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Autor Thema: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver  (Gelesen 5087 mal)

Alfa_Romea

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #15 am: 19. November 2008, 15:27:03 »

Inhalt:
Johann Wolfgang von Goethe, sein Kollege Friedrich Schiller, der Forscher Alexander von Humboldt, Heinrich von Kleist, Achim von Arnim und Bettine Brentano: Diese illustre Gesellschaft macht sich im Jahr 1805 auf, den französischen Dauphin Louis XVII. aus den Fängen der Truppen von Napoleon Bonaparte zu befreien. Da ausser Humboldt keiner des Teams abenteuererfahren ist, ergeben sich die Schwierigkeiten manchmal von alleine und die Mission verläuft turbulent und gefährlich.

Meine Meinung:
Was uns Robert Löhr da serviert, ist weniger ein historischer Roman als vielmehr ein Abenteurerroman, der vor allem ein Ziel hat: Die Leserschaft zu unterhalten und amüsant zu sein. Diese Vorgaben werden erfüllt, das Buch ist eine Abenteuerschwarte mit Witz und Niveau.
Der Autor verwendet eine «altmodische» Sprache, die aus heutiger (Laien-)Sicht sehr gut in die Zeit passt, in der das Abenteuer stattfindet. Das wirkt zwar manchmal umständlich, schafft aber Atmosphäre. Zudem ist der Roman angereichert mit Zitaten aus den Werken Goethes, Schillers und Kleists. Auch wenn man die Werke dieser Schriftsteller schlecht oder gar nicht kennt, gibts doch ab und zu einen Satz, der einem vage bekannt vorkommt. Die Chance, dass er einem der Werke der Protagonisten entlehnt ist, ist in diesem Fall gross.

Die Zitiererei ist denn – zusammen mit der Einbettung der Story in die reale Geschichte – auch die grösste Schwäche des Romans. Um Zitate einflechten zu können, schafft der Autor immer wieder Situationen, die künstlich wirken und mich gestört haben. Es kam mir beim Lesen manchmal so vor, als ob Löhr eine ungefähre Vorstellung des Verlaufs der Story hatte und dann beim Schreiben öfter Szenen einflickte oder so zurechtbog, wie er sie grade brauchte. Das ist nicht grade elegant und ich dachte beim Lesen mehr als einmal, dass «Das Erlkönig-Manöver» ein wirklich brillantes Buch hätte werden können, wenn weniger dran rumgeflickt worden wäre. So ist es meiner Meinung ein Buch der vergebenen Chancen.

Das heisst jetzt aber nicht, dass es ein schlechtes Buch wäre, im Gegenteil: Es ist unterhaltsam und witzig, gegen Ende wird die Geschichte immer besser und spannender. Das Finale braucht den Vergleich mit Pageturnern aus der Sparte Krimi/Thriller nicht zu scheuen und auch die Emotionen kommen nicht zu kurz.

Fazit:
Empfehlen kann ich dieses Buch all jenen, die Schillers und Goethes Werke mögen, aber auch damit klarkommen. dass die beiden in dieser Geschichte keine lebenden Denkmäler, sondern fehlerbehaftete Menschen aus Fleisch und Blut sind. Wer einfach nur gerne Abenteuerromane liest, ist mit «Das Erlkönig-Manöver» ebenfalls gut beraten. Und: Das Buch macht Lust, (mal wieder) ein Stück von Goethe oder Schiller zu lesen.

6 von 10 Punkten oder 3ratten
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Wer anderen folgt, wird nie zuerst ankommen.

BigBen

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #16 am: 14. Februar 2009, 15:48:42 »

So, nach den Lobgesängen, konnte ich nicht umhin, das Buch auch zu lesen. Es geht fulminant los, aber dann hat es so seine Längen. Ich hatte wohl zu viel erwartet. 3ratten
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sandhofer

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #17 am: 14. Februar 2009, 17:04:39 »

Ich hatte wohl zu viel erwartet.

Nö. Du hast zu wenig gekriegt ...  :breitgrins:
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

Klassikfreund

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Antw:Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #18 am: 18. Dezember 2009, 10:49:10 »

Hallo,

Weihnachten steht vor der Tür. Jemand, der dieses Buch gerne lesen möchten, bekommt es von mir geschenkt. Es steht seit einiger Zeit ungelesen bei mir im Bücherschrank. Ich übernehme auch die Portokosten, kann aber nicht für einen pünktlichen Zugang vor Weihnachten garantieren.

Wer es haben möchte, schreibe mir bitte eine kurze PN. Einzige Voraussetzung: Mindestens 300 Postings hier im Forum.

Gruß, Thomas

P.S. Buch ist an kaluma VERGEBEN. Allen anderen dennoch fröhliche Weihnachten.
« Letzte Änderung: 18. Dezember 2009, 11:38:20 von Klassikfreund »
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cori

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Antw:Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #19 am: 21. Dezember 2009, 11:59:50 »

Zitat
Buch ist an kaluma VERGEBEN. Allen anderen dennoch fröhliche Weihnachten.


Warum hast Du es nie gelesen?
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Klassikfreund

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Antw:Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #20 am: 21. Dezember 2009, 15:55:23 »

Zitat
Buch ist an kaluma VERGEBEN. Allen anderen dennoch fröhliche Weihnachten.


Warum hast Du es nie gelesen?

Es gibt einfach eine Art von Literatur, die mich einfach nicht (mehr) reizt. Ich lese ja nicht nur Klassiker, sondern durchaus auch Modernes, aber das muss mich dann halt ansprechen. Ein modernes Buch, welches mit Klassikerzitaten spielt, reizt mich wenig. Innerlich bin ich wohl der Ansicht, dass dieser Autor bald vergessen sein wird. Da mag ich mich täuschen, da ich das wenig fundiert begründen kann, aber die Rezensionen hier und auf Amaz* reichen mir für mein (Vor-)Urteil.

Gruß, Thomas
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cori

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Antw:Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #21 am: 21. Dezember 2009, 16:18:28 »

Da hast Du Recht - dann darst Du auch nie Kunderas Buch über die Literatur lesen... das ist die Lähmung!

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Valentine

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #22 am: 05. April 2011, 11:00:12 »

Anno 1805 zieht eine kleine erlesene Schar in geheimer Mission aus, um den französischen Thronfolger vor der Gefangennahme durch Napoleon zu bewahren. Das "Sonderkommando" besteht aus keinen Geringeren als Goethe, Schiller, Alexander von Humboldt, Achim von Arnim und Bettine Brentano, die in einer waghalsigen Nacht-und-Nebel-Aktion auf französischem Terrain ihren Auftrag ausführen wollen. Diesen hatten sie bei einem denkwürdigen Zusammentreffen von einer zusammengewürfelten Gruppe von Anhängern des ehemaligen Königs Ludwig XVI. erhalten.

Das Ganze gestaltet sich noch abenteuerlicher, gefährlicher und langwieriger, als man sich hätte träumen lassen, lange Aufenthalte unter freiem Himmel, Kämpfen mit bewaffneten Gegnern, die kein Pardon kennen, und Auseinandersetzungen innerhalb der kleinen Verschwörertruppe eingeschlossen.

Eine Warnung vorab: wer sich daran stört, unsere deutschen Dichterfürsten in der Rolle von durchaus handfest agierenden Actionhelden zu sehen, sollte dieses Buch gar nicht erst anfassen!

Manche Actionszenen waren in der Tat ein bisschen zu filmreif und das Schlusskapitel ein bisschen dick aufgetragen, aber davon abgesehen hatte ich einen Heidenspaß mit dieser herrlich zusammenfabulierten und illuster besetzten Räuberpistole, bei der ich nebenbei auch noch einiges an deutscher und französischer Geschichte gelernt habe. Robert Löhr gelingt die Synthese aus Slapstick, Action und dem kreativen Spiel mit Klassikerzitaten auf das Schönste. Die politische Lage der damaligen Zeit bleibt ebensowenig ausgespart wie der Streit zwischen den verschiedenen Strömungen in der Kunst, und sprachlich trifft Löhr den richtigen Ton, ein wenig altertümelnd, aber jederzeit lesbar, und mit Ironie und bissigem Witz, der bisweilen ein wenig an Kästner erinnert.

Ein gescheiter, bekloppter, wunderbarer Lesespaß für Leute, die Klassiker und entsprechende Anspielungen kennen und mögen - aber bitteschön ohne verstaubten Respekt.

4ratten
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Until I feared I would lose it, I never loved to read. One does not love breathing.
Harper Lee, To Kill a Mockingbird

Wer lesen kann, hat ein zweites Paar Augen, und er muss nur aufpassen, dass er sich dabei das erste Paar nicht verdirbt.
Erich Kästner