Hallo zusammen!
Nun habe ich auch den dritten Teil der sog.
Diamant-Trilogie gelesen, der ersten der beiden Trilogien im sog. Kantaki-Universum von Andreas Brandhorst. Persönlich mochte ich von allen drei Teilen vielleicht den zweiten am meisten. Im dritten Teil haben wir den Planeten Kerberos wieder verlassen. Der Zeitkrieg ist in vollem Gange, da es den Temporalen dank Valdorian gelungen ist, aus ihrer Quarantäne auszubrechen. Aus weltanschaulichen Gründen versuchen die Temporalen nun, das existierende Universum zu zerstören - es soll nämlich ein neues Zeitalter anbrechen. Die Zeit wird in viele kleine Fädchen aufgedröselt, in denen sich die Helden der Geschichte immer wieder in immer andern Situationen wiederfinden. Valdorian nämlich, dem es so gar nicht passt, dass ihn nun die Temporalen kontrollieren, bricht aus und zusammen mit Diamant, der Kantaki-Pilotin, versucht er, diesen Krieg doch noch zum Guten zu wenden. - - - Soweit die Story.
Weshalb ich diesen dritten Teil nicht mehr ganz so gut mag wie den zweiten? Vielleicht, weil es nicht mehr so ganz klassische SF ist wie dieser. Wohl kommen noch Aliens vor und auch Raumschlachten. Doch diese Aliens sind nicht mehr nur die Kantaki und ihre Reisen durch Raum und Zeit. Ältere Wesen kommen ins Spiel: die Temporalen, die Konzilianten - und hinter diesen stehen noch ältere: die Prävalenten. Und so kommt es dazu, dass im Grunde genommen die Menschen und die Kantaki einen Konflikt ausfechen und ausbaden, der gar nicht der ihre ist, sondern der zwischen Konzilianten und Temporalen. Und selbst die fechten nicht ihre eigene Sache aus, sondern offenbar die der Prävalenten. Schon Konzilianten und Temporale sind Wesen mit einer Lebensdauer und mit Kräften, die die eines Normalsterblichen (ob Mensch oder Kantaki) im Grunde genommen weit übertreffen. Es erinnert ein wenig an den Trojanischen Krieg, wo Griechen und Trojaner letzten Endes auch nur herhalten mussten, um Zwiste zwischen den Göttern im Olymp auszutragen. Und dahinter steht dann noch eine weitere, noch eine grössere Macht. Das ist mir, ehrlich gesagt, ein bisschen zu metaphysisch, zu phantastisch (im Sinne von: Fantasy) geworden. Sprich: Die Geschichte ist für meinen Geschmack einen Tick zu sehr von der SF in die Fantasy gerutscht. Zwar gebe ich gerne zu, dass Andreas Brandhorst diese Konflikte geschickt und schön aufbaut, geschickter noch, als es Straczynski in der TV-Serie
Babylon 5 gelang, viel geschickter noch als es "Doc" Smith in seinem
Lensmen-Zyklus gelang. (Nicht so geschickt allerdings, finde ich persönlich, wie es Altmeister Lovecraft im
Cthulu-Mythos schaffte. Aber dann kommt an Lovecraft, wenn es um Phantastisches geht, m.M.n. allenfalls noch Poe in seinen besten Geschichten heran

.)
So kam es, dass der Science-Fiction-Charakter der Geschichte für mich rasch in den Hintergrund trat. Dafür trat nun etwas anderes auf. Zum einen gelingt es Andreas Brandhorst im
Zeitkrieg, den Figuren nun Ecken und Kanten zu verpassen, die sie menschlich interessant machen. Valdorian ist nicht mehr einfach der böse Egoist, Diamant nicht einfach nur die Gute und Gütige. Und zum andern habe ich für mich sehr viel Chaos- und Spiele-theoretische Elemente gefunden, die machten, dass ich der Story weiterhin mit Vergnügen folgte. Ob diese Element vom Autor bewusst eingesetzt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, ist aber für den Lesespass, den ich hatte, auch nicht wichtig.
Alles in allem ein sehr gelungenes Buch, auch wenn ich das Label "Science Fiction" eher durch das allgemeinere "Phantastik" ersetzt sehen möchte. Und der kleine spielsüchtige Zwerg macht, dass ich mir ernsthaft vorgenommen habe, die zweite Trilogie ebenfalls zu lesen.

Grüsse
sandhofer