So, ich bin jetzt natürlich inzwischen auch durch.
Alles in allem hat es mir gut gefallen, wenn es auch teilweise etwas verwirrend und unübersichtlich war. Mit dem Ende kann ich ebenfalls leben, obwohl ich mich frage: wer hält denn jetzt das Gleichgewicht? Es muß ja ein Macht-Vakuum entstanden sein. Aber vielleicht klärt sich das in den Folgebänden

.
Ja, Lycidas war mir ebenfalls sehr sympathisch. Er tat mir unheimlich leid, weil er von Lilith getrennt wurde und keine Chance hatte, jemals wieder mit ihr zusammen zu kommen. Seine "Geschichte", besser gesagt, die Mythen, die sich um ihn ranken, fand ich schon immer faszinierend.
Lilith war hingegen ein Charakter, den ich nicht ganz einordnen konnte. Auf der einen Seite wurde sie als extrem grausam dargestellt und auf der anderen Seite war sie das genaue Gegenteil. Sie ist eine faszinierende mythologische Gestalt, über die ich schon einiges gelesen habe, so daß ich Marzis Sicht der Dinge nicht zustimmen kann. Andererseits - wenn sie tatsächlich all die Jahrtausende überlebt hat - wer weiß, ob sie da nicht auch einige charakterliche Änderungen erfahren hätte.
Interessant übrigens, daß Marzi einen Großteil der Geschichte im Lesesaal des British Museum spielen läßt und nicht einmal erwähnt, daß dort ein uraltes Relief mit einer Abbildung von Lilith zu sehen ist

. (Ich habe sicher schon erwähnt, daß ich so ziemlich jedes Jahr nach London fliege und das BM zu meinen Lieblingsmuseen zählt? Ich kenne sogar den McDonalds am Piccadily!

).
Wittgenstein ist mir ebenfalls sehr sympathisch, genauso wie Little Neil und dieser Tunnelstreicher, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe (Du weißt schon, der, der ganz am Schluß mit dabei ist).
Oh, und das Irrlicht! Ich liebe Irrlichter!
Bei Emily und Aurora wurde ich immer wieder an Merle und Junipa aus Kai Meyer's Fließender Königin erinnert. Hier war allerdings Junipa blind (bis sie Spiegelscherben (sic!) als Augen bekam). Zu J. bekam ich die gesamte Trilogie hinweg keinen Bezug, ja, ich faßte sogar eine gewisse, unbegründete Abneigung gegen sie, die sich leider hin und wieder auf Aurora übertrug. Ich mußte mir immer wieder bewußt machen, daß Aurora ja eine ganz andere Person ist. Im Rückblick sind Emily und Aurora das interessantere Paar, die Beziehung ist irgendwie "echter", authentischer, tiefer.
Das hat mir übrigens auch sehr gefallen: Marzi schaffte es mit wenigen Worten, Beziehungen darzustellen und Personen zu charakterisieren. Ich mag den leicht ironischen Ton, in dem Wittgenstein erzählt. Ich liebe London und fühlte mich in Marzis Version davon sofort heimisch, vielleicht, weil er es ähnlich sieht wie ich. Andere Bücher, die in London spielen, geben mir oft das Gefühl, da war einer auf dem Stadtplan unterwegs, hat aber die Stadt noch nie erlebt - weder bei Tag, noch bei Nacht (und Du kannst mir glauben, nachts ist London ganz anders).
Ganz liebe Grüße
Rio