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Autor Thema: Alex Capus – Eine Frage der Zeit  (Gelesen 3891 mal)

yanni

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Antw:Alex Capus – Eine Frage der Zeit
« Antwort #15 am: 17. November 2009, 19:36:57 »

Zum Inhalt des Buches wurde ja schon genügend geschrieben, daher möchte ich mir dies sparen.

"Eine Frage der Zeit" behandelt ein Kapitel deutscher Kolonialzeit, die wahrscheinlich kaum jemandem bekannt ist. So verrückt sich das Unterfangen, ein Dampfschiff in Deutschland zu bauen, zu demontieren und am Tanganjika-See wieder zu montieren, liest, entspricht es doch den Tatsachen.

Alex Capus verpackt diese Geschichte in seinem Roman auf sehr lesenswerte Art. Obwohl er manches Mal ziemlich ins Detail geht, wird der Leser von diesem Buch geradezu gefangengenommen. Es geht dabei nicht nur um das Dampfschiff "Götzen", die von den drei norddeutschen Werftarbeitern in Deutsch-Ostafrika zusammen gebaut werden soll. Denn wir reisen mit den dreien an den Tanganjika-See - in eine fremde Kultur, zu den Schwarzen und die sie beherrschenden Kolonialherren.
Das einzige, was mir an dem Roman nicht gefiel, war dass meiner Meinung nach übertrieben positive Verhalten der drei den Einheimischen gegenüber. Das war mir etwas zu sehr Schönfärberei. Besser gefallen hat mir in diesem Zusammenhang die Bemerkung des deutschen Offiziers, der den Schwarzen lediglich übel nahm, dass sie ihn zwingen Dinge zu tun, die er für böse hält, aber aufgrund seiner Stellung dazu gezwungen ist. Er muss als Offizier handeln und nicht als Mensch.
Es sind jedoch auch die Schiffbauer, die er unter Druck setzen muss. Der Dampfer muss fertig werden und auch die Wissmach bedarf der Überholung. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden Rüter, Tellmann und Wendt seinem Kommando unterstellt. Über längere Zeit gelingt es ihnen durch Arbeitsverzögerungen passiven Widerstand gegen ihre aktive Kriegsteilnahme zu leisten.

Den bedächtigen, wortkargen Deutschen wird ein Ausbund von Energie in Gestalt von Geoffrey Spicer Simson, Commander der britischen Armee, gegenüber gestellt. Das groteske und abstossende Verhalten Simsons unterstützt noch das "Feindbild". Und gerade er war es, der mich am meisten überraschte.
Mit spitzer Feder zeigt Capus die Lächerlichkeit der Gefechte auf dem See auf. Da ist man versucht beim Lesen den Kopf zu schütteln über dieses ganze Gehabe.

Ich bin sehr angetan von diesem Roman und kann ihn nur weiterempfehlen.

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dubh

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Antw:Alex Capus – Eine Frage der Zeit
« Antwort #16 am: 17. November 2009, 21:46:42 »

Hallo yanni,

schön, dass Dir das Buch auch so gut gefallen hat! Irgendwie ist es mir "Eine Frage der Zeit" immer noch eine Herzensangelegenheit und ich freue mich über jede/n LeserIn, die/ den es gewinnen kann...


Das einzige, was mir an dem Roman nicht gefiel, war dass meiner Meinung nach übertrieben positive Verhalten der drei den Einheimischen gegenüber. Das war mir etwas zu sehr Schönfärberei.

Ja, da magst Du recht haben! Die Papenburger sind zwar überzeugte Arbeiter und durchaus politisch links angesiedelt, aber für die damalige Zeit vielleicht doch einen Tick zu internationalistisch. Obwohl ich ihnen die Naivität, mit der sie an andere (und eben auch an Schwarze) herangehen, durchaus größtenteils abnehme. Wer wirklich solidarisch und kollegial denkt, für den gibt es keine Unterschiede, in keinster Hinsicht.
Und die Szene im Zug mit dem Bier, das man sich auch selbst holen könne, ist doch großartig, oder? :zwinker:

Liebe Grüße
dubh
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yanni

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Antw:Alex Capus – Eine Frage der Zeit
« Antwort #17 am: 17. November 2009, 23:43:09 »

Und die Szene im Zug mit dem Bier, das man sich auch selbst holen könne, ist doch großartig, oder? :zwinker:

Das ist richtig.  :breitgrins:  Und er hat ja auch später sein Bestes gegeben, aber was will man gegen so eine Übermacht und deren Argumente noch ins Feld führen.  :belehrerin:
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Aldawen

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Antw:Alex Capus – Eine Frage der Zeit
« Antwort #18 am: 18. November 2009, 08:18:38 »

Freut mich, daß es Dir so gut gefallen hat, yanni! Das Buch hat es auch wirklich verdient.

Das einzige, was mir an dem Roman nicht gefiel, war dass meiner Meinung nach übertrieben positive Verhalten der drei den Einheimischen gegenüber. Das war mir etwas zu sehr Schönfärberei.

Ja, da magst Du recht haben! Die Papenburger sind zwar überzeugte Arbeiter und durchaus politisch links angesiedelt, aber für die damalige Zeit vielleicht doch einen Tick zu internationalistisch. Obwohl ich ihnen die Naivität, mit der sie an andere (und eben auch an Schwarze) herangehen, durchaus größtenteils abnehme. Wer wirklich solidarisch und kollegial denkt, für den gibt es keine Unterschiede, in keinster Hinsicht.

Dazu kommt noch natürlich noch ein anderer Faktor. Die drei Arbeiter sind nicht Bestandteil des eigentlichen Herrschaftsapparates wie die Soldaten und Verwaltungsleute. Sie haben nichts dadurch zu gewinnen, daß sie die Afrikaner mies behandeln, aber viel durch gute Behandlung – nicht nur, aber (vor allem) auch beim persönlichen Komfort. Das gleiche Maß daran würden sie mit schlichtem Befehlen vermutlich nicht erreichen, es ist also durchaus eine nicht ganz uneigennützige, wenn auch vielleicht nicht bei allen ganz bewußte Haltung.

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika