Zum Inhalt des Buches wurde ja schon genügend geschrieben, daher möchte ich mir dies sparen.
"Eine Frage der Zeit" behandelt ein Kapitel deutscher Kolonialzeit, die wahrscheinlich kaum jemandem bekannt ist. So verrückt sich das Unterfangen, ein Dampfschiff in Deutschland zu bauen, zu demontieren und am Tanganjika-See wieder zu montieren, liest, entspricht es doch den Tatsachen.
Alex Capus verpackt diese Geschichte in seinem Roman auf sehr lesenswerte Art. Obwohl er manches Mal ziemlich ins Detail geht, wird der Leser von diesem Buch geradezu gefangengenommen. Es geht dabei nicht nur um das Dampfschiff "Götzen", die von den drei norddeutschen Werftarbeitern in Deutsch-Ostafrika zusammen gebaut werden soll. Denn wir reisen mit den dreien an den Tanganjika-See - in eine fremde Kultur, zu den Schwarzen und die sie beherrschenden Kolonialherren.
Das einzige, was mir an dem Roman nicht gefiel, war dass meiner Meinung nach übertrieben positive Verhalten der drei den Einheimischen gegenüber. Das war mir etwas zu sehr Schönfärberei. Besser gefallen hat mir in diesem Zusammenhang die Bemerkung des deutschen Offiziers, der den Schwarzen lediglich übel nahm, dass sie ihn zwingen Dinge zu tun, die er für böse hält, aber aufgrund seiner Stellung dazu gezwungen ist. Er muss als Offizier handeln und nicht als Mensch.
Es sind jedoch auch die Schiffbauer, die er unter Druck setzen muss. Der Dampfer muss fertig werden und auch die Wissmach bedarf der Überholung. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden Rüter, Tellmann und Wendt seinem Kommando unterstellt. Über längere Zeit gelingt es ihnen durch Arbeitsverzögerungen passiven Widerstand gegen ihre aktive Kriegsteilnahme zu leisten.
Den bedächtigen, wortkargen Deutschen wird ein Ausbund von Energie in Gestalt von Geoffrey Spicer Simson, Commander der britischen Armee, gegenüber gestellt. Das groteske und abstossende Verhalten Simsons unterstützt noch das "Feindbild". Und gerade er war es, der mich am meisten überraschte.
Mit spitzer Feder zeigt Capus die Lächerlichkeit der Gefechte auf dem See auf. Da ist man versucht beim Lesen den Kopf zu schütteln über dieses ganze Gehabe.
Ich bin sehr angetan von diesem Roman und kann ihn nur weiterempfehlen.
