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Autor Thema: Kai Meyer - Der Rattenzauber  (Gelesen 757 mal)

Miramis

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Kai Meyer - Der Rattenzauber
« am: 07. November 2007, 00:33:59 »



Kai Meyer - Der Rattenzauber. Ein unheimlicher Roman um das Mysterium von Hameln

Klapptentext:

Was geschah mit den Kindern von Hameln? 1248. Ein beunruhigendes Gerücht hat den Hof zu Braunschweig erreicht: In Hameln sind auf unheimliche Weise einhundertdreißig Kinder verschwunden. Der junge Robert von Thalstein soll nun Licht in die Sache bringen. Doch er stellt fest, dass seine Vaterstadt einem religiösen Wahn verfallen scheint, vermeintliche Ketzer werden gefoltert und die geistlichen Herren kümmern sich nur ihre Eitelkeiten. Einzig der Italiener Dante Alighieri hilft Robert und berichtet ihm von einem Rattenzauber, der die Kinder in einen nahen Berg gelockt haben soll ...

Meine Meinung:

Mit diesem Roman erzählt Kai Meyer die Legende vom Rattenfänger von Hameln neu; er lässt den jungen Ritter Robert von Thalstein als Ermittler auftreten, der ahnungslos von einer Patsche in die nächste stolpert und von Anfang an fast bis Ende ziemlich ahnungslos ist. Da hilft es auch  nichts, dass er zeitweise den großen Dante Alighieri zur Seite gestellt bekommt, der eltztendlich nur schmückendes Beiwerk bleibt, anstatt für Aufklärung zu sorgen. Bis es soweit ist und der Leser endlich erfährt, was denn nun mit den Kindern von Hameln passiert ist, geschehen seltsame, ja unheimliche Dinge, die mich ganz schön zum Gruseln brachten.

Wer Spaß an der Kombination von historischen und mystischen Elementen hat, wird bestimmt seine Freude an diesem Roman haben - aber Vorsicht: nicht alle Fragen werden zum Schluss beantwortet, und nicht alle Antworten fand ich logisch nachvollziehbar. Die Figur des Robert von Thalstein hat mich letztendlich nicht ganz überzeugt; vor allem nicht seine Verhaltensweise am Ende des Buches, die überhaupt nicht zu dem Robert passt, den ich im Laufe der Handlung kennenlernte.

Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen und mich von den teilweise haarsträubenden Begebenheiten fesseln lassen. Man merkt schon, dass dies eine der ersten Veröffentlichungen von Kai Meyer ist, denn der Sprachstil ist noch nicht ganz so ausgereift wie in seinen neueren Büchern; aber dennoch recht schön zu lesen.

 3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:
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:lesen: Kai Meyer - Die Gebannte

Aldawen

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Antw:Kai Meyer - Der Rattenzauber
« Antwort #1 am: 10. Oktober 2009, 09:46:03 »

Ich habe diese Ausgabe gelesen:

Inhalt: Robert von Thalstein, Ritter im Dienste des Herzogs von Braunschweig, reist in seine Heimatstadt Hameln, da am Braunschweiger Hof Gerüchte aufgetaucht sind, 130 Kinder seien dort verschwunden. Die Stadt untersteht einer geteilten Obrigkeit, neben dem Herzog hat auch der Mindener Bischof Ansprüche, und die Einwohner bezeugen eher diesem ihre Loyalität, was die Ermittlungen für Robert nicht gerade einfacher macht. Das Mysterienspiel, mit dem der Propst Gunthar von Wetterau seine Heiligkeit sicherstellen will, legen ebenso Zeugnis davon ab wie die Verfolgung der Wodansanhänger. Aber nicht nur die Bevölkerung ist abweisend, auch der Vertreter des Herzogs, der Graf von Schwalenberg, erweist sich nicht gerade als Hilfe. In der einfachen Herberge, in der Robert eingekehrt ist, bekommt er mit dem jungen Dante Alighieri, der gleichfalls von dem Verschwinden der Kinder angelockt wurde, nicht nur einen merkwürdigen Zimmernachbarn, sondern in der Gehilfin Maria auch eine verliebte Verehrerin, die vor allerlei obskuren „Liebeszaubern“ nicht zurückschreckt. Den Schlüssel zu den Ereignissen scheint eine Klarissin des örtlichen Klosters liefern zu können, aber ihr Schweigegelübde bricht sie mit Erlaubnis der Äbtissin nur einmal und dabei erfährt Robert nicht halb so viel wie er möchte. Und auch der merkwürdige Einsiedler in der Nähe hat seine Geheimnisse. Seine Ermittlungen werden auch nicht dadurch erleichtert, daß er zunehmend Probleme mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen bekommt, so daß er sich über seine eigenen Handlungen nicht mehr sicher sein kann ...


Meine Meinung: Neben einigen anderen ist auch der „Rattenfänger von Hameln“ so ein Reizwort, bei dem ich automatisch zugreife und daher war ich einigermaßen gespannt, was Kai Meyer aus dem Stoff gemacht hat. Um es gleich vorweg zu sagen: zu wenig Rattenfänger und zu viel versuchte Schockelemente. Robert von Thalstein ist nicht nur tolpatschig, das könnte ich ihm noch nachsehen, wenn er dabei irgendwie witzig oder liebenswert wäre, aber er ist obendrein auch noch ein naiver Trottel. Sympathiepunkte konnte er bei mir jedenfalls nicht ernten, genausowenig wie das versammelte Hamelner Führungspersonal. Die Personen, die interessant gewesen wären und der Geschichte eine unverhoffte Wendung hätten geben können, nämlich Dante und die Wodansjünger, kamen leider nicht so recht zum Zuge. Hier wurde entschieden Potential verschenkt.

Die Auflösung war, was nicht unbedingt ein Nachteil ist, in Teilen ziemlich simpel, weshalb ich mit dieser Variante nicht unbedingt gerechnet hatte, in anderen Aspekten aber derartig konstruiert, um nicht zu sagen: an den Haaren herbeigezogen, daß es schlicht lächerlich wirkte. Daß dabei auch nicht alle Fragen beantwortet werden und ich über mancher Reaktion kopfschüttelnd zurückblieb (allerdings nicht Roberts Tat am Ende, die war konsequent), ist dabei nur ein Faktor, der mich unzufrieden aus dem Roman entließ. Schade, die Ansätze waren eigentlich gut gewählt, aber es wurde zu wenig daraus gemacht, vielleicht auch, weil Kai Meyer sich bezogen auf den Gesamtumfang in zu vielen Handlungsfäden verloren hat, die daher auch nicht vernünftig zusammengeführt werden konnten.

 2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß,
Aldawen
« Letzte Änderung: 10. Oktober 2009, 09:49:43 von Aldawen »
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mondy

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Antw:Kai Meyer - Der Rattenzauber
« Antwort #2 am: 21. November 2009, 16:27:11 »



Inhalt kann den ersten beiden Post entnommen werden, ich habe nichts hinzuzufügen.

Meine Meinung
Mit diesem Buch hat sich Kai Meyer nun unwiderruflich in meiner Autobuy-Liste festgesetzt. Seine eigene Art Fantasy, Mysterie und mehr oder weniger reale Begebenheiten zu vermischen, zieht mich einfach immer wieder an und begeistert!

So auch bei diesem Buch. Die Geschichte rund um den Rattenfänger von Hameln wird aufgegriffen und neu verarbeitet. Dabei fällt einem als erstes die düstere Stimmung ins Auge. Von Anfang an fühlt man die beklemmende Atmosphäre: dauernder Regen, Straßen aus Matsch und mitten in der Stadt eine Wüste aus Bauruinen, besiedelt von Ratten. Die optimale Kulisse für die Handlung und außerdem ein wahnsinnig effektiver "Stimmungsmacher". Zwischendurch war ich mal so deprimiert, dass ich das Buch kurz weglegen musste, um dieses drückende Gefühl los zu werden.

Aber nicht nur der Handlungsort hat mich überzeugt. Auch die Handlung und die verschiedenen Personen fand ich klasse. Die Story rund um den "Rattenfänger von Hameln" dürfte jedem bekannt sein. Kai Meyer nimmt diese zur Grundlage und baut eine Handlung darauf auf, die es in sich hat. Religiöser Fanatismus, Angst, Hass und Egoismus spielen dabei eine ganz große Rolle. Und über all dem liegt ein Geheimnis, dessen Lösung die ganze Stadt kennt, aber nicht preisgeben will. Dadurch entsteht eine Spannung, die einem immer hinterher schleicht. Die Hauptperson, Rober von Thalstein, weiß nie, wem er vertrauen kann, denn letztendlich ist jeder in der Stadt sein Feind.
Natürlich werden aus dieser Masse an Leuten einige herausgepickt: ein Einsiedler, ein italienischer Reisender, eine Nonne, ein Mädchen aus der Herberge, Wodansjünger und kirchliche Vertreter. Insgesamt findet sich hier eine bunte Mischung an Charakteren, die man bis zum Schluss nicht wirklich einschätzen kann.
Dies alles wird dann noch mit mystischen Elementen (vor allem aus dem Bereich der Hölle) gemixt und fertig ist ein Buch, das mich bis jetzt fasziniert und beschäftigt. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass nicht alle Fragen geklärt werden und es dem Leser überlassen bleibt, sich so seine Gedanken zu machen. Für mich übrigens ein positiver Punkt.

Natürlich habe ich auch etwas auszusetzen:
Am Anfang hat mich die altertümlich angehauchte Sprache ziemlich gestört, allerdings gewöhnt man sich irgendwann daran.
Dafür hat mich der Schluss umso mehr "enttäuscht". Achtung, echter Spoiler!!
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Trotzdem bin ich begeistert und vergebe 4ratten für eine spannende Geschichte mit unübertrefflich düsterer Atmosphäre.
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