsangaben der griechischen und troischen Krieger und all' der Götter erfordern einiges an Aufmerksamkeit, die ich in diesem Jahr leider nicht immer aufbringen konnte. Hinzu kamen immer wieder mal mehr, mal weniger lange Lesepausen, und so habe ich recht bald den Faden und den Überblick über die Handlung verloren. Das hat mich unheimlich geärgert, weil ich das Werk unbedingt lesen wollte.

Die Nacherzählung von Auguste Lechner rafft stattdessen viele Handlungsstränge zusammen und lässt bestimmt auch einiges komplett unter den Tisch fallen. Ist ja bei knapp 200 Seiten auch nicht anders zu machen. Aber das hat mich gar nicht gestört. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir was fehlen würde. Im Gegenteil: Nicht jede Schlacht muss bis in ihre kleinsten Verästelungen geschildert werden, und es müssen nicht unzählige Personen auftauchen, die nur ein paar Absätze später eines mehr oder weniger grausamen Todes sterben. Das große Ganze und der Spannungsbogen bleiben trotzdem die ganze Zeit über erhalten.

Zwar gbt es auch in dieser Erzählung an der einen oder anderen Stelle einige bemüht altertümliche Wendungen (wohl, um den Geist des Klassikers zu bewahren), aber alles in allem handelt es sich um eine gut lesbare Fassung, die sich auf das Wesentliche konzentriert.

Denn vieles ist für mich bei Lechner letztlich viel klarer und deutlicher geworden als bei meinem Leseversuch mit der Schrott-Übersetzung des Originals: sowohl die großen Handlungsstränge im Kampf um Troja als auch die Beziehungen der wichtigsten Figuren zueinander und vor allem, wie sehr die Welt der Götter mit der Welt der Menschen verwoben ist, ihre Rolle im Leben der Menschen und ihr Einfluss auf das Kampfgeschehen, auf die Geschicke der Krieger und das Schicksal der Menschen.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schwer tue mit der Ilias, und ich war schon ziemlich frustriert, aber Auguste Lechner hat es geschafft, mich mit ihrer Nacherzählung zu packen und mir den großartigen Stoff in verständlicher Form näherzubringen. Und schließlich gehe ich jetzt mit ganz neuem Elan an die Übersetzung, denn nun möchte ich sie erst recht weiterlesen. Ich glaube, ich hätte von vornherein erst dieses Buch und dann eine der Übersetzungen lesen sollen, das hätte mir einigen Verdruss erspart.

Also für Leute mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne, die schon immer wissen wollten, was die Ilias ausmacht, ist die Nacherzählung von Auguste Lechner bestens geeignet. :breitgrins:

Sie bekommt von mir 4ratten
« Letzte Änderung: 30. Dezember 2011, 13:02:44 von MacOss »
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HoldenCaulfield

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Re: Homer - Ilias
« Antwort #19 am: 30. Dezember 2011, 12:43:50 »

@MacOss
Dann hat sich die Nacherzählung ja gelohnt! :)
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MacOss

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Re: Homer - Ilias
« Antwort #20 am: 30. Dezember 2011, 13:01:00 »

Auf jeden Fall. Ich habe sie regelrecht verschlungen. Ich werde mal schauen, was Auguste Lechner noch so verfasst hat. Die Suche hier im Forum hat schon mal ergeben, dass auch noch andere Bücher von ihr auf einigen unserer SUBs liegen...
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Isadora

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Re: Homer - Ilias
« Antwort #21 am: 30. Dezember 2011, 16:02:26 »

Ich hab von ihr noch den Parzival herumliegen, den ich ursprünglich ererbt habe. Ich kann dazu nichts Näheres sagen, weil ich nur die ersten paar Seiten gelesen habe (wie wohl bei all meinen Büchern *g*), aber es hat schon mal einfacher begonnen als das mittelhochdeutsche Versepos!  :lachen:

Die Ilias klingt jedenfalls von Auguste Lechner bedeutend spannender...  :rollen: Die Voß-Übersetzung fällt für mich jedenfalls schon mal raus, so scharf bin ich dann auch nicht auf die Hexameter.
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:lesen: Gustave Flaubert: Madame Bovary        :buecherstapel: SUB 327 | Wichtel-Liste 1/5 | SLW 0/5 | Wiener SLW 0/5

suray

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Re: Homer - Ilias
« Antwort #22 am: 30. Dezember 2011, 16:54:29 »

Das hörte sich jetzt so interessant für mich an, dass ich mir soeben ein gebrauchtes Exemplar bestellt habe. So wat Gerafftes ist ja echt ne gute Möglichkeit sich solche "Schinken" anzutun. Tolle Idee!
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Gruß suray