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Autor Thema: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver  (Gelesen 5086 mal)

Thomas_R

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Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« am: 19. Oktober 2007, 16:12:59 »

Robert Löhr
Das Erlkönig-Manöver

ISBN: 349204929X



Der Autor:

Robert Löhr, geboren 1973, lebt in Berlin.
Das Erlkönig-Manöver ist nach "Der Schachautomat" sein zweiter Roman.
Er ist ausgebildeter Journalist und Drehbuchschreiber.
Er arbeitet auch als Regisseur, Schauspieler und Puppenspieler.
Homepage

Inhalt:

Februar 1805:
Die Revolution aus Frankreich droht in Gestalt des Kaisers Napoleon über Deutschland hinwegzurollen.
Schon hat Napoleon die Grenze bis an den Rhein geschoben, Mainz ist besetzt.
Da erreicht eine geheime Nachricht Weimar:
Der Sohn des Königs Ludwig dem XVI soll das Massaker überlebt haben.
Doch er wurde bei seiner Rückkehr gefangen genommen und ist nun im Mainz eingekerkert.
Eine Gruppe Royalisten will Napoleon stürzen und den König wieder auf seinen angestammten Thron setzen.

Johann Wolfgang von Goethe erhält den Auftrag, den jungen König zu befreien und in Sicherheit zu bringen.
Er macht sich mit seinem Freund Schiller und Alexander von Humboldt auf den Weg.
In Frankfurt gesellen sich dann noch Bettine Brentano und Achim von Arnim zu der Truppe.
Im schon besetzten Teil Deutschlands stößt dann noch Heinrich von Kleist unter abenteuerlichen Umständen hinzu.

Das Husarenstück gelingt zunächst, und Goethe und seine Freunde sind auf der Flucht.
Verfolgt von Capitane Santing, einem Bayern, fliehen sie quer durch Deutschland bis tief in den Kyffhäuser.
Am Ende wartet auf die verwegene Truppe eine große Überraschung.

Meine Meinung:

Das Erlkönig-Manöver ist ein witziges Buch, das mit vielen Einfällen besticht.
Auch die Spannung kommt nicht zu kurz.
Die Handlung ist straff gespannt, eine Gelegenheit, dass Buch aus der Hand zu legen bekommt man selten.
Auch die Verhältnisse in Deutschland zur damaligen Zeit werden hier auf eine interessante Art und Weise dargestellt.

Goethe, Schiller, Humboldt und die anderen bekannten Schriftsteller werden als Menschen dargestellt, mit denen man sich
identifizieren kann. Schiller raucht den übelesten Tabak, Goethe verliebt sich in eine junge Frau.
Einfach Menschen wie Du und ich. Hier wird Geschichte lebendig gemacht. (Sollten auch die dargestellten Personen nicht
unbedingt geschichtstreu beschrieben sein, kann man dem Autor das nachsehen.)

Durch die viele Zitaten aus den Werken der beteiligten Dichter (mit Sicherheit habe ich noch viele mehr gar nicht
bemerkt), welche in die Gespräche eingestreut sind, gewinnt dieses Buch auch an Sprachwitz.
Da denkt man teilweise wieder an die Schulzeit zurück, als man diese Klassiker noch lesen "mußte".


Meine Wertung:

Das Buch hat mir beim Lesen viel Spass gemacht und meine Erwartung nicht enttäuscht.

5ratten   :tipp:
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Gruß
Thomas

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Aldawen

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #1 am: 19. Oktober 2007, 17:50:21 »

Danke, Thomas!  :winken:  Das Buch wird sicher sehr kurzfristig seinen Weg zu mir finden. Diese Ansammlung an Persönlichkeiten in einem solchen Plot kann ich mir einfach nicht entgehen lassen. Und wenn man dann gleich auch noch ein Zitatequiz mitgeliefert bekommt ...  :breitgrins:

Schönen Gruß,
Aldawen
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HoldenCaulfield

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #2 am: 19. Oktober 2007, 18:42:00 »

Das Buch ist vor ein paar Wochen auf meinen Wunschzettel gelandet. Wie es ausschaut wird es sich lohnen es dort ganz schnell wieder herunter zu nehmen :)
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Liandra

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #3 am: 19. Oktober 2007, 20:36:22 »

So, auf meinem Wunschzettel ist dieses Buch jetzt auch gleich gelandet.

Klingt echt interessant und spannend!  :smile:

LG
Liandra
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Geli

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #4 am: 19. November 2007, 10:27:56 »

Ich habe bei meinem Buchhändler reingeschmökert und gleich gekauft! Das ist perfekt für meinen Mann!!!  :klatschen:
Danach les ich es.
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HoldenCaulfield

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #5 am: 26. April 2008, 18:24:33 »

Und schon ist es gelesen^^ ich glaub ich kauf mir das Buch vielleicht sogar mal *gg* Ein Re-read würde mir sicher viel Spaß machen *g* Vielleicht wenn ich mir mal ein Bein gebrochen habe und etwas zu lachen brauche :breitgrins:

Meine Meinung:

Ich hab so das Gefühl das Robert Löhr einen Heidenspaß beim Schreiben hatte. :breitgrins: Ich selbst hatte ihn jedenfalls und habe mich über aus köstlich amüsiert. :elch:
Da ich ein Fan von Romanen bin in denen berühmte Dichter und Autoren vorkommen konnte ich hier einfach nicht wiederstehen.
 Irgendwie ist die Geschichte so herrlich überzogen. Gerade die Zusammenstellung der Figuren ist ein Stell Dich ein von den wichtigsten Dichtern und Schriftstellern der Deutschen Lande. Goethe, Schiller, Kleist, von Arnim und Bettine Brentano und dann auch noch Alexander von Humboldt auf geheimer Mission, Sturm und Drang/Klassik trifft auf Romantik trifft auf Wissenschaft trifft auf Kleist :breitgrins: Für mich als Fan von genau diesen Literarischen Epochen war das ein wahres Lesevergnügen. Immer wieder kam ich ins schmunzeln oder musste laut herauslachen. Die Figuren waren dermaßen absurd miteinander verbunden, es war toll^^ Außerdem sollte man zumindest eine grobe Vorstellung der verschiedenen Epochen haben. Löhr macht hier eine Menge literarische und allgemeine Anspielungen. Vor allem Die Räuber und Faust sollte man zumindest ein bisschen kennen. Das sorgt für ein paar Lacher mehr ;)

Dennoch der Autor erfindet nicht gänzlich alles und das ist mit ein Punkt weshalb mir der Roman so gut gefallen hat. Die geschichtliche Wirklichkeit behält er immer im Blick. So kommen gerade Gefühle gegen die Franzosen sehr gut rüber. Durch den Geschichtskurs (Profilfach – so was wie Leistungskurs) bin ich in dem Zeitraum noch recht gut verhaftet (wenn wir auch Napoleon ausgelassen haben) und so kann ich das ganze auch im Geschichtlichen Kontext betrachten. Immer wieder wird vor allem auch Kleists Abneigung gegen die Franzosen zum Einsatz, der ja auch im wahren Leben ein Patriot sonder gleichen war.
So bleibt Löhrs Roman zwar natürlich Fiktion aber dennoch bekommt man einen schönen Überblick über die wichtigsten Literarischen Strömungen jener Zeit und über die allgemeine Stimmung in Deutschland die sich damals gegen die Franzosen richtete.

Mir persönlich hat der Roman sehr gut gefallen und auch ich kann ihn daher nur wärmstens empfehlen!


Zitat
Sie erschießen mich nicht" sagte Goethe zum Lieutenant.
"Ach nein? Und warum nicht?"
"Weil ich Schriftsteller bin und Napoleon, der meine Bücher hoch schätzt, Ihnen diesen Mord nie vergeben würde."
"Welche Bücher?"
"Zum Beispiel `Die Leiden des jungen Werthers´Er hat es siebenmal gelesen."
"Wenn der ´Werther`von ihnen ist, muss ich Sie umso mehr erschießen."

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« Letzte Änderung: 26. April 2008, 19:08:51 von HoldenCaulfield »
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Geli

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #6 am: 16. Mai 2008, 12:45:50 »

Was hab ich gelacht! Das ist das witzigste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen hab! Mein Mann hat es mir ganz dringend empfohlen. Er meinte, da seien Goethe, Schiller, Kleist &c so wie sie sich selbst gern gesehen hätten.

Die Helden der Deutschen Klassik, die enttäuscht sind von der Französischen Revolution und dem, was Napoleon, der nächste Hoffnungsträger, so treibt, sollen Europa rettten, indem sie in Wien den (mutmaßlichen) französischen Thronfolger aus den Händen des französischen Heeres befreien, damit er als rechtmäßiger König eingesetzt werden kann. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Auch wenn die Befreiungsaktion gelingt, sind unsere Helden (Goethe, Schiller, Kleist, Bettine Brentano und Achim von Arnim) danach mit dem jungen Louis auf der Flucht. Die Reise findet ausgerechnet am Kyffhäuser ein vorläufiges Ende. Schiller kann sich zwar als Königserzieher fühlen (da denk ich doch an die "Briefe zur ästhetischen Erziehung"! :breitgrins:), Bettine schmeißt sich Goethe an den Hals ("Briefe eines Kindes") und Kleist und von Arnim liegen sich in den Armen. :breitgrins: Aber............ Nein, mehr will ich jetzt nicht erzählen! Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, im "Indiana Jones" zu gucken. So muss man das Buch wohl auch sehen: Ein fröhlicher Gewaltritt durch die Deutsche Klassik und Romantik.

Das Erlkönig-Manöver ist eines meiner Highlights in diesem Jahr! 5ratten und :marypipeshalbeprivatmaus: =>  :tipp:
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Lilka

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #7 am: 26. Mai 2008, 16:45:18 »

Danke für den Tipp!
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Hildegunst

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #8 am: 28. Mai 2008, 19:07:31 »

Ich habs vor einigen Monaten ebenfalls beim Stöbern bei Thalia entdeckt und zack mitgenommen, bei dem Rückentext und dem Zitat, welches HC ja auch gequotet hat, war mir gleich klar, dass das goldrichtig sein würde - und richtig genug, inzwischen hat sich sogar mein Bruder, eigtl ebenfalls lesebegeistert, aufgrund von Umzug und in zwei Wochen anstehender Hochzeit allerdings sehr kurz angebunden momentan, darüber kaputtgelacht und dieses Buch muss wohl trotz seines engen Zeitplans seine Leseleidenschaft wieder so angefacht haben, dass jetzt wasauchimmer darunter leiden muss, aber das finde ich sehr klasse - solange es nicht sein zukünftige Frau ist (obwohl die widerum fast so buchverrückt ist wie ich, von daher hat die Hochzeit ohnehin meinen Segen  :breitgrins: )

Also:

5ratten  :marypipeshalbeprivatmaus:



LG
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Thomas_R

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #9 am: 18. September 2008, 21:44:44 »

Für Interessierte:

Die Taschenbuchausgabe erscheint demnächst!

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Gruß
Thomas

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SheRaven

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #10 am: 21. September 2008, 00:08:43 »

Und auf www.leserunden.de gibts ab 20. Oktober eine Leserunde dazu!
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Liebe Grüße
SheRaven

illy

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #11 am: 04. November 2008, 19:09:22 »

Man muss als Autor schon reichlich mutig sein, um zu versuchen einen, zu napoleonischen Zeiten spielenden, historischen Abenteuerroman zu schreiben, in dem sich sämtliche Größen der damaligen deutschen Literaturszene versammeln. Goethe, Schiller, Achim von Arnim, Bettine Brentano, Kleist und der Forscher Humboldt als Beigabe versuchen gemeinsam den französischen Dauphin, den Sohn des der Revolution zum Opfer gefallenen Ludwig XVI, in einem Handstreich aus der Gefangenschaft Napoleons zu befreien.

So unvorbereitet wie die Helden in ihr Abenteuer stolpern, wirkt leider auch manchmal Robert Löhrs Herangehensweise an die Geschichte. Die Figuren sind durchaus in ihren typischen Eigenarten getroffen, so einige historische Ereignisse korrekt eingeflochten, nur bei der Ausarbeitung des Plots haperte es ein wenig. So handeln die Personen manchmal nicht so, wie es logisch und vernünftig wäre, sondern eher so, wie es dem Autor am besten in die Geschichte passt. Einzelne Szenen strotzen nur so vor Witz, sehr viele lustige Situationen entstehen gerade dadurch, dass alle „Helden“ eben keine professionellen "Abenteurer" sind und manchmal ganz absurde Präferenzen setzen. Humboldt ist da eher eine Ausnahme und sorgt eher dann für das Amüsement des Lesers, wenn er, wie in einem schlechten Fantasy-Roman, immer die passenden Gerätschaften aus dem Rucksack hervorzaubert. Einige dieser unpassenden Handlungsverläufe kann man also durchaus den Figuren in die Schuhe schieben und sind durch ihre Eigenarten gedeckt, aber manche dienen leider auch nur dem geplanten Handlungsverlauf. Das Buch wirkt dadurch manchmal etwas unrund, einzelne Szenen sind zwar hervorragend, aber der Gesamtheit der Geschichte fehlt es an Zusammenhalt. Und gerade das Ende schwächelt, der abschließende Showdown ergibt sich nicht wirklich aus dem Verlauf der Geschichte, sondern wirkt nachträglich hinzugefügt.

Das klingt jetzt vielleicht negativer, als es gemeint ist, ich habe den Slapstick, die hübsch skurrilen Eigenarten und Nebenbemerkungen sehr genossen, sie haben mich erfolgreich über die eher grundlegenden Schwächen der Geschichte hinweggetröstet. Einen positiven Punkt muss ich noch hervorheben, das Buch ist definitiv sehr gut dazu geeignet, einem die Literaten selbst näher zu bringen, ich würde es fast schon als amüsante Einstiegslektüre in die Geschichte der deutschen Klassiker empfehlen. Es animiert dazu, das eine oder andere Werk der deutschen Literaturgrößen zur Hand zu nehmen und sei es auch nur um ein paar mehr der zahlreichen Zitate zuordnen zu können.

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kathchen

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #12 am: 10. November 2008, 00:33:04 »

Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver


Klappentext:

Im Februar 1805 setzt eine bunte Truppe im Schutz der Dunkelheit über den Rhein: Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, Achim von Arnim und Bettine Brentano sowie Heinrich von Kleist und Alexander von Humboldt. Ihr Auftrag: Den wahren König von Frankreich aus dem französisch besetzten Mainz zu befreien. Ihr Gegner: Napoleon Bonaparte, der mächtigste Mann der Welt. Mit intelligentem Witz und fundierter Sachkenntnis beschert uns Robert Löhr einen hinreißenden historischen Roman um die Ikonen der deutschen Literatur.

Meine Meinung:

"Das Erlkönig-Manöver" ist kein gewöhnlicher historischer Roman.
Ein Team, bestehend aus den Literaten Goethe, Schiller, Bettine Bretano, Achim von Arnim und Humboldt, macht sich auf den Weg nach Frankreich um den Dauphin Charles-Louis zu retten und Napoleon zu stürzen. Unterspielt wird das ganze mit vielen verschiedenen Zitaten aus Klassikern und viel Witz.
Zwar waren die Charaktere nicht so ausgearbeitet, wie man es von anderen Romanen erwartet, aber gestört hat mich das herzlich wenig. Für mich stand der Spaß an oberster Front und den hatte ich auf alle Fälle.
Während des Lesens bekam ich richtig Lust auf Klassiker und ich finde es richtig schade, dass ich viele Anspielungen und Zitate nicht finden konnte. Doch diese "Bildungslücke" werde ich in näherer Zukunft schließen.
Leider war mir das Ende etwas zu schnell und ich fand es nicht so ganz passend, zu dem restlichen Verlauf der Geschichte.

Nach Zuklappen des Buches wurde ich mit einem zweigespaltenen Gefühl zurückgelassen. Einerseits hat mir das Buch richtig gut gefallen, ich hatte großen Spaß und habe mich über Personen geärgert und gefreut, aber andererseits war ich doch etwas ratlos und mehrere Fragezeichen schwebten noch über meinem Kopf.

Insgesamt ist es für mich ein sehr unterhaltsamer Roman und ich habe das Lesen sehr genoßen.
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Aldawen

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #13 am: 10. November 2008, 19:54:11 »

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen könnte: Dies ist alles mögliche, aber kein historischer Roman – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn –, sondern eine waschechte Abenteuergeschichte und Räuberpistole. Beim Lesen hatte ich eher den Eindruck, daß die Namensgleichheiten auch zufällig sein könnten, denn mit dem Bild deutscher Geistesgrößen in meinem Kopf hatten die hier versammelten Herrschaften nur wenig gemein. Daraus ergibt sich aber auch eine Schwäche: Einerseits habe ich natürlich nach meinem Bild von ihnen in diesen Figuren gesucht, andererseits blieben sie doch etwas blaß. Letzteres ist allerdings auch der teilweise rasanten Handlung geschuldet – und dem mangels Training oder genereller Veranlagung bestehenden Unvermögen der Protagonisten (mit Ausnahme Humboldts) als Abenteuerer durchzugehen. So gerät die Gruppe in teils haarsträubende Situationen, die eine besser ausgebildete Truppe sicher vermieden hätte, was aber weniger Spaß für den Leser bedeutet hätte.

Die Geschichte nimmt einige überraschende Wendungen, während andere Situationen recht konventionell oder gar konstruiert aufgelöst werden. Da ich aber von vornherein im wesentlichen eine Abenteuergeschichte erwartete hatte und in einem solchen Kontext derartige Zufälle (Logikbrüche wäre hier m. E. ein zu starkes Wort) sehr viel leichter verschmerze als in anderen Erzählungen, hat mich das nicht besonders gestört. Einzig das Ende war, bei aller Dramatik, zu losgelöst vom Rest, daran ändert auch das im wesentlichen gleiche Personal nichts.

Schließlich liefert Rober Löhr ergänzend noch ein Quiz bekannter und weniger bekannter Zitate, die oft sehr gut, manchmal etwas gewollt in die Handlung eingebettet waren. Mich hat der Roman jedenfalls dazu angeregt, den ein oder anderen Text der hier beteiligten Klassiker (noch) einmal zur Hand zur nehmen, und mit der dann frischeren Erinnerung daran, dieses Buch noch einmal zu lesen, um den Zitaten besser auf die Spur zu kommen. Für die insgesamt aber vergnügliche Lesezeit gibt's

 4ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
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Myriel

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Re: Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver
« Antwort #14 am: 11. November 2008, 20:46:32 »

Wir schreiben das Jahr 1805. Goethe wird von seinem Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach ins Weimarer Schloss gerufen, wo ihm der Auftrag angetragen wird, den jungen Louis XVII., Sohn des während der französischen Revolution gestürzten Louis XVI., welcher offiziell als im Alter von 10 Jahren verstorben gilt, aus dem französischen Mainz zu retten. Goethe rekrutiert eine Reihe von illustren Kameraden – Friedrich von Schiller, Alexander von Humboldt, Bettine Brentano, Achim von Arnim und zuletzt Heinrich von Kleist – um diesen Auftrag auszuführen.

Der Einstieg erfolgt rasant und humorvoll, geraten doch Goethe und Schiller in eine Kneipenprügelei, nachdem Goethe dargelegt hat, dass der Mensch von den Tieren abstammt, was den anwesenden Bauern nicht recht gefallen wollte. Amüsiert verfolgte ich diese andere Seite der großen Dichterfürsten, die sie mir sogleich sympathisch machten. Mit den Spuren der nächtlichen Sportübung gezeichnet wird Goethe eilig zum Herzog gerufen, wo ihm oben genannter Auftrag erteilt wird. Anstatt sich jedoch mit erfahrenen Soldaten zu umgeben, wählt er, von Humboldt abgesehen, nur Dichter zu seiner Verstärkung aus. Dass dies nicht gut gehen kann, wird schnell deutlich. Mit mehr Glück als Verstand gelingt das Vorhaben tatsächlich, doch nun gehen die Probleme erst richtig los, werden die Abenteurer von einem hartnäckigen französischen Captain quer durch Deutschland verfolgt.

Während der Einstieg sich noch flüssig las und eine andere, wenn auch fiktive Sicht, auf die Dichter der Weimarer Klassik darbot, geriet die Erzählung mit fortschreitendem Handlungsverlauf zunehmend ins Stocken. Harmlos dahinplätschernde Szenen vollster Romantik wechselten plötzlich mit einem handfesten Feuergefecht, kabalistisch anmutende Liebesverwirrungen wurden von verräterischer Untreue unterbrochen. Ich wusste nie, worauf ich mich eigentlich einlassen sollte: war es Abenteuer-, Liebes- oder Historienroman?
Auch die Charaktere machten es nicht besser. Zu Beginn war der erfrischend andere Blickwinkel belebend und ich entwickelte sogar für den in der Schule auf ein überhohes Podest gehobenen Dichterfürsten Goethe Sympathien. Doch nach und nach verspielte beinah jedes Mitglied der seltsamen Befreiungsgruppe ebendiese, bis zum Schluss nur noch Schiller übrig blieb. Dementsprechend schwer fiel es mir, von den Geschehnissen rund um eine Gruppe zu lesen, von denen mich nur ein Einziger interessierte.

Was es für mich jedoch am Schwierigsten gemacht hat, weiterzulesen, war, dass einfach keine Bilder vor meinem inneren Auge entstanden. Alles blieb merkwürdig blass und flach, der Funke sprang einfach nicht über.

Das klingt jetzt alles sehr harsch und vernichtend, aber der Roman hatte auch interessante Ansatzpunkte. Zuerst will ich den ungewöhnlichen Zugang zu den großen deutschen Dichtern loben, der selbst diejenigen (zumindest anfänglich) begeistern kann, die vom Schulunterricht geschädigt sind. Zudem hat der Autor immer wieder Zitate aus und Anspielungen auf die Werke ebendieser Dichter eingebaut, so dass es ein munteres Suchen war. Dadurch wurde bei mir auch die Lust geweckt, es nochmals außerhalb des schulischen Zwangs mit Goethe, Schiller & Co. zu versuchen.

Leider reichten die positiven Aspekte aber nicht aus, um die Negativen zu überdecken. So ist es vollkommen unpassend, zwischen all den klassischen Zitaten auf einmal eine Homage an Crocodile Dundee einzuflechten. („Das ist ein Messer.“) Insgesamt kann ich daher nicht mehr als 2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus: vergeben für diesen Roman, der so vieles gleichzeitig sein wollte, und dabei keines seiner Ziele erreichte.
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